Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
23. Februar 2012
Neuer Herr der Fahrpläne
LEUTE IN DER STADT: Oliver Benz koordiniert seit Januar die Fahrplangestaltung bei der VAG.
Ein Blatt mit unübersichtlichem Gewirr von Linien liegt auf dem Tisch des 37-jährigen Oliver Benz. "Das ist der grafische Fahrplan von einem Fußball-Samstag", sagt der neue Fahrplanchef der Freiburger Verkehrs-AG. Wie man darauf die Koordination der Sondereinsatzfahrzeuge erkennen soll, bleibt dem Laien ein Rätsel. Für die Fahrplanfachleute ist das Alltag.
Oliver Benz ist kein Neuling bei der VAG. Der Verwaltungswissenschaftler, der in Konstanz studiert hat, begann bereits 2003 als Assistent der Vorstandsdoppelspitze. Auf diese Weise lernte er von Beginn an sowohl den kaufmännischen als auch den technischen Bereich des Unternehmens kennen. Das ist in seiner jetzigen Position von Vorteil: Die Fahrplangestaltung gilt als Schnittstellenposition zwischen den beiden Bereichen, denn die Bedürfnisse der Kunden müssen mit den Bedürfnissen der Techniker und der Mitarbeiter im Fahrdienst in Einklang gebracht werden.2008 übernahm Benz zunächst die Bereichsleitung für den Fahrbetrieb. "Dass ich nun auch die Verkehrsplanung übernommen habe, ist aus der Not geboren", erzählt Benz. Sein Vorgänger Wolfgang Triebig ist nach nur einem halben Jahr wieder ausgestiegen. Er war in die großen Fußstapfen von Wolfgang Plöger getreten – der Mister Fahrplan ist seit einem Jahr im Ruhestand.
Werbung
Nach dem kurzfristigen Abgang hatte Benz die Fahrplangestaltung im Oktober 2011 zunächst kommissarisch übernommen. Die Personalunion mit der Fahrbetriebsleitung hat sich offensichtlich bewährt. Seit Januar hat Benz beide Bereiche offiziell in seiner Hand. "Ich sehe mich als strategischen Kopf und Spange zwischen den Bereichen Angebot und Betrieb", sagt Benz. Nach außen fungiert er auch als Ansprechpartner für die Ortsverwaltungen und Gemeinden. "Wenn zum Beispiel Ebnet einen Änderungswunsch bei Fahrplan oder Linienführung hat, dann kann sich die Gemeinde an mich wenden", sagt Benz. Aktuell macht er die Runde durch alle Umlandgemeinden, um sich bei den Ortschaftsräten und Bürgervereinen vorzustellen.
Was die Fahrplangestaltung betrifft, gibt es immer viel zu tun. Die Detailplanungen erledigen sechs Mitarbeiter. "Sonderverkehre sind bei uns an der Tagesordnung", sagt Benz. Fußballspiele, Demonstrationen, Messeveranstaltungen oder Baustellen erfordern immer Änderungen im Fahrplan und in der Linienführung. Die großen Projekte sind die Integration der künftigen Linien in den Gesamtfahrplan. 2014 wird die Stadtbahnverlängerung in Zähringen eröffnet, es folgen die Messetram 2015 und die neue Linie über den Rotteckring 2016. Das ist ein ordentliches Pensum.
Der 37-Jährige ist verheiratet, tobt liebend gern mit seiner dreijährigen Tochter herum und arbeitet gern im Garten: "Beim Umgraben kann man so schön nachdenken."
Daneben hat Benz aber noch ein anderes Steckenpferd: "Mittelfristig wünsche ich mir die Umsetzung einer verbesserten Fahrgastinformation in Echtzeit." Dann sollen die Bahnen und Busse mit Monitoren ausgerüstet werden, auf denen der Fahrgast beispielsweise sehen kann, welche Anschlüsse es an der nächsten Haltestelle gibt, und ob er sie noch erreicht. "Ich würde mich dazu gerne mal mit Hannah Bast austauschen", sagt Benz. Die Informatik-Professorin gewann vor wenigen Wochen den Google-Forschungspreis für ihre Arbeit im Bereich der Routenplanung
Autor: Petra Völzing
