Pakete packen und helfen

Simone Lutz

Von Simone Lutz

Sa, 22. März 2014

Freiburg

"’s Einlädele" bangt um seine Hilfsprojekte und hat die Ukraine-Nothilfe ins Leben gerufen.

Die Kaffeemaschine brummt, draußen scheint die Sonne, alles prima. Eigentlich. Doch Volker Höhlein und Silvia Fréchet sind bedrückt. Die beiden Mitarbeiter von ’s Einlädele, der sozialen Einrichtung im Stühlinger, waren Anfang März in der Ukraine, um dort ihre Hilfsprojekte – Kinderhaus, Seniorenzentrum, Vaterhaus – zu besuchen. Wegen der politischen Wirren sei deren Situation "sehr besorgniserregend". Nun wollen sie helfen: mit einer Ukraine-Nothilfe.

Sie hatten sich überlegt, ob sie überhaupt nach Kiew fliegen sollten, und während ihrer einwöchigen Reise gab es Momente, da stand das Weiterkommen auf der Kippe. Doch letztlich hat alles geklappt und Volker Höhlein, Geschäftsführer von s’Einlädele, und Ladenleiterin Silvia Fréchet haben ihre schon lange geplante Reise durchgezogen. Die soziale Einrichtung an der Guntramstraße besteht ja nicht nur aus einem gemeinnützigen Second-Hand-Laden, einem Café, einem Buchladen und dem Bären-Treff, sondern vor allem aus der Ukraine-Hilfe: Seit 20 Jahren unterstützt die evangelische Gesellschaft dort unter anderem das Kinderhaus "Palina" 150 Kilometer westlich von Kiew, das Seniorenzentrum "Haus der Barmherzigkeit" südlich und das Vaterhaus in der Nähe der Hauptstadt.

Silvia Fréchet und Volker Höhlein haben viel gesehen, viel Ermutigendes, aber auch viel Beunruhigendes. So hat das Kinderhaus im Januar und Februar das Kinder- und Pflegegeld der staatlichen Stellen verspätet erhalten, ob es im März überhaupt kommt, ist fraglich. 16 Pflegekinder leben dort bei drei Familien, die diese mit ihren eigenen Kindern großziehen und ihnen Geborgenheit geben. Wenn es Krieg gibt, werden die Väter eingezogen – was dann? "Da haben wir zum ersten Mal gespürt, wie konkret das ist", sagt Fréchet. Auf der Krim war immer das traditionelle Zeltlager der neu angekommenen Pflegekinder, das ist nun vorbei.

Der Staat zahlt nicht mehr

Im Seniorenzentrum, das von der Rente der 28 Senioren – meist nur 100 Euro im Monat – sowie Hilfsleistungen aus dem Westen abhängig ist, bangt man um die Zahlungen. Lediglich ’s Einlädele und die befreundete holländische Organisation Linda Fonds halten den Betrieb überhaupt noch aufrecht. Viele der alten Menschen haben Schmerzen, aber keine Medikamente, denn die sind zu teuer. Viele sind verwirrt und horten auf ihren Zimmern Brot, das schimmlig wird. In den letzten Wochen mussten die Pflegenden teure Windeln kaufen, weil der Lkw der Ukrainehilfe aus Freiburg nicht frei gegeben wurde. Höhlein und Fréchet konnten wenigstens ein Blutzuckermessgerät mitbringen.

"Unter der alten Regierung hatten viele Hilfsorganisationen aufgehört, Lkws in die Ukraine zu schicken", erzählt Volker Höhlein. Die Laster wurden aufgehalten und nur gegen Zahlungen freigegeben, die dann in irgendwelchen Taschen verschwanden. Unter der neuen Regierung habe sich das sehr geändert, sagt Höhlein: Vier Lkws von ’s Einlädele sind auf dem Weg.

Jetzt, wieder zurück in Freiburg, haben Höhlein und Fréchet überlegt, wie sie helfen könnten – wie jeder in Freiburg ganz konkret in der Ukraine helfen könnte. "Deshalb haben wir die Ukraine-Nothilfe ins Leben gerufen", so Höhlein. So steht die traditionelle Fastenaktion "Brich dem Hungrigen Dein Brot" in diesem Jahr ganz im Zeichen dieser Hilfe. Das heißt: Lebensmittelpakete für Senioren und Familien packen! Zum Beispiel mit Zucker, Nudeln, Fertigsuppen, Schokolade, Zahnpasta. "Bitte keine Medikamente", sagt Höhlein, "das kriegen wir nicht genehmigt." Er möchte die Fastenaktion so lange verlängern wie möglich, "an Ostern ist das wahrscheinlich noch nicht erledigt".

Wer helfen möchte, kann auch Ausrangiertes im ’s Einlädele vorbeibringen, damit es in die Ukraine geschickt werden kann: Waschmittel, Windeln, funktionierende Herde und Kühlschränke, Kinderbetten, Matratzen. Oder jeder könnte Geld spenden für Kinder- oder Seniorenpatenschaften. Eine Pflegepatenschaft für Senioren kostet 30 Euro. Wenig Geld in Freiburg, viel Hoffnung für die Ukraine.