Ausblicke

Neue Sichtachsen ermöglichen neue Ausblicke vom Lorettoberg

Jelka Louisa Beule

Von Jelka Louisa Beule

Sa, 14. April 2018

Freiburg

Wer auf dem Lorettoberg im Stadtteil Wiehre stand, sah zuletzt vor allem eins: Bäume. Der Blick in die Landschaft war größtenteils verstellt. Der Verein Queen-Auguste-Victoria-Park hat nun in Eigenregie vier Sichtachsen wieder freigeschnitten.

Und damit sich alle daran erinnern, dass diese auch zukünftig frei bleiben, haben die Aktiven zudem 20 000 Narzissen gepflanzt, die jedes Jahr blühen. Am morgigen Sonntag lädt der Verein die Freiburger ein, sich die neuen Ausblicke und das gelbe Narzissen-Meer anzuschauen.

Wenn Werner Semmler erklärt, worum es ihm geht, hält er einem seine Hand ganz dicht vor die Nase. Dann sieht man zwar die Hand – aber nichts mehr von der Umgebung. Genauso ist es dem Umkircher gegangen, als er im Schlosscafé auf dem Lorettoberg zu Gast war und vor lauter Bäumen nur ahnen konnte, dass sich dahinter das Münster, der Schlossberg oder die Klosterkirche in Günterstal verbergen. Das wollte der 66-Jährige nicht hinnehmen. Er hat sich beruflich jahrzehntelang als "Gartenkünstler" mit Parks beschäftigt, zudem gehört ihm der Queen-Auguste-Victoria-Park in Umkirch.

Wegen dieses Geländes wurde auch der gleichnamige Verein Ende 2016 gegründet. Denn Semmler konnte sich wegen einer Krankheit längere Zeit nicht um die Anlage kümmern. Inzwischen ist er jedoch wieder fit und hat im vergangenen Jahr seine ganze Energie in den Lorettoberg gesteckt. Gemeinsam mit dem Präsident des Vereins, Andreas B. Schmidt, mit vielen Freiwilligen und in 600 Arbeitsstunden wurden vier früher vorhandene Sichtachsen wieder freigeschnitten.

Davor war viel Überzeugungsarbeit nötig, denn die Flächen befinden sich größtenteils in Privatbesitz. Und die Grundstückseigentümer vom Anliegen des Vereins zu überzeugen, "das war richtig schwierig", sagt Semmler. Auch mit der Stadt Freiburg habe er etliche Termine gehabt. Denn knapp ein halbes Dutzend der Bäume, die gefällt wurden, standen unter der Baumschutzsatzung. Der Großteil sei jedoch "Wildwuchs" und Gestrüpp gewesen.

Doch nicht alle Grundstückseigentümer zeigten sich kooperativ. Der Blick Richtung Brombergkopf ist nach wie vor versperrt. Das wurmt den Verein. "Aber wir haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben", sagt Schmidt. Auch Richtung Westen gebe es noch viel Potenzial zum Freischneiden. Richtig ärgerlich wird Werner Semmler, wenn er erzählt, dass ein Großteil "der ganzen Millionäre" auf dem Lorettoberg "keinen einzigen Cent" für das Anliegen des Vereins gespendet haben. Allein die Narzissen-Zwiebeln kosteten rund 10 000 Euro.

Bei Schlosscafé-Wirt Antonio Fernandez ist der Verein indes auf offene Ohren gestoßen. Die neuen Sichtachsen fielen auch den Gästen auf, berichtet dieser: "Ich werde jeden Tag darauf angesprochen." Auch Anwohner Christoph Rosset ist völlig begeistert. "Ich wohne seit 50 Jahren auf dem Lorettoberg. Aber mir ist noch nie aufgefallen, wie herrlich der Blick von der Kapelle auf die Stadt und Günterstal ist." Schmidt vergleicht die Aussicht sogar mit großen europäischen Vorbildern: dem Blick vom Montmatre auf Paris oder von den Hügeln Roms auf den Petersdom. Dem Verein wäre es am liebsten, wenn die Sichtachsen dauerhaft unter Schutz gestellt würden – damit sie auch von einer Bebauung freigehalten werden. Bis dahin sollen die blühenden Narzissen in jedem Frühling ein Mahnmal sein. Der Verein habe eigens auch 5000 Zwiebeln der Sorte "Solome" ausgesucht, berichtet Schmidt. Diese sollen Oberbürgermeister Dieter Salomon an die Schönheit der Natur erinnern.