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14. April 2011

Des Dompfarrers Amtsverzicht

MÜNSTERECK: Nicht perfekt sein müssen

Dürre sechs Zeilen kurz ist die Presseerklärung der Erzbischöflichen Pressestelle, die nach nur gut vier Jahren das Ende der Amtszeit von Dompfarrer Claudius Stoffel bedeutet. Einige wenige reiben sich nun – in aller romtreuen Unschuld natürlich – die Hände, weil da einer weg ist, der sie zutiefst beunruhigt hat mit seiner Eigenart. Aus just demselben Grund bedauern viele (die sich von ihm haben begeistern lassen, aus der kirchlichen Grabesruhe auf- und auszubrechen) den Abgang des 55-Jährigen. Er nämlich hat während seiner kurzen Zeit in Freiburg mit seinem Gespür für Sprache und Tiefgang viele Menschen ins Münster gepredigt (statt sie mit Kirchensprache zu vertreiben). Er hat der Kathedrale eine neue Weihnachtskrippe beschert, in der auch ein Erzbischof und ein evangelischer Dekan als einfache Hirten Platz finden. Er hat mit dem evangelischen Dekan Markus Engelhardt der Ökumene in der Stadt neues Leben eingehaucht. Er hat Junge und Alte, Frauen und Männer dafür begeistert, das ihnen Eigene als wertvoll einzubringen ins Leben der Gemeinschaft. Er hat dem Oberbürgermeister das Fest des Stadtpatrons St. Lambertus schmackhaft gemacht. Und er hat seinen Beruf, seine Berufung etwas anders gesehen, eben nicht als jenen Pfarrherrn, der als Solist Mädchen für alles zu sein hat: "Es entlastet sehr, dass das Vorläufige sein darf, wir müssen nicht perfekt sein, und wir sollten auch nicht die Perfekten spielen." Das hat Claudius Stoffel vielen glaubwürdig gemacht. Und sie werden ihn vermissen.

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Autor: Gerhard M. Kirk