Klarinettist und Freigeist

Perry Robinson, der gute Geist des ZMF, ist tot

Thomas Steiner, Peter Disch

Von Thomas Steiner & Peter Disch

Di, 04. Dezember 2018 um 11:31 Uhr

Freiburg

Der amerikanische Klarinettist Perry Robinson ist im Alter von 80 Jahre gestorben. Der Jazzmusiker war seit 1990 Dauergast des Zelt-Musik-Festivals in Freiburg.

1988 trat der Mann aus New York das erste Mal beim ZMF auf, 1990 spielte er dort das Banjo-Konzert, das sein Vater Earl geschrieben hatte. Danach kam er Jahr für Jahr wieder, nahm an den Stadtaktionen seines Freundes und Seelenverwandtem, Festivalgründer Alexander Heisler teil, trat bei den ZMF-Galas, den Eröffnungsempfängen und Jam-Sessions auf, im offiziellen Programm oder danach, wenn das Publikum schon zu Hause, die Musik aber noch lange nicht vorbei war. Er war so etwas wie der gute Geist des Festivals, ein hagerer Mann im bunten Hippiegewand, ein freier Geist und Idealist, der sich seine Neugier und stilistische Offenheit bis zuletzt bewahrt hatte.
Robinson kam vom Free Jazz, damit begann in den Sechzigern seine Laufbahn als Musiker. Er spielte mit New Yorker Größen wie mit dem Deutschen Gunter Hampel, mit Sängerinnen wie Annette Peacock nahm er auf, im Liberation Music Orchestra von Charlie Haden war er wie in der Truppe von Funk-Meister George Clinton. Für John Zorns Label Tadzik hat er Klezmer-Duette mit Pianist Burton Greene eingespielt, für ECM an der Seite der israelischen Pianistin Anat Fort aufgenommen und natürlich nahm er auch Alben unter eigenem Namen auf.

Beim ZMF traf er im Laufe der Jahre auch auf Weggefährten wie Dave Brubeck, zu dessen Familienband Two Generations of Brubeck er in den 70ern zählte. 2015 war am Mundenhof Folk-Legende Joan Baez zu Gast, deren Klassiker "Joe Hill" von seinem Vater stammt. Am 2. Dezember ist Robinson gestorben. Die ZMF-Familie hat eines ihrer ältesten Mitglieder verloren, mit ihm ist ein Stück des Festivals gegangen.