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16. Oktober 2008
Nach dem Bohren kam Dreckwasser aus der Quelle
Wasserversorger sehen die Nutzung von Erdwärme mit gemischten Gefühlen / Trinkwasserschutz soll stärker berücksichtigt werden.
Erdwärmesonden sind die Altlasten von morgen. Diese provokante These stellt der Energie- und Wasserversorger Badenova auf. Er sieht durch den derzeitigen "Wildwuchs" von Bohrlöchern die Qualität des Trinkwassers gefährdet. Tatsächlich hat es in Freiburg bereits zwei Schadensfälle gegeben. Deshalb fordert Badenova gemeinsam mit anderen Vertretern der Wasserwirtschaft, den Bau von Erdwärmesonden strenger zu reglementieren. Die Behörden halten die derzeitigen Regelungen indes für ausreichend.
Wärmepumpen boomen. Immer mehr Häuslebauer greifen zum Heizen auf die hohen Temperaturen aus dem Erdinneren zurück. Dafür müssen bis zu 400 Meter tiefe Löcher gebohrt werden, die meisten Bohrungen reichen allerdings nur bis in Tiefen von 100 Metern. In Freiburg erwischte eine Bohrfirma dabei kürzlich einen Abflusskanal der Badenova. Reparaturkosten: 70 000 Euro. Dramatischer schätzt der Wasserversorger einen zweiten Schadensfall ein. Im Stadtteil Munzingen brachte eine Bohrfirma den Untergrund so durcheinander, dass plötzlich aus einer Quelle dreckiges Wasser sprudelte. Glück: Die Quelle wird nicht für die Trinkwasserversorgung genutzt. "Aber daran sieht man, dass Erdwärmesonden eine Blaupause der Gefahr sind", sagt Badenova-Pressesprecher Erich Möck. Mit oberflächennaher Geothermie werde viel zu sorglos umgegangen: "Beim nächsten Mal trifft es vielleicht eine Trinkwasserquelle." Prinzipiell sei es ökologisch sinnvoll, Geothermie zu nutzen, sagt Möck, aber die Behörden hätten es versäumt, den Bau von Erdwärmesonden ausreichend zu reglementieren. Auch die "Deutsche Vereinigung des Gas- und Wasserfachs" (DVGW) hat ein Positionspapier formuliert. Darin fordert der Verband, bei Wärmepumpen den Trinkwasserschutz stärker zu berücksichtigen.
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Dass die beiden Vorkommnisse in Freiburg keine Einzelfälle sind, bestätigt auch Ralph Watzel vom Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (das inzwischen zum Regierungspräsidium Freiburg gehört). Prozentual gesehen hielten sich die Probleme bei der oberflächennahen Geothermie jedoch in Grenzen, sagt Watzel. Schließlich seien inzwischen in ganz Baden-Württemberg 11 500 Wärmepumpen installiert, jährlich kämen 1000 bis 3000 neue hinzu. Ihnen ständen nur sehr wenige Schadensfälle gegenüber. Auch die Qualität des Trinkwassers sieht Watzel nicht gefährdet. In Trinkwasserschutzgebieten sei die Nutzung von Wärmepumpen sowieso verboten, lediglich am Rand der Zonen gebe es Ausnahmen. Außerdem müsse jede neue Anlage von der Unteren Wasserbehörde und – je nach Tiefe der Bohrung – zusätzlich vom Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau beurteilt werden. In der Realität komme es dennoch immer mal wieder zu Problemen, sagt Watzel, etwa, weil die Bohrfirmen nicht sauber arbeiteten: "Aber soll man deshalb gleich alles einschränken?"
Auch der Heizungsinstallateur Joachim Kreuz beobachtet, dass viele Firmen die Bohrungen "etwas zu salopp" angehen. Kreuz war früher ein Verfechter der Geothermie. Inzwischen ist er vorsichtiger: "Das ist eine hervorragende Technologie", sagt er. "Allerdings nur, wenn die Rahmenbedingungen stimmen."
Autor: Beate Beule
