Arbeitsmarkt

Regionale Arbeitgeber suchen Ideen für das Gewinnen von Mitarbeitern

Holger Schindler

Von Holger Schindler

Di, 10. April 2018 um 17:39 Uhr

Freiburg

Viele Lehrstellen, aber keine Bewerber - so geht es vielen Arbeitgebern im Raum Freiburg. Nun trafen sie sich zum Austausch. Können lockere und kreative Stellenanzeigen sollen?

"Ich suche schon zwei Monate einen Facharbeiter für meinen Tiefbaubetrieb", sagt Jürgen Schmutz, seit 15 Jahren Inhaber des Bauunternehmens Schmutz & Barth in Ehrenkirchen. Das Ergebnis sei ernüchternd. "Obwohl ich wöchentlich zweimal inseriere, hat sich bisher erst ein einziger Interessent bei mir gemeldet – und der hat nicht gepasst", sagt der Handwerksmeister.

Eine gute Nachricht gibt es immerhin, wenn man mit Personalern aus dem Freiburger Raum spricht: Extrem hohe Abbrecherquoten bei Azubis, wie sie kürzlich in der bundesweiten Betrachtung vermeldet wurden, sind keinesfalls ein Massenphänomen. Deutschlandweit wird laut dem neuen Berufsbildungsbericht jede vierte duale Berufsausbildung vorzeitig abgebrochen. "Bei uns gibt es Abbrüche ganz selten", sagt hingegen Gisela Cimiotti, beim Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme in Freiburg zuständig für die Ausbildung der Chemielaboranten.

"Ich kann mich in all den Jahren nur an einen Fall erinnern – da ging es darum, dass plötzlich doch noch ein passender Studienplatz frei geworden ist und die betreffende Person dann an die Hochschule gewechselt ist." Auch Jan Pähle, stellvertretender Fachbereichsleiter fürs Personal bei der Stadt Bad Krozingen, sieht Ausbildungsbildungsabbrüche bei der Kommune, die rund 300 Menschen beschäftigt, nicht als Problem. "Das sind wirklich seltene Einzelfälle", sagt Pähle.

Lockere und kreative Stellenanzeigen sollen helfen

Allerdings waren bei der vierten regionalen Arbeitsmarktkonferenz in Freiburg Vertreter der Gastronomie und des Friseurhandwerks auch nicht gerade im Übermaß vertreten – dort sind Ausbildungsabbrüche laut der bundesweiten Statistik im Allgemeinen besonders häufig. Insgesamt folgten rund 300 Unternehmensvertreter der Einladung zu der Konferenz, die von der Fachkräfteallianz Südlicher Oberrhein veranstaltet wird.

Die Allianz verbindet knapp zwei Dutzend Institutionen aus der Wirtschaftsregion Freiburg, darunter die Arbeitsagentur und die Kammern. Auch die Stadt Freiburg und die Landkreise Breisgau-Hochschwarzwald und Emmendingen engagieren sich in ihr. "Die jetzige Teilnehmerresonanz ist größer, als wir erwartet haben", sagt Christian Ramm, Chef der Arbeitsagentur. "Das Thema ist bei den Unternehmen in der Region endgültig angekommen. Darüber freue ich mich."

In der Tat scheinen immer mehr Verantwortliche in den Betrieben ins Grübeln zu kommen, wie sie ihre Leute halten und neue Mitarbeiter wirkungsvoller anlocken können. "Ich formuliere die Stellenanzeigen seit einiger Zeit bewusst lockerer und kreativer als früher", erklärt etwa Jürgen Schmutz, der derzeit sechs Menschen beschäftigt. "Und ich versuche, im Betrieb stärker den Teamgeist zu leben."

Gero Fellert, kaufmännischer Leiter bei der Dr. Keller Maschinen GmbH in Freiburg-Lehen mit 65 Beschäftigten, die auf den Handel mit Holzbearbeitungsmaschinen spezialisiert ist, sieht das ähnlich: "Stellenbesetzungen sind innerhalb der letzten Jahre zusehends schwieriger geworden, darum tun wir einiges, um unsere Mitarbeiter zu halten. Zum Beispiel bieten wir unseren Leuten ein Jobrad mit Steuerspareffekt an und wir wollen nun auch Hansefit einführen – also ein attraktives betriebliches Sportangebot."

Mehr Lehrstellen als Bewerber

Außer beim Impulsreferat "Strategien zur Fachkräftesicherung" mit Personalexpertin Jutta Rump, Professorin an der Hochschule Ludwigshafen, konnten die Konferenzteilnehmer bei gut einem Dutzend Praxisvorträgen zu verschiedenen Themen Inspirationen für ihre eigene Arbeit sammeln. Gut besucht war etwa der Vortrag zum Thema Azubisuche. Gerade in der Wirtschaftsregion Freiburg gibt es zahlreiche Berufe, bei denen die Zahl der Lehrstellen regelmäßig die der jugendlichen Bewerber übersteigt, etwa im Hotel- und Gaststättenbereich.

Simon Kaiser und Katja Weis von der Industrie- und Handelskammer präsentierten denn auch drei alternative Möglichkeiten, um Fachkräfte im Betrieb heranzuziehen: die Ausbildung in Teilzeit, die grenzüberschreitende Ausbildung von Lehrlingen aus Frankreich und die Umschulung – also die von der Arbeitsverwaltung subventionierte "Zweitausbildung" von Menschen, die schon im Berufsleben stehen.

Michael Berger vom Emmendinger Autohaus Schmolck, der die Außenstelle in Müllheim leitet, und sich für die grenzüberschreitende Ausbildung im Kfz-Bereich starkmacht, hatte als Praxisexperte ermutigende Worte fürs Publikum: "Wir machen insgesamt gute Erfahrungen mit Nachwuchs aus Frankreich, und die Zusammenarbeit mit der Schule in Frankreich läuft ganz passabel, wenn auch die Sprachhürde ein Problem bleibt, wenn außer dem französischen Abschluss auch der deutsche Abschluss mit externer Prüfung angepeilt wird."

Andererseits seien die Mitarbeiter, die Schmolck auf diesem Weg gewonnen habe, glänzend geeignet, um mit Kunden aus Frankreich umzugehen. "Und jenseits des Rheins gibt es einfach noch einen beträchtlichen Bewerber-Pool für Kfz-Ausbildungen, während hier in Deutschland Interessenten schon sehr selten geworden sind."