Konzert

Rassismus-Debatte: Jazzhaus lässt Knorkator-Plakate abhängen

Julia Littmann

Von Julia Littmann

Do, 20. März 2014 um 09:10 Uhr

Freiburg

Am Donnerstag spielt im Jazzhaus die Humor-Rockband Knorkator. Um das Tourplakat der Berliner gibt es im Vorfeld wegen eines Rassismus-Vorwurfs Ärger. Das Jazzhaus ließ die umstrittenen Poster nun abhängen.

Kurze Zeit war das Plakat in Freiburg zu sehen: Die Parodie-Band Knorkator warb für ihren Auftritt im Rahmen ihrer Tour "We want Mohr" (am heutigen Donnerstag) im Jazzhaus. Der Freiburger Verein Respect kritisierte, dass hier Kunst – unbeabsichtigt – rassistische Stereotype bedient und forderte das Jazzhaus als Veranstalter zu einer Stellungnahme auf. Dort hatte man allerdings bereits aufgrund eines privaten Protests entschieden, die Plakate abzuhängen. Wieso aber hatte es zu dieser Situation kommen können?

Knochen im Dutt

Die Debatten um die rassistische Botschaft von Struwwelpeter, Pippi Langstrumpf, Jim Knopf und Co. klingen noch in den Ohren, da sind die Knorkatoren mit einem Poster am Start, auf dem eine Dunkelhäutige – mit abgenagten Knochen im Dutt und Messer in der Faust als Menschenfresserin zu identifizieren – auf die im Kessel bratenden Bandmitglieder zuschreitet. Es sei erstaunlich, dass das Jazzhaus eine Rockband auftreten lasse, deren Konzertplakate kolonial-rassistische Bilder bedienen, findet Babek Saadati vom Verein Respect, denn immerhin stehe dieser Ort laut seinem Hausnamen in der Tradition des Jazz.

Und der verdanke seine Entstehung und Entwicklung bekanntlich dem afroamerikanischen Musikgenre. Babek Saadati empört sich: "Nachdem Sie 1987 Ihr Haus durch Miles Davis haben einweihen lassen, steht Ihr Name nun unter geblackfaceten Bildern, mit denen einst die Afroamerikaner diskriminiert und beleidigt wurden." Er habe diese Darstellung so nicht zur Kenntnis genommen, sagt Jazzhaus-Geschäftsführer Michael Musiol, das liege unter anderem an der Fülle von Veranstaltungen, die im Jazzhaus stattfinden und sämtlich mit Plakaten beworben werden.

Zu viele Plakate zum Prüfen

"Wir buchen eine Band, fünf Monate später kommen die Plakate", erklärt Jazzhaus-Geschäftsführer Michael Musiol. Mit oft zwei Dutzend Veranstaltungen im Monat sind das über hundert Plakate, die in diesem Zeitraum gehängt werden. Zu viele, um jedes einzelne Plakat sorgfältig auch auf die politische Korrektheit zu prüfen. Die allerdings ist den Betreibern des Jazzhaus sehr wohl ein Anliegen, wie Michael Musiol betont.

Darum wurden auf den Hinweis hin, der auch von einem aufmerksamen, kritischen Soziologiestudenten schon geäußert worden war, die Plakate wieder eingezogen. Man habe, so Musiol, auf jeden Fall niemanden mit diesen Plakaten verletzen wollen.

Musiol hatte sich in diesem Zusammenhang auch beim Band-Management über die Motive der Band erkundigt – mit dem Ergebnis, dass das Konzert stattfinden kann. Bandmitglied Gero Ivers, alias Stumpen, hat sich auf Facebook sehr ernst zu dem Protest in Sachen Albumtitel und Plakat zu Wort gemeldet. Unter anderem stellt er klar, dass die Frau dunkler Hautfarbe nicht eine schwarz angemalte Weiße ist, sondern eine dunkelhäutige Freundin der Band. Also: kein sogenanntes Blackfacing.

Im Übrigen sei Rassismus in der Tat eine menschenverachtende Ideologie – deshalb wehrt sich Gero Ivers um so mehr dagegen, dass das neue Album und die Bewerbung unter diesen Verdacht geraten seien. Die Band sei provokativ und bunt. Und offen für Dialog. Er bedaure aufrichtig, falls sich Menschen durch die Band verletzt fühlten.