Mit Märschen und dem Dauerthema Wohnen ins neue Jahr

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Di, 15. Januar 2019

Freiburg

Martin Haag war wieder beim Neujahrsempfang in Lehen zu Gast – und konnte auch diesmal keinen Durchbruch beim Baugebiet Zinklern vermelden.

FREIBURG-LEHEN. Um das Freiburger Dauerthema Wohnen geht’s zurzeit überall – das war auch beim Neujahrsempfang der Ortsverwaltung im Cyriaksaal in Lehen so: Dabei ging es nicht nur um den geplanten neuen Stadtteil Dietenbach, sondern auch um das Endlos-Drama um das Lehener Baugebiet Zinklern.

Baubürgermeister Martin Haag ist bei den Lehener Neujahrsempfängen schon Stammgast: In den vergangenen Jahren war er wiederholt da. "Und ich würde gern mal was anders zum Thema Zinklern sagen als: Es hat wieder nicht so geklappt wie vorgesehen", betont er. Denn auch im vergangenen Jahr gab’s einen Rückschlag, als sicher schien, dass es losgehen könnte, die Erben eines Grundstückeigentümers zogen die Genehmigung zurück. Die Fläche galt als "Schlüsselgrundstück" und war für einen Einkaufsmarkt vorgesehen. Erstaunlich war das angesichts der langen Misserfolgsgeschichte nicht: Der Ortsvorsteher Bernhard Schätzle verweist darauf, dass bereits im Eingemeindungsvertrag Lehens von 1971 stand, dass die Stadtverwaltung sich verpflichte, das Baugebiet Im Zinklern nun "zügig zu entwickeln".

Doch Schätzle macht neuen Mut: "Wir sind kurz vor dem Durchbruch." Nicht mehr warten will er aber, was die Feuerwache Lehen angeht: "Da ist der Geduldsfaden zum Zerreißen gespannt, deshalb muss nun im ersten Vierteljahr klar werden, wie es weitergeht, auch unabhängig von Zinklern", fordert der Ortsvorsteher. Mit Zinklern werde sich Lehen verändern. Voraussichtlich 1300 bis 1500 neue Bewohnerinnen und Bewohner, die dort unterkommen sollen, bedeuteten ein Zehntel des Potenzials vom geplanten neuen Stadtteil Dietenbach.

Damit auch der kommen könne, plädiert Martin Haag dafür, beim Bürgerentscheid am 24. Februar entsprechend zu stimmen. Freiburg leide als Stadt, wenn es keine Mischung von Menschen mit unterschiedlich viel Geld gebe. Zwar würden Chefärzte an der Uniklinik wegen ihres hohen Gehalts immer eine Wohnung finden, doch nicht die Pflegekräfte, die genauso dringend gebraucht würden. Ähnliches gelte für Busfahrer, Polizisten oder Erzieherinnen, aber auch generell für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vieler Unternehmen: "Freiburg nimmt Schaden als Wirtschaftsstandort, weil das Wohnen hier zu teuer ist." Klar sei zwar, betont Martin Haag speziell mit Bezug auf das landwirtschaftlich geprägte Lehen, dass die Landwirte, die die Dietenbach-Flächen nutzen, erstmal benachteiligt seien – doch für die Hälfte seien Ersatzflächen gefunden worden, für die anderen würden noch welche aufgetan. Und wer statt Dietenbach im Umland Wohnungen baue, verbrauche dort noch viel mehr landwirtschaftliche Flächen.

Zum Neujahrsempfang in Lehen gehören neben Infos die gemeinschaftlichen Aspekte: So wie Grußworte aus den Nachbarstadtteilen und des Pfarrers Rüdiger Fett von der evangelischen Matthäusgemeinde, der bald nach Stuttgart wechseln wird. Mit dabei sind auch die rund 20 Musikerinnen und Musiker des Musikvereins Lehen, die mit ihren Märschen die Gestaltung übernommen haben.

Es sei klar, dass die Lehener Vereine zusammenarbeiten und sich aushelfen, wenn sie gebraucht werden, sagt der musikalische Leiter Jochen Ruf. Er kam 1982 als 14-Jähriger dazu. Noch länger dabei ist Roland Löffler, der 1974 mit elf Jahren einstieg. Wie fast alle Vereine würde der Musikverein gern wachsen, darum freuen sich alle über Christine Lunke-Steffl: Sie kam erst im November dazu. Da hatte sie über die Johannes-Schwartz-Grundschule, die ihre Kinder besuchen, erfahren, dass ein Saxophonist gesucht wurde.