Schätzung

Das neue Freiburger Rathaus wird 5,4 Millionen Euro teurer

Uwe Mauch

Von Uwe Mauch

Mi, 21. Juni 2017 um 12:23 Uhr

Freiburg

Die gute Nachricht: Der Termin für den Bezug des neuen Rathauses in Freiburg noch vor den Sommerferien wird gehalten. Die schlechte: Das markante Verwaltungsgebäude wird viel teurer.

Um wie viel die Kosten steigen, ist noch unklar. Und wer wie viel davon tragen muss, werden voraussichtlich die Gerichte entscheiden. Um den Bau vorantreiben zu können, braucht die Stadtverwaltung grünes Licht vom Gemeinderat für einen Kreditrahmen über acht Millionen Euro. Darüber stimmt das Gremium nächsten Dienstag ab.

Für den ersten Bau-Abschnitt des Großprojekts an der Fehrenbachallee gilt ein Kostendeckel von 80 Millionen Euro. Im Mai signalisierte der externe Projektsteuerer, dass das Budget nicht zu halten sei. Das geht aus einem Papier für den Gemeinderat hervor. Grund für die Kostensteigerung seien sogenannte Nachträge, also zusätzliche finanzielle Forderungen, die Unternehmen während des Bauverlaufs stellen. Diese überdurchschnittliche Zahl an Nachträgen habe ihre Ursache in unvollständigen Leistungsverzeichnissen und Verzögerungen, heißt es weiter. Das lasse auf eine "mangelhafte Leistung von Projektbeteiligten" schließen.

Stadt will sich die Mehrkosten zurückholen

Die Stadtverwaltung habe zwei Möglichkeiten, sagt Gerold Wißkirchen von der städtischen Projektgruppe Verwaltungskonzentration: entweder den Bau stilllegen und das Ergebnis des Rechtsstreits abwarten oder erst einmal zahlen, um den Bau in Betrieb nehmen zu können, und die Mehrkosten anschließend zurückverlangen.

"Unser Ziel ist es, alles zurückzuholen", sagt Wißkirchen. Ein Versäumnis der Stadtverwaltung kann er nicht erkennen. Es habe so gut wie keine neuen Wünsche gegeben, die teure Umplanungen nötig gemacht hätten: "Wir sind schlicht der Bauherr wie jeder Häuslebauer auch und haben alles nach außen gegeben." Gesamtkoordinator ist Stararchitekt Christoph Ingenhoven aus Düsseldorf, der den Wettbewerb gewonnen hat. Dessen Büro habe einen Projektleiter und zudem einen Bauleiter als Subunternehmer engagiert. Die Stadtverwaltung habe einen externen Projektsteuerer fürs Controlling beauftragt.

Ende Juli sollen die meisten Ämter umziehen

Dieser Controller schätzt die Mehrkosten auf 5,4 Millionen Euro. Und zwar auf der Basis seiner Erfahrung und der eingereichten Schlussabrechnungen, die allerdings erst zehn Prozent betragen. So hofft Wißkirchen denn auch, dass die tatsächliche Summe niedriger ausfällt. Doch damit tritt ein, was er gegenüber der BZ vor zwei Monaten schon angedeutet hatte: Dass eine längere Bauzeit mehr Geld koste, sei klar. Tatsächlich sollte das neue Verwaltungsgebäude im vergangenen Herbst fertig sein sollen. Nach vier Verzögerungen (die BZ berichtete mehrfach) steht nun immerhin der Umzugstermin für die technischen Ämter des Baudezernats fest: das vorletzte Juli-Wochenende. Die Einweihung mit der Bürgerschaft soll nach wie vor im Herbst stattfinden.

Der Umzug habe oberste Priorität, sagt Wißkirchen. Die Baustelle zu stoppen und sofort die Gerichte anzurufen, würde die Mehrkosten noch einmal in die Höhe treiben – mit unsicherem Ausgang. Denn kompliziert ist das Geflecht aus Architekt, Bauleiter, Projektsteuerer, Baufirmen und Stadtverwaltung. Wer trägt wie viel Verantwortung für die steigenden Kosten? Wißkirchen nennt ein Beispiel: Eine Firma springt ab, die Ersatzfirma lässt sich ihr spontanes Engagement teuer bezahlen, und das Unternehmen fürs nachfolgende Gewerk stellt die Verzögerung sofort in Rechnung. Auch Mängel in der Planung könnten einen ähnlichen Dominoeffekt auslösen.

Um den Fortgang der Arbeiten zu sichern, ist die Kreditermächtigung nötig, die sicherheitshalber zehn Prozent der Investitionssumme ausmachen soll. "Eine Art Vorfinanzierung", sagt Wißkirchen – allerdings mit dem Nachteil, dass nicht sicher ist, wie viel davon tatsächlich zurückfließt. Eine Stellungnahme des Architekturbüros Ingenhoven war am Dienstag nicht zu bekommen.


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