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11. Januar 2013

Rappen lernen in zehn Minuten

Felix und Till Neumann sind Zwillinge, rappen gemeinsam in zwei Sprachen – und sehr gerne mit anderen Jugendlichen.

  1. Die rappenden Zwillinge bei der Bandprobe: Felix (zweiter von links) und Till Neumann Foto: Ingo Schneider

  2. Gruppenfoto: mit Rappern in Mauretanien in Afrika Foto: privat

Gangster sind sie keine. In ihren Texten geht’s nicht um Gewalt, und sie sind auch nicht frauenverachtend. Felix und Till Neumann (29) rappen einfach über das Leben – und zwar in zwei verschiedenen Sprachen. "Zweierpasch" nennen sie ihre HipHop-Band auf Deutsch, "Double Deux" auf Französisch. Mit ihrem franco-allemand-Workshops haben es die beiden vor Kurzem bis nach Mauretanien geschafft: Dort rappten sie mit acht afrikanischen Jungs, die meisten ohne Schulabschluss, einige sogar mit einer Gefängniskarriere.

Eingeladen hatte die Rap-Zwillinge die Deutsche Botschaft. Sie suchte Leute, die auf Französisch rappen können – und fand die beiden im Internet. Die Neumanns sprechen nicht nur fließend Französisch, auf ihrer Homepage sieht man sofort: Die Lehrersöhne haben auch viel Erfahrung mit Jugendlichen. Seit mehr als fünf Jahren geben sie Rap-Workshops an Schulen. Sie rappen in Freiburg oder Emmendingen mit Schülern auf Französisch, in Rennes oder Huningue auf Deutsch. Ihr Ziel: mit Rap den Spaß an der Sprache wecken. "Mit Reim und Musik geht das leichter", sagt Felix Neumann. "Und nach zehn Minuten kann jeder ein bisschen rappen", sagt Till Neumann.

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Und so reisten die Neumanns im November nach Mauretanien, in eines der ärmsten Länder Afrikas und der Welt. Sechs Tage lang arbeiteten sie mit jungen HipHop-Talenten. "Die sind spontan", sagt Till Neumann. "Und talentiert", sagt sein Bruder. Sie hätten das richtige Feeling für die Beats, seien nicht so verkopft wie in Europa. Am Ende der Woche kam der Höhepunkt: Die Neumanns rappten als erste Deutsche bei einem Konzert in der Hauptstadt Nouakchott vor 1500 Besuchern. "Wie abgefahren ist das denn", sagt Till Neumann. "Das war ’ne Riesenchance", sagt Felix Neumann.

Manchmal können sie selbst kaum glauben, wie alles gekommen ist. Sie rappen und reimen eigentlich schon seit Ewigkeiten, seit ihrer Schulzeit. Damals lebten die beiden bei Heidelberg, gingen in dieselbe Schule, hatten dieselben Freunde. Wenn einer Scheiß baute, hieß es: "Die Zwillinge warn’s!" Immer verglichen die beiden sich: Sport, Schulnoten, Mädels. Nach dem Abitur kam die Trennung: Till ging nach Freiburg, Felix nach München. Nötig sei das für beide gewesen. "Um zu schauen, ob man alleine leben kann", sagt Felix Neumann. Danach wussten sie: Sie können – wollen aber nicht. Seit 2005 ist Freiburg ihre gemeinsame Heimat, auch wenn Till zurzeit als Journalist in Lahr arbeitet und dort auch wohnt.

"Rap befreit

und gibt Energie"

Doch sie treffen sich regelmäßig, proben mit der Band "Khandroma", arbeiten an neuen Songs, am neuen Album "Alle guten Dinge sind zwei" (das im Februar rauskommen soll), geben Workshops, vor Kurzem zum Beispiel am Freiburger Wentzinger-Gymnasium. Früher traten sie als "Buddah Woofaz" auf. Auf den ersten Blick sehen sie gar nicht so wirklich aus wie Zwillinge, eher wie Brüder. Till mit Cap, Felix ohne. Als Babys aber, erzählen sie, da sahen sie sich so ähnlich, dass nicht mal ihre Eltern sie unterscheiden konnten. "Einer hat deshalb einen lackierten Fingernageln bekommen – in Rosa", erzählt Felix Neumann. Sein Bruder lacht: "Wer hatte denn den rosa Fingernagel? Du oder ich?" Doch die beiden wirken so, wie man sich Zwillinge vorstellt. Sie ergänzen sich – nicht nur, wenn sie von ihrer Musik erzählen: Sie sind ein Team, auf der Bühne und im Leben. "Auf Felix kann ich mich hundert Prozent verlassen", sagt Till. Felix schaut seinem Bruder in die Augen, nickt leicht und sagt dann: "Schönes Kompliment!" Ihm geht’s genauso. Vor Kurzem, erzählt er, hat er zum ersten Mal alleine ein Konzert gespielt. "Das war seltsam." In Mauretanien hatten die Zwillinge viel Zeit, für sich, ihre Musik. "Rap befreit und gibt Energie", sagt Till Neumann. "Und man baut Aggressionen ab", sagt Felix Neumann. Sie wollen auf jeden Fall weiterrappen und Workshops geben. Im Zweierpasch.

Mehr Infos gibt’s auf http://www.zweierpasch.blogspot.com

Autor: Yvonne Weik