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28. September 2009

Nicht alle sind begeistert

Fest in Weingarten zum Beginn der aufwendigen Hochhaussanierung an der Bugginger Straße.

Es ist 40 Jahre alt und war zuletzt wahrlich kein Schmuckstück mehr. Deshalb wird ein Hochhaus der städtischen Tochtergesellschaft Freiburger Stadtbau GmbH (FSB) an der Bugginger Straße im Stadtteil Weingarten rundum saniert – und zwar so, dass es zukünftig einem energetisch günstigen Passivhaus entspricht. Die FSB feierte den Startschuss der Arbeiten am Samstag mit einem Stadtteilfest und lobte das deutschlandweit einmalige Projekt. Viele ehemalige Mieter und die Quartierssozialarbeit können den Enthusiasmus indes nach wie vor nicht teilen.

Seit einigen Wochen wird in der Bugginger Straße gewerkelt. Um auch die oberen Etagen des 16-stöckigen Hochhauses erreichen zu können, reckt sich seit Anfang September ein 51 Meter hoher Kran in den Himmel – der größte, den es deutschlandweit gibt. Die Mieter sind längst in andere Stadtbauwohnungen umgezogen. Das ist auch nötig: Schon jetzt ist das Gebäude kaum mehr wiederzuerkennen. Von dem alten Hochhaus wird nicht viel mehr übrig bleiben als der Rohbau.

450 alte Heizkörper hat die Baufirma bereits entfernt, samt einem Kilometer Heizungsrohren. Außerdem sind 620 Türen und 12 000 Quadratmeter Tapeten entsorgt worden. Von der Außenfassade landen in den kommenden Tagen 336 Brüstungselemente in Containern. Diese begrenzten bislang die Loggien, die jeder Wohnung vorgelagert waren. Die Loggien werden zugemauert, stattdessen bekommen die Wohnungen Balkone, die von außen an die Fassade angehängt werden.

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Dies hat zwei Gründe: Die Loggien sind aus energetischen Gründen unvorteilhaft. Vor allem aber entsteht durch den Wegfall der Loggien im Inneren des Gebäudes zusätzlicher Wohnraum. Zukünftig sollen nämlich in dem Hochhaus 135 statt bisher 90 Wohnungen untergebracht werden. Grund: Die Sanierung eines Gebäudes zu einem energetisch hochwertigen Passivhaus ist extrem teuer und bei Hochhäusern nicht üblich. 13 Millionen Euro wird die FSB insgesamt investieren. Deshalb sollen die Wohnungen kleiner werden.

Drei-Zimmer-Wohnungen schrumpfen auf 70 Quadratmeter

Die Drei-Zimmer-Wohnungen haben künftig nur noch rund 70 Quadratmeter statt bisher 86, die Zwei-Zimmer-Wohnungen werden von 66 auf gut 50 Quadratmeter schrumpfen. "Das ist eine ideale Lösung", meinte Oberbürgermeister und FSB-Aufsichtsratvorsitzender Salomon am Samstag. Schließlich habe sich die Mieterstruktur in Weingarten verändert: Bei vielen ehemals großen Familien seien die Kinder inzwischen ausgezogen, Ehepaare und allein stehende Männer und Frauen lebten dennoch nach wie vor in den großen Wohnungen.

Durch die gute Wärmedämmung sollen die Mieter außerdem rund 80 Prozent Heizkosten einsparen. Dadurch wird sich die Warmmiete für die Wohnungen insgesamt nicht erhöhen – obwohl die Quadratmeterpreise wegen der Sanierung um knapp zwei Euro ansteigen.

Viele Mieterinnen und Mieter sind dennoch nach wie vor wenig begeistert von dem bundesweit einmaligen Projekt. "Wir zahlen zwar hinterher nicht mehr als vorher, dafür haben wir aber auch deutlich weniger Platz", sagte eine Frau beim Rundgang am Samstag. Auch die Quartiersarbeit und der Sanierungsbeirat waren mit der Lösung von Anfang an nicht glücklich. Inzwischen sind sie vor allem deshalb verärgert, weil sich die FSB nun auch die sozialen Komponenten des Pilotprojekts auf ihre eigenen Fahnen schreibt – obwohl diese eigentlich hauptsächlich durch ehrenamtliches Engagement entstanden seien, sagte Quartiersarbeiterin Christel Werb gegenüber der BZ.

Um Konflikte zu vermeiden, soll im Erdgeschoss des Hochhauses eine "Concierge" als Ansprechpartnerin zur Verfügung stehen. Außerdem werden dort die Quartiersarbeit, die Arbeiterwohlfahrt und der Nachbarschaftstreff der evangelischen Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde soziale Unterstützung anbieten.

Auch das Stadtteilfest am Samstag sei ursprünglich eine Idee der Quartierssozialarbeit gewesen, sagte Werb. Schließlich habe es dann aber im Namen der FSB stattgefunden. Grund für die Feier waren neben dem Beginn der Bauarbeiten in der Bugginger Straße auch der Abschluss der Bebauung auf dem benachbarten Rosen-Kromer-Gelände, auf dem 29 neue Reihenhäuser entstanden sind (die BZ berichtete).

Autor: Beate Beule