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13. Oktober 2011

Pyro im Badenova-Stadion: Bayern-Fan kommt davon

Amtsgericht stellt Verfahren gegen einen Fan des FC Bayern München ein / Fans fordern Legalisierung von Pyrotechnik im Stadion.

  1. Stimmungsvoll oder gefährlich? Bengalische Fackel beim EM-Qualifikationsspiel der deutschen Mannschaft am Dienstag in Düsseldorf. Foto: dpa

Einen Auswärtssieg hat ein Fan des FC Bayern München gestern vor dem Freiburger Amtsgericht errungen: Der 22-Jährige war wegen eines Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz angeklagt, weil er im März im Gästeblock des Badenova-Stadions ein bengalisches Feuer gezündet haben soll – doch das Gericht stellte das Verfahren ein. Unterdessen gibt es auch in Freiburg eine Diskussion über die Legalisierung von Pyrotechnik in Fußballstadien.

Am Samstag, 19. März war der FC Bayern zu Gast beim Sportclub Freiburg. In der neunten Minute köpfte Mario Gomez das 1:0 für die Münchner, im Gästeblock herrschte nicht nur Jubel, es brannten auch mehrere bengalische Feuer: Die eigentlich aus der Seenotrettung stammenden Fackeln entwickeln während ihrer bis zu zweiminütigen Brenndauer nicht nur gleißendes Licht, sondern auch eine große Hitze.

Einen dieser sogenannten Bengalos habe der aus einer kleinen Gemeinde bei München stammende Auszubildende gezündet und inmitten der Fans nach oben gehalten, hieß es in einem Strafbefehl des Freiburger Amtsgerichts, gegen den der Angeklagte Widerspruch eingelegt hatte. Laut Sprengstoffgesetz habe er das aber wegen der großen Verbrennungs- und Vergiftungsgefahr ohne eine besondere Erlaubnis nicht gedurft, so Staatsanwalt Cord-Jesko Baller. Der Angeklagte habe also nicht nur gegen das Verbot des SC Freiburg von Feuerwerkskörpern im Stadion verstoßen, sondern sich auch "wegen Umgang mit explosionsgefährlichen Stoffen" strafbar gemacht.

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Ein als Zeuge geladener Polizeibeamter beschrieb die Festnahme des Angeklagten, die aus praktischen Gründen nicht während des Spiels, sondern erst danach vor dem Stadion stattfand. Ein Kollege habe gesehen, wie der Mann die Fackel entzündete, eine weitere Kollegin ihn danach mehrfach gefilmt. Die Beamten hätten den Angeklagten, der während des Spiels mehrmals Jacke und Mütze gewechselt habe, nicht aus den Augen gelassen. Der Polizist musste allerdings einräumen, dass er selbst den Angeklagten nicht mit der Fackel in der Hand gesehen habe, er kenne nur den entsprechenden Bericht des Kollegen, der allerdings im Urlaub sei. Auch die gemeinsame Betrachtung des Polizeivideos durch alle Beteiligten brachte keine Klärung: Außer viel Licht und Rauch war wenig zu erkennen.

Doch Marco Noli, der ebenfalls aus München angereiste Anwalt des Angeklagten, hatte noch einen Trumpf im Ärmel: Wenn ein bengalisches Feuer kein selbstgemachter "Schwarzbau" sei, sondern eine sogenannte CE-Kennzeichnung trage, dann sei das Abbrennen gar keine Straftat. Weil die Polizei Reste von Fackeln mit und ohne Kennzeichnung gefunden hatte, könne der Angeklagte nicht verurteilt werden. Richterin Birgitta Stückrath, gleichermaßen überrascht wie Staatsanwalt Baller, schlug schließlich eine Einstellung des Verfahrens auf Kosten der Staatskasse vor. Ungeklärt blieb die Frage, ob beim Abrennen von bengalischen Feuern mit CE-Kennzeichen ein Bußgeld verhängt werden kann.

Unabhängig von dem Verfahren bleibt Pyrotechnik aber im Badenova-Stadion verboten – so wie auch in allen anderen deutschen Stadien, sagt SC-Pressesprecher Rudi Raschke. In Freiburg kommt kaum Feuerwerk zum Einsatz, in anderen Stadien schon; Anfang 2010 wurden in Bochum zwei Fans schwer verletzt. Unter Fans gibt es zurzeit eine heftige Diskussion: Die Initiative "Pyrotechnik legalisieren – Emotionen respektieren" argumentiert mit der besonderen Stimmung durch bengalische Feuer und möchte, dass sie unter bestimmten Bedingungen, etwa in besonders geschützten Bereichen, erlaubt werden.

Auch Ultra-Gruppen unter den Freiburger Fans unterstützen diese Forderung. Der Deutsche Fußball-Bund ist skeptisch, hat aber im August eine rechtliche Prüfung in Auftrag gegeben. "Ich verschließe mich keinem Gespräch", sagt Michael Weber, der Fankoordinator des SC Freiburg, "ich persönlich glaube aber nicht, dass das sinnvoll ist: Bengalische Feuer sind einfach zu gefährlich, als dass ein Verein die Verantwortung dafür übernehmen könnte."

Autor: Thomas Goebel