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07. Januar 2016 16:20 Uhr

Gewalttaten an Silvester

Pöbeleien gegen Schwule in Freiburg: Alltag oder Ausnahme?

Nach Überfällen auf Schwule an Silvester haben Freunde der Betroffenen eine Demo gegen Homophobie organisiert. Die Pöbeleien gegen Schwule hätten sich in letzter Zeit gehäuft. Stimmt das?

  1. In Freiburg werden Schwule des Öfteren angepöbelt. Foto: dpa

Freiburg ist eigentlich als tolerante Stadt bekannt. Zwei Vorfälle an Silvester mit mutmaßlich homophobem Hintergrund kratzen derzeit an diesem Image. Schwule, Lesben, Bi- und Transsexuelle berichten von negativen Erfahrungen in der Öffentlichkeit und bezeichnen die Gewalttat nicht als Einzelfall, sondern als Tiefpunkt einer Reihe von Pöbeleien. Polizei und Rosa Hilfe ordnen die Vorfälle jedoch als Ausnahme ein.

In der Bar Tasia kam es in der Silvesternacht zu einer Auseinandersetzung, die schlimme Folgen für ein schwules Ehepaar hatte. Die beiden seien geschlagen und getreten worden, lagen zeitweise am Boden – das berichten Zeugen und Bekannte. Einer von beiden wurde so schwer verletzt, dass er am Kiefer operiert werden musste.

Am Bertoldsbrunnen kam es ein paar Stunden später zu einem Übergriff auf die stadtbekannte Dragqueen Betty BBQ. Ein unbekannter Mann ging sie am Bertoldsbrunnen mit den Worten an: "Scheiß schwule Transe, ich box’ dich weg." Schon im April vergangenen Jahres war ein schwules Paar attackiert worden – das Regenbogenreferat Freiburg rief daraufhin zum Kiss-In-Protest im Bermudadreieck auf.

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Demo gegen Homophobie

Freunde der Opfer haben nun eine Demo gegen Homophobie auf die Beine gestellt, die am Freitagabend um 18 Uhr am Stadttheater in Freiburg starten wird. Aktuell haben 350 Leute für die Veranstaltung auf Facebook zugesagt. Viele Medien sind auf das Thema aufgesprungen, auch die Bildzeitung will angeblich live von der Demonstration berichten.

Bei Veranstalter und Markthändler Ireneus Frost steht das Telefon nicht mehr still: "Das Interesse ist riesig." Mit der Demo möchte er die Allgemeinheit auf das Thema Schwulenfeindlichkeit aufmerksam machen, die seiner Meinung nach in letzter Zeit besonders oft in Freiburg zu spüren ist. "Es gibt Stadtviertel, in denen ich mich nicht als schwul zu erkennen geben würde", so Frost. Die Toleranzgrenze sei für ihn erreicht.

Keine Bestätigung durch die Polizei

Freiburg, ein Brennpunkt für Schwulenfeindlichkeit? Polizeisprecherin Laura Riske will das weder dementieren noch bestätigen. "Wir führen darüber keine Statistik", so Riske. Die beiden Fälle an Silvester wurden angezeigt, im Falle der Körperverletzung seien die Opfer jedoch noch nicht vernommen worden. Es sei schwierig, bei einem solchen Vorfall den Vorwurf der Homphobie zu beweisen. Ebenso unklar sei, wie hoch die Dunkelziffer ist: "Es kann natürlich sein, dass es homophobe Gewalt in Freiburg gibt, die uns nicht mitgeteilt wird, vielleicht, weil sich das Opfer schämt."

Ruhe bewahren, nichts aufbauschen

Robert Sandermann ist Berater bei der AIDS- und Rosa Hilfe und bekommt in der Beratungsstelle viel mit. Er plädiert dafür, Ruhe zu bewahren: "Das an Silvester waren schlimme Einzelfälle, aber man sollte das Thema jetzt nicht aufbauschen. In jeder Stadt passieren Pöbeleien, in Berlin noch viel krasser als in Freiburg. Wir sind hier kein Brennpunkt – noch nicht."

AIDS- und Rosa Hilfe werden die Demonstration unterstützen, außerdem haben sich Adelheid Hepp (Bündnis 90 /Die Grünen), Walter Krögner (SPD) und Dragqueen Betty BBQ als Redner gemeldet. Da die Stadt Freiburg mit vielen Teilnehmern rechnet, ist die anfänglich geplante Strecke verlegt worden. Vom Stadttheater geht es nun in die Bertoldstraße, über die KaJo in die Rempartstraße. Die Demo endet dann vor der UB.

Stellungnahme der Bar Tasia

In der Zwischenzeit hat sich auch ein Verantwortlicher der Bar Tasia bei Facebook zu Wort gemeldet. In einem ersten Statement distanziert man sich von dem Vorwurf, die Schwulen seien aufgrund ihrer sexuellen Orientierung aus der Bar geworfen worden: "Nach mehrmaligem Wehren des Gastes, der extrem aggressiv war und sich unserem Türsteher widersetzte, musste unser Securitydienst ihn auf den Boden drücken und mit aller Kraft rausbringen." Und weiter: "Wir begrüßen jeden Gast gleich in unserer Bar Tasia und wir behandeln jeden Gast gleich."

Anlässlich der Berichterstattung und der Diskussionen im Netz schrieb der Verantwortliche außerdem: "Wir positionieren uns entschieden gegen jede Form von Homophobie und Diskriminierung und Gewalt jedweder Art und unterstützen die für Freitag geplante Demo."

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Autor: Gina Kutkat