Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
21. Juni 2011
Nette Toilette: Rote Schilder weisen den Weg
Die Aktion "Nette Toilette" ermöglicht nun auch in Freiburg, in neun Restaurants kostenlos die sanitären Anlagen zu benutzen.
Menschen, die in der Stadt unterwegs sind und plötzlich ganz dringend eine Toilette benötigen, wird die bisher manchmal verzweifelte Suche danach nun erleichtert. Ihnen weisen rote Schilder an neun Restaurants den Weg: "Hier finden Sie eine nette Toilette" – also eine Möglichkeit, sich kostenlos zu erleichtern, wenn’s arg pressiert.
"Für uns ist das eine Geste, die die Tourismusstadt Freiburg nötig hat", sagt Hans-Jörg Dattler, der sich wie andere Gastronomen an der Aktion beteiligt. "Wir haben uns der Sache gern angeschlossen." Ähnlich sieht es sein Kollege Toni Schlegel, der im Ganter Brauereiausschank schon länger dazu einlädt, die Toiletten zu benutzen, wenn’s sein muss. "Die roten Schilder sind ein unbürokratischer und einfacher Weg zu mehr Kundenorientierung in der Stadt." Nicht nur für Touristen, fügt Bernd Dallmann an. Der Geschäftsführer der Freiburg Wirtschaft, Touristik und Messe (FWTM): "Das ist ein Stückle Infrastrukturverbesserung nicht nur für Gäste, sondern auch für die Bürgerinnen und Bürger Freiburgs."Dennoch ist FWTM-Abteilungsleiter Wolfgang Schwehr bei seiner Werbung fürs Mitmachen nicht bei allen Gastronomen auf offene Ohren gestoßen. Fünf Absagen habe er bekommen. Denn: "Die Nutzung sanitärer Anlagen, ohne Gast des gastronomischen Betriebs zu sein, wird nicht überall gerne gesehen." Er ist aber zuversichtlich, noch elf weitere Restaurants für die Aktion "Nette Toilette" zu gewinnen. Schließlich gebe es angesichts der steigenden Besucherzahlen in Freiburg nicht genug öffentliche Toiletten.
Werbung
Das Geld für 20 Gaststätten ist jedenfalls da. Laut Wolfgang Schwehr genehmigte der Gemeinderat für dieses und nächstes Jahr jeweils 12 000 Euro für die Aktion. Die beteiligten Betriebe erhalten nämlich von der Stadt Freiburg einen Reinigungskostenzuschuss in Höhe von monatlich 50 Euro. Die Aktion sei für alle Seiten ein Gewinn, so Schwehr, da hierdurch die Notwendigkeit entfällt, neue öffentliche Toiletten einzurichten und regelmäßig zu warten. Überdies könne die Gastronomie auf diesem Weg auch neue Gäste gewinnen.
Toni Schlegel rechnet damit, dass sich die Zahl der Toilettennutzungen in den Gastwirtschaften mit dem roten Schild an der Tür etwa vervierfachen wird. Deshalb hätten die Gastronomen sich 100 Euro als Aufwandsentschädigung für höhere Reinigungskosten gewünscht. Gleichwohl ermöglichen zunächst mal immerhin neun Gastronomiebetriebe, kostenlos ihre Toiletten zu benutzen. So, wie es in etwa 110 Kommunen bundesweit schon länger Brauch ist, die sich an der von der Stadt Aalen ausgegangenen Aktion "Nette Toilette" beteiligen.
Dass da jetzt endlich auch Freiburg mitmacht, erfreut besonders Leonie Thomä von der Freiburger Gruppe der Deutschen Kontinenz-Gesellschaft. Seit nunmehr inzwischen fast sechs Jahren weist sie die Stadt Freiburg auf die Notwendigkeit von "netten Toiletten" hin: "Weil es so viele betroffene Menschen gibt, die aus Unsicherheit, ob sie rechtzeitig eine Toilette finden, ihr Haus nicht mehr verlassen und sich isolieren." Wobei Leonie Thomä es gut fände, wenn den roten Schildern rasch ein Verzeichnis der "Nette Toilette"-Betriebe (samt Lageplan) folgen würde, die da sind: Café Burse, Ganter Brauereiausschank, Goldener Engel, Greiffenegg-Schlössle, Großer Meyerhof, Koelner Botschaft, Schlappen, Schlossbergrestaurant Dattler und Schwarzwälder Hof.
Autor: Gerhard M. Kirk
