Transgender in Freiburg

So können Schulen LGBTQI-Schülern den Alltag erleichtern

Caroline Bingenheimer

Von Caroline Bingenheimer

Di, 29. Januar 2019 um 10:37 Uhr

Freiburg

Der Verein "Fluss" organisierte einen Fachtag zu Geschlechterrolle und Schulaufklärungsarbeit. Konkret hieß das etwa: Wie kann man Schülerinnen und Schülern, die transgender sind, unterstützen?

"Auf welche Toilette gehst du jetzt? Wirst du im Sportunterricht nun wie die Jungs oder wie die Mädels bewertet? Das waren die einzigen Fragen, die meine Mitschüler mir gestellt hatten", berichtete Danilo Selz. Der 17-Jährige outete sich im April vergangenen Jahres: "Ich bin jetzt nicht mehr Felicia sondern Danilo." Ganz selbstsicher, teilweise humorvoll, trug der Schüler aus Bad Krozingen seine Geschichte auf einem Fachtag des Vereins "Fluss" vor. Die Initiative betreibt Bildungsarbeit zum Thema Geschlechterrollen und sexueller Orientierung. Erstmals veranstaltete sie am vergangenen Freitag eine Tagung mit dem Titel "Irgendwie anders. Wenn Lilli zwei Mamas hat und Serhat sich in Moritz verliebt".

Lieber "Bob, der Baumeister" als eine Prinzessin

Rund 90 Teilnehmer nahmen an diesem Fachtag im Bürgerhaus Zähringen teil, überwiegend Lehrkräfte, Schulsozialarbeiter und Pädagogen. Abwechselnd wurden Workshops und Vorträge zum Thema sexuelle und geschlechtliche Vielfalt angeboten. Danilo Selz präsentierte im Rahmen des Programmpunktes "Coming Out von Jugendlichen" seine Erfahrungen. Gemeinsam mit seiner Mutter stand er auf der Bühne und erzählte aus seinem Leben. "Felicia hatte schon von klein auf nicht die klassische Mädchenrolle erfüllt. Im Kindergarten fiel das auch erst mal nicht auf. Wenn ein kleines Mädchen lieber ,Bob, der Baumeister‘ sein will, als eine Prinzessin, stört das keinen", berichtete Danilos Mutter, Ulrike Selz. Mit der Einschulung habe sich die Situation dann jedoch verändert. Felicia habe wenig Anschluss gehabt, weder Jungen noch Mädchen wollten mit ihr spielen.

"Mit den Jahren spitzte sich die Situation dann zu. Felicia bekam psychische Probleme, wurde magersüchtig , verletzte sich selbst und verbrachte ein Jahr in einer Klinik", so Ulrike Selz. Schon früh habe sie die Therapeuten gefragt, ob nicht eine Gender-Problematik vorläge. "2017 offenbarte Felicia mir dann, Mama ich bin lesbisch. Und im April 2018, Mama ich weiß jetzt , dass ich als Junge leben will."

" Mittlerweile bekommen die Lehrer es auch ganz gut hin, nur mit den Pronomen hapert es manchmal noch." Danilo Selz
Dann sei die Welle ins Rollen gekommen, so Danilo. Der 17-Jährige entschloss sich dazu, ganz offen mit der Veränderung umzugehen. Am Faust Gymnasium in Staufen, welches er nach wie vor besucht, verteilte er ein Schreiben an die Lehrkräfte. In der Zeitung veröffentlichte die Familie eine Geburtsanzeige. "Meine Mitschüler haben sofort umgeschaltet, niemand hat mich mehr Felicia genannt. Mittlerweile bekommen die Lehrer es auch ganz gut hin, nur mit den Pronomen hapert es manchmal noch." Zur Zeit macht er eine Hormonbehandlung und denkt darüber nach, eine Geschlechtsumwandlungsoperation durchführen zu lassen.

"Offenheit ist der Schlüssel", betonte Danilos Mutter, die selbst Lehrerin am Faust Gymnasium ist. Sie appellierte an die Teilnehmer, dass vor allem Pädagogen den Umgang mit Geschlechterrollen ganz besonders reflektieren sollten. Dieser Aussage stimmte auch Adrian Hoffmann vom Verein "Fluss", ganz klar zu: "Aufklärung ist das Wichtigste. Leider kommt es immer wieder vor, dass wir praktisch zum Feuerwehreinsatz in Schulen gerufen werden. Jemand will sich outen, die Schulleitung kontaktiert uns und wir rücken an."

Der 28-Jährige ist seit sechs Jahren bei "Fluss" aktiv und wurde als biologische Frau geboren. "Bei der Aufklärungsarbeit an Schulen kommt dann schon mal der Satz: Voll cool, dass ihr da seid, ihr seid ja auch ganz normal."

Mit einem Team aus rund 25 Ehrenamtlichen und zwei Teilzeitkräften, habe der Verein im vergangenen Jahr rund 1000 Schüler und etwa 700 Erwachsene erreicht. Und die Nachfrage steige stetig, so Hoffmann. Auch der Fachtag sei innerhalb kurzer Zeit ausgebucht gewesen, weshalb ein weiterer bereits in Planung sei.