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23. Februar 2012
Politischer Vorstoß für die Linie 1
Stadträte verschiedener Fraktionen wollen die Verlängerung vor dem Jahr 2018 – doch Rathaus und VAG dämpfen die Hoffnungen.
Die Verlängerung der Stadtbahn Littenweiler soll schneller kommen. Das fordern 13 Stadträtinnen und Stadträte aus fünf verschiedenen Fraktionen. In einem Schreiben an die Rathausspitze appellieren sie, noch in diesem Jahr mit den konkreten Planungen zu beginnen. Baubürgermeister Martin Haag indes erteilt dem Vorstoß eine Absage. Angesichts der anderen fest terminierten Stadtbahnprojekte sei die Tram zum Kappler Knoten nicht vor dem geplanten Termin 2018 zu realisieren. Derweil fordert der Ortschaftsrat in Kappel eine Haltestelle an der Höllentalbahn.
Linie 1 hat Verspätung. Seit drei Jahren sollten Straßenbahnen von der bisherigen Endhaltestelle Lassbergstraße weiter gen Osten bis zum sogenannten Kappler Knoten rollen. Die Pläne liegen fertig in den Schubladen. Doch entweder fehlte Geld, oder andere Trassen schafften es auf die Überholspur. Der Zweckverband Regio-Nahverkehr Freiburg (ZRF), in dem die Stadt sowie die Nachbarkreise Breisgau-Hochschwarzwald und Emmendingen zusammenarbeiten, hat im vergangenen Mai sein Investitionspaket für das Jahrhundertprojekt "Breisgau-S-Bahn 2020" aktualisiert. Aufgrund der Finanzlage mussten mehrere Vorhaben verschoben werden. Dazu gehörte die 1,35 Kilometer lange Littenweiler-Tram, die als regional bedeutsam gilt, weil für Pendler ein Parkplatz mit 370 Autos vorgesehen ist. Sie soll erst ab dem Jahr 2018 gebaut werden.Werbung
Kurz vor dieser ZRF-Versammlung, in der Gemeinderäte und Bürgermeister sitzen, hatte es schon einmal einen Vorstoß gegeben. Grüne, CDU und SPD im Freiburger Gemeinderat forderten, die Strecke zumindest bis zum Bahnhof Littenweiler anzubinden. Die Stadtverwaltung versprach, die Idee bis zur Sommerpause 2011 zu prüfen. Das Ergebnis liegt nun vor. "Es spricht manches dafür, diesen ersten Abschnitt vorzuziehen, aber mehr dagegen", fasst Baubürgermeister Martin Haag die Prüfung zusammen. Vor allem wären Provisorien nötig, etwa für die Stromversorgung oder für Fußgängerüberwege, die sich auf eine halbe Million Euro summierten. Der Lückenschluss selber würde ungefähr sechs Millionen Euro kosten, wovon 1,9 Millionen Euro an der Stadt beziehungsweise ihrer Verkehrs-AG hängen blieben, wie deren neuer technischer Geschäftsführer Stephan Bartosch vorrechnet.
Nun allerdings wollen die Stadträte die komplette, 15,4 Millionen Euro teure Verlängerung. Sie verknüpfe Bahn und Tram und schließe den nördlichen Teil Littenweilers an. Die Lindenmattenstraße könnte endlich saniert werden. Und die Zerschneidung des Stadtteils ließe sich überwinden: Über die Gleise sind drei Übergänge geplant. Genau die, sagt VAG-Chef Bartosch, machten ein Verfahren beim Eisenbahnbundesamt nötig. "Es ist unklar, wie viel Zeit das in Anspruch nimmt." Bei einem Vorziehen der Linie 1 müsste über externe personelle Verstärkung nachgedacht werden, sagt Bartosch.
Wegen der beschränkten finanziellen und personellen Kapazitäten will auch der Baubürgermeister beim bisherigen Fahrplan für die Linie 1 bleiben. Andere Trassen seien beschlossen, aber noch nicht geplant und finanziert: Messetram (28 Millionen Euro, Rotteckringlinie (39,6 Mio), Waldkircher Straße (8 Mio). Die Verlängerung durch Zähringen ist in Bau (28 Mio). "Wir haben viel vor der Brust", sagt Martin Haag, der es auch für schwierig hält, das beschlossene Paket im ZRF noch einmal aufzuschnüren. Grünen-Stadtrat Helmut Thoma, der zu den Initiatoren des Appells gehört, signalisiert Kompromissbereitschaft: "Wenn nur der Lückenschluss zwischen Endhaltestelle und Bahnhof herauskommt, ist das auch in Ordnung."
Allerdings gibt es auch Gegner des Projekts. FDP-Stadtrat Nikolaus von Gayling spricht von Luxus. Er hält eine S-Bahn-Haltestelle an der Höllentalbahn für sinnvoller. Diese Forderung hat der Ortschaftsrat von Kappel vielfach erhoben. Der Bahnsteig "Kappelertal", den es bis 1978 schon einmal gab, ist ebenfalls Bestandteil der "Breisgau-S-Bahn 2020" – ebenfalls vom Jahr 2018 an. Für die Kappler Bürgerinnen und Bürger sei er wichtiger als die verlängerte Linie 1, sagt SPD-Ortschaftsrat Martin Dold, ohne sich gegen das Straßenbahnprojekt auszusprechen.
Autor: Uwe Mauch
