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30. September 2011 18:23 Uhr

Stadtverkehr

Radschnellwege: Freiburg will Vorfahrt für Radfahrer

Ehrgeizige Pläne der Freiburger Stadtverwaltung: Radler sollen in den kommenden neun Jahren zur größten Gruppe im Verkehr werden, gleichzeitig soll aber die Zahl der Radunfälle um die Hälfte sinken. Erreichen will sie das mit Radschnellwegen.

  1. Auf Fahrradstraßen wie der Hindenburgstraße haben Radler offiziell Vorrang. Foto: M. Bamberger

"Wir brauchen ein Projekt, das wieder Bewegung in den Radverkehr bringt", sagt Frank Uekermann, Leiter des Garten- und Tiefbauamts. In den 80er und 90er Jahren sei viel für Radler getan worden, auch bei größeren Verkehrsprojekten wie der Sanierung der Habsburgerstraße habe man Verbesserungen erreicht. Die sogenannte Radpauschale, die die Stadt jährlich ausgibt, liegt inzwischen aber bei mageren ein bis zwei Euro pro Einwohner, in Karlsruhe beispielsweise sind es fast fünf.

Vor zwei Jahren wurde auf Wunsch der Grünen-Fraktion eine Arbeitsgruppe eingerichtet, in der die Verwaltung gemeinsam mit Stadträten, Vertretern von Verkehrsclubs und der Polizei das neue "Radverkehrskonzept 2020" entwickelte. Am Donnerstag wurde es im Verkehrsausschuss des Gemeinderats vorgestellt – und stieß quer durch die Fraktionen auf viel Lob.

Wesentlicher Bestandteil des Konzepts ist das sogenannte Rad-Vorrang-Netz, das "ein sicheres, komfortables und schnelles Radfahren insbesondere auch über größere Entfernungen" ermöglichen soll. Der Plan sieht vor, sowohl neue Radwege anzulegen als auch bestehende Strecken auszubauen. Dabei soll die Streckenführung und -breite an eine größere Zahl von Radfahrern und höhere Fahrgeschwindigkeiten angepasst werden. Weitere Maßnahmen, die das Konzept vorsieht, sind ein möglichst kreuzungsfreier Verlauf der Radschnellwege, bevorzugte Vorfahrtsregelungen für diese Strecken und auf Radfahrer ausgerichtete Grüne Wellen.

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Drei verschiedene Arten von Radwegen können in das Schnellwegenetz eingebaut werden: Eigene Wege für Radler wie der Dreisamuferweg, Radfahrspuren auf Hauptverkehrsstraßen wie am Rotteckring und sogenannte Fahrradstraßen vor allem in Wohngebieten, auf denen Radler nebeneinander fahren dürfen und für Autofahrer eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Stundenkilometer gilt. "Wir wollen nicht nur an die positive Wirkung des Radfahrens für die Gesundheit oder den Klimaschutz appellieren", sagt Ueckermann.

Ziel sei es, auch durch die Qualität des Radwegenetzes zu überzeugen: "Wenn ich von Gundelfingen auf guten Strecken mit grüner Welle bis Vauban durchrollen kann, dann ist das attraktiv."

Wie hoch der Anteil der Radfahrer am Stadtverkehr aktuell ist, kann die Stadt nicht sagen: Die letzten Zahlen stammen von 1999. Damals wurden 27 Prozent der Wege per Rad zurückgelegt – und 32 mit Auto oder Motorrad. Ziel des neuen Konzepts ist es, den Radanteil bis 2020 auf 35 Prozent zu heben und den motorisierten Verkehr auf 20 Prozent zu senken. Die städtischen Planungen orientierten sich "am Radverkehr als Hauptverkehrsteilnehmer", so Uekermann – dazu gehörten auch die immer populärer werdenden "Pedelecs", also Räder mit unterstützendem Elektromotor.

Im nächsten Frühjahr könnte das Konzept im Gemeinderat beschlossen werden, vorher sollen noch Anregungen zum Beispiel von Bürgervereinen und Landkreisen aufgenommen werden. Für ein Pilotprojekt wurden bereits Mittel aus einem neuen Fördertopf des Landes beantragt. Damit könnten ab 2013 die ersten drei Radschnellwege ausgebaut werden: Am Dreisamufer, entlang der Güterbahnlinie und von Vauban durch den Stühlinger bis Brühl-Beurbarung.

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Autor: Thomas Goebel