Landwirtschaft

Freiburger Ortschaften wehren sich gegen Öko-Zwang für Landwirte

Simone Lutz

Von Simone Lutz

Mi, 10. Oktober 2018 um 12:15 Uhr

Freiburg

Der Antrag der Grünen, städtische Flächen in Freiburg nur noch an Bio-Betriebe zu verpachten und Pestizide zu verbieten, sorgt in den Ortschaftsräten für zum Teil heftige Reaktionen: Die meisten haben den Vorstoß abgelehnt. In zwei Wochen soll der Gemeinderat darüber entscheiden.

Derweil bemühen sich die Grünen, den betroffenen Landwirten Brücken zu bauen. Im Ortschaftsrat Waltershofen war von "Zwangsökologisierung" die Rede, in Munzingen von einem "unprofessionellem Schnellschuss", in Opfingen hieß es, das Ansinnen sei "eine Frechheit". In den landwirtschaftlich geprägten Ortschaften ist der Unmut groß.

Grund für die Aufregung ist ein Antrag der Freiburger Grünen in Sachen Biodiversität und Artenschutz. Um giftige Pestizide von landwirtschaftlichen Flächen zu verbannen, solle die Stadt ihre 562 Hektar Pachtland vorzugsweise an zertifizierte Bio-Betriebe vergeben, die auf insekten- und vogelfreundliche Bewirtschaftung achten.

Ursprünglich hatten die Grünen gefordert, Pachtverträge für städtische Flächen ab 2020 zu kündigen, wenn die Pächter Pestizide verwenden. Als daraufhin ein Sturm der Entrüstung losbrach, ruderten die Grünen ein Stück zurück und beantragen nun, die Frist bis 2023 zu verlängern.
"Wir wollen die kleinteilige Landwirtschaft vor Ort schützen." Maria Viethen, Grüne
Doch auch das besänftigt die Kritiker nicht. Die Umstellung von konventioneller Bewirtschaftung auf Bio dauere etwa fünf Jahre und sei eine betriebswirtschaftlich riskante Zeit, argumentieren sie. Außerdem sei fraglich, ob so viel Bio überhaupt nachgefragt werde.

"Wir wollen die kleinteilige Landwirtschaft vor Ort schützen", betont Maria Viethen, grüne Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat. "Aber es ist für uns klar, dass wir auf städtischen Flächen auf Pestizide verzichten und vorzugsweise an Bio-Betriebe verpachten wollen."

Das sagte sie auch am Montag bei einem Gespräch mit Landwirten und Vertretern von Naturschutzbund und Badischem Landwirtschaftlichem Hauptverband.

Ergebnis der Diskussion: Die Grünen überlegen, einen Zusatzantrag zu stellen. Die Stadtverwaltung solle ein Konzept erarbeiten, wie Bio-Landwirtschaft möglich wird ohne inakzeptable wirtschaftliche Mehrbelastung der Betriebe. So könnten zum Beispiel die jährlich kündbaren Pachtverträge länger laufen, um den Bauern Planungssicherheit zu bieten.

Möglich wären auch finanzielle Anreize für die Umstellung oder ein Fonds für Notfälle. Neu ist auch der Gedanke, mit benachbarten Landwirten einen Vermarktungsverbund aufzubauen, über den Kommunen und Betriebe regionale Produkte einkaufen. Das alles würde, finden die Grünen, ideal zu einer Freiburger Bewerbung als Bio-Musterregion zur Förderung des ökologischen Landbaus passen; die ist seit Anfang Oktober im Stuttgarter Landwirtschaftsministerium möglich.

Das Thema wird nächsten Montag im Hauptausschuss diskutiert und die Woche drauf im Gemeinderat entschieden.


Veranstaltung

BZ-Hautnah: "Nur Bio auf dem Acker?"
Diskussion am Freitag, 12. Oktober 2018, 19 Uhr
Haus der Bauern, Merzhauser Straße 111, Freiburg Eintritt frei.