Fasnetlexikon (91)

Narrenzünfte von Ebnet und Kappel: Die Standhaften im Freiburger Osten

Hans Sigmund

Von Hans Sigmund

Fr, 06. Februar 2015

Freiburg

FASNETLEXIKON (91): Die Narrenzünfte von Ebnet und Kappel, beide Mitglieder des Verbands VON, feiern (halb-)runde Geburtstage.

EBNET/KAPPEL. Sowohl Ebnet wie auch Kappel (wegen anderer Orte gleichen Namens zum Teil mit dem Zusatz "im Tal" versehen) gingen nicht gerade sehr erfreut unter die Fittiche der größten Stadt Südbadens, sondern wurden im Zuge des sanften Zwangs einer Gebietsreform nach Freiburg eingemeindet. Beide sind seit Mitte 1974 offiziell Stadtteile von Freiburg. Die erste urkundliche Erwähnung der beiden Ortschaften fällt in das 12. Jahrhundert. Ihre im 20. Jahrhundert entstandenen Fasnetzünfte feiern dieses Jahr beide (halb-)runde Geburtstage.

Während Ebnet zunächst den Klöstern St. Peter und Einsiedeln gehörte, war es später im Eigentum von verschiedenen Fürsten und Patriziergeschlechtern (Herren von Falkenstein, Grafen von Freiburg, Schnewlin-Landeck und derer von Sickingen). Im Jahre 1955 gründete sich die "Zunft der feurigen Salamander". Maßgeblich an der Entstehung beteiligt war der Ebneter Metzgermeister Eugen Jautz. Josef Brüderle schlug als Narrenfigur den Feuersalamander vor. Der "Regenmolli", wie der schwarz-rot-gelb gefleckte Schwanzlurch liebevoll im alemannischen Sprachgebrauch genannt wird, war früher im Gebiet um die Steinhalde daheim und ist heute noch am Galgenberg zu sichten.

Das Häs der Ebneter Narren trägt die Farben des Feuersalamanders, auch die holzgeschnitzte Maske, die der Elzacher Bildhauer Josef Tränkle entworfen hat, zeigt den typischen Lurchkopf mit der spitzen Schnauze. In der Hand halten die Narren eine rote Lederpatsche, die an die gespaltene Zunge erinnert. Dieses Jahr feiern die Salamander mit mehreren Veranstaltungen ihr 60-jähriges Bestehen. Nach Festbankett und Zunftabend, die bereits stattfanden, folgt am morgigen Samstag ab 20.11 Uhr ein Jubiläumsbrauchtumsabend in der Dreisamhalle, Unteres Grün 15, mit rund dreistündigem Programm unter Mitwirkung der Ebneter Vereine und Tanzmusik der Kapelle "Just for Fun" (Eintritt: 6 Euro).€

Die Geschichte von Kappel hängt mit dem Bergbau im Schauinsland zusammen und reicht fast 850 Jahre zurück. Auch die Stadt Freiburg verdankt ihren mittelalterlichen Reichtum in weiten Teilen dem Abbau des Silbers aus dem "Erzkasten", wie die Bürger der Schwarzwaldmetropole den Berg mit dem einst wertvollen Innenleben immer noch gerne nennen.

Bis in die Neuzeit fuhr man von Hofsgrund aus in den Berg, erst als die Höllentalbahn gebaut wurde, begann man auch mit dem Stollenbau vom Dreisamtal aus. Als man 1960 dort eine Narrenzunft gründete, wählte man den "Schauinsländer Berggeist" zur Narrenfigur. Er soll dem Vernehmen nach auch in einer heimischen Sage erwähnt sein.

Das Häs der Narrenfigur besteht aus einem grünem Spättlegewand (Kostüm aus Stoffresten oder Flicken) und einem großen mit gelben Zotteln versehenen Überkragen. Die Holzmaske wurde von Hans Puscha entworfen und durch den Holzschnitzer Sepp Spiegelhalter aus St. Peter gefertigt. Sie zeigt eine groteske Dämonenfratze, fels- und silbergrau, mit runenhaften Verzierungen, die man als Erzadern deuten kann, und eckzähnig – die Form erinnert an das aus dem Berg gebrochene Gestein. Als Narrenwerkzeug dienen der Fuchswedel und ein grober Holzbengel (Keule), der beim Narrentanz zusammen mit einem Holzlöffel als Lärmgerät benutzt wird. Auch Kappels Berggeister feierten mit einem zünftigen Jubiläumsabend ihr 55-jähriges Bestehen. Ein Brauchtumsabend mit Vereinsbeteiligung folgt am Freitag, 13. Februar, 20.11 Uhr in der Festhalle Kappel, Moosmattenstraße 16 (Eintritt: 5 Euro).

Die Kappler gehören wie die Ebneter Narrenzunft übrigens nicht der Breisgauer Narrenzunft (BNZ) an, die ansonsten das Dach für die Freiburger Zünfte bildet. Die beiden Zünfte wurden bereits 1972 in den Verband Oberrheinischer Narrenzünfte (VON) aufgenommen und blieben bei der Eingemeindung standhaft dem Dachverband treu. Sie gehören zur Vogtei "Mittlerer Breisgau" des Verbandes.

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