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19. November 2015 12:10 Uhr

Stadtentwicklung

Neue Bauplätze in Freiburg: Fast überall Konflikte

Landschaft, Klima, Kleingärten: Die von der Stadt Freiburg vorgeschlagenen Baugebiete haben es in sich, fast alle bergen Konflikte – und machen es den Fraktionen nicht leicht.

Das war der erste Aufschlag, sagt Babette Köhler. Die 51-jährige Landschaftsplanerin leitet im Rathaus die Projektgruppe Wohnen, die Anfang November startete. Fünf Flächen mit insgesamt 23 Hektar – das entspricht 32 Fußballfeldern – stellte sie gestern vor Journalisten vor. Sie entstammen dem Perspektivplan, der noch in Arbeit ist und "erhebliche Potenziale" in Freiburg entdeckt hat. Flächen, die schlecht genutzt sind oder nur eine geringe Dichte oder vergleichsweise große Freiflächen aufweisen. Insgesamt 90 solcher Gebiete haben die externen Experten identifiziert.

Weil Freiburg wächst und die Wohnkosten explodieren, soll schnell gebaut werden. Auf fünf Flächen soll das möglich sein, weil sie der öffentlichen Hand gehören. Bei der Bebauung werde man sich an der Umgebung orientieren, sagt Babette Köhler, die bislang die Abteilung Stadtentwicklung im Stadtplanungsamt leitete. Wichtig ist ihr auch, "Freiräume qualitativ weiterzuentwickeln". Und selbstverständlich, sagt Baubürgermeister Martin Haag, seien die baulandpolitischen Grundsätze zu beachten, also auch der umstrittene Beschluss des Gemeinderats, wonach in Neubaugebieten 50 Prozent der Wohneinheiten als Sozialmietwohnungen zu errichten sind. Die fünf Flächen im Detail:

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Stühlinger

Drei Hektar umfassen die Kleingärten südlich und nördlich der Sundgauallee. Sie werden immer nur für ein Jahr verpachtet, "sind also schnell zu kündigen", wie Projektgruppenchefin Köhler sagt. Doch nur die nördliche Anlage soll Wohnungsbau weichen. Die südlichen Kleingärten sollen dem Eschholzpark zugeschlagen werden. Wohnungen sollen auf dem Wohnmobilstellplatz an der Bissierstraße (0,8 Hektar) und auf dem Parkplatz beim Technischen Rathaus (0,7 Hektar) entstehen.

Mooswald

Der Wald südöstlich der Paduaallee steht unter Landschaftsschutz – beide müssten weg. Babette Köhler hält die Fläche für sehr geeignet. Hohe Wohnbebauung entlang der vierspurigen Straße könnte als Lärmschutz dienen. "Der Stadtteil würde aufgewertet."

Vauban

Die Wendeschleife der Straßenbahn im Stadtteil könnte so bebaut werden wie jene in Rieselfeld. Das Grundstück ist sogar teilweise bereits als Wohnbaufläche ausgewiesen.

Zähringen

Für die vier Hektar große Fläche hat der Gemeinderat im Januar 2007 beschlossen, einen Bebauungsplan für ein Gewerbegebiet aufzustellen. Seitdem stand der Grunderwerb im Vordergrund. Der ursprüngliche Plan soll nun umgewandelt werden. Die Kleingartenanlage "Höfle" soll erhalten bleiben. Denkbar sei, dass einige südlich gelegene Gärten in den Norden verlegt werden.

Littenweiler

Die Dreisamwiesen an der Kappler Straße seien auch für gehobene Wohnformen geeignet, sagt Babette Köhler. Doch auch diese 3,5 Hektar sind nicht problemlos. Es gelte, Beeinträchtigungen fürs Landschaftsbild und fürs Klima zu minimieren. Denn der Höllentäler ist ein Wind aus dem Osten, der im Sommer die Innenstadt kühlt.

Reaktionen aus dem Gemeinderat

"Eiltempo" attestieren die Grünen (11 Mandate im Gemeinderat) der Stadtverwaltung. Die vorgeschlagenen Flächen seien nach vorläufiger Einschätzung "ausgewogen und plausibel". Zielkonflikte sehen die Grünen vor allem in Mooswald und am Dreisamufer. Sie sichern zu, alle Flächen unvoreingenommen zu prüfen.

Die SPD (8) bezieht keine Stellung zu den fünf Flächen, bezweifelt aber, ob der Vorschlag ausgewogen ist. Für eine Einschätzung seien Informationen über alle 90 Flächen nötig, die der Perspektivplan gefunden hat. Die SPD kündigt an, "die Diskussion über die Flächen mit der Diskussion und den Forderungen über Kostentreiber in den baulandpolitischen Maßgaben verbinden." Dass die Verwaltung konkrete Vorschläge unterbreitet hat, begrüßt Michael Moos, Fraktionschef der Unabhängigen Listen (7). "Das ist ein Anfang". Wichtig sei, dass schnell und qualitätsvoll Wohnbau realisiert werden könne. Dabei spiele das Freiraumkonzept eine große Rolle. "Nach erster Prüfung scheinen die vorgeschlagenen Flächen sinnvoll."

Die Freien Wähler (3) hingegen sind enttäuscht, dass nur maximal 1500 Wohnungen ermöglicht werden sollen. "Offensichtlich gibt es immer noch Tabuflächen", heißt es in einer Mitteilung. Die Fraktion vermisst auch ein Sofortprogramm der städtischen Wohnungsgesellschaft, die eigenen Bestände aufzustocken und zu verdichten. Die Freien Wähler wollen die Verwaltung unterstützen auf dem Weg, "zusätzliche Flächen für den Wohnbau zu aktivieren".
Perspektivplan

Im September 2013 hat der Gemeinderat den "Perspektivplan" vergeben. Die europaweite Ausschreibung hatte die Arbeitsgemeinschaft "City-Förster" und "Freiwurf" aus Hannover sowie "Stein und Schulz" aus Frankfurt gewonnen. Er soll für die nächsten 15 Jahre die konzeptionelle Grundlage für die Entwicklung von neuen Bauvorhaben und -flächen samt der dazugehörigen Freiräume sein. Ziel ist es auch, 7000 Wohnungen sozialverträglich unterzubringen. Die weitreichende Bürgerbeteiligung ist auf riesiges Interesse gestoßen. Nicht zuletzt deshalb verzögert sich die Fertigstellung. Statt noch im Dezember soll der Gemeinderat nächsten Herbst den Plan beschließen. Zuvor ist eine breite öffentliche Diskussion geplant. Die Kosten haben sich von einer Viertelmillion auf 350 .00 Euro erhöht.

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Autor: Uwe Mauch