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11. November 2015 09:06 Uhr

Schewlinstraße

Rettungsplan fürs Crash: Nachbarn wollen Gelände kaufen und IHK ausbooten

Haben die Freiburger Szeneclubs Crash und Drifters doch noch eine Chance? Eigentlich sollen Büros entstehen, wo heute Bands spielen. Doch nun gibt es einen neuen Rettungsplan.

  1. Wenn die IHK erweitert, muss das Crash weichen. Das will das Grethergelände vermeiden. Foto: Ingo Schneider

In die Diskussion um die Zukunft der Schnewlinstraße 7, in der die Szeneclubs Crash und das Drifters beheimatet sind, kommt Bewegung. In einem offenen Brief an die Gemeinderats-Fraktionen bringen sich mit dem Grethergelände und dem Grünhof zwei Nachbarn als Kaufinteressenten für das Gelände ins Spiel. Damit wollen sie vermeiden, dass die Industrie- und Handelskammer (IHK) das Grundstück kauft und dort neue Büroräume entstehen.

Vertrag für Crash und Drifters läuft bis 2019

Bereits im Sommer hatte der Grünhof Interesse an Gesprächen geäußert. Noch ist nicht geklärt, ob das städtische Grundstück an die IHK verkauft wird, damit diese eine Erweiterung realisieren kann. Ebenso wenig, ob die Mietdauer für Crash und Drifters verlängert wird. Derzeit läuft der Vertrag bis 2019.

"Als mitgestaltender Teil des Viertels wollen wir, dass eine Debatte entsteht." Matthias Möller
Nun hat sich das links-alternative Grethergelände offiziell eingeschaltet und erklärt gemeinsam mit dem Grünhof seine Kaufabsicht. "Als mitgestaltender Teil des Viertels wollen wir, dass eine Debatte entsteht", sagt Matthias Möller vom Grethergelände, der den entsprechenden Arbeitskreis initiiert hat. "Wir brauchen nicht noch mehr leerstehende Büros", sagt Möller. Er zweifle daran, dass die IHK wirklich Raumnot habe. Die Kammer will sich nach BZ-Anfrage zu den Gesprächen mit der Stadt nicht äußern. Ähnliches ist vonseiten der Stadt zu hören.

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Jetzt will sich der rund zehnköpfige Arbeitskreis im Grethergelände an die Planungen machen. Nach dessen Konzept soll in der Schnewlinstraße eine Mischung aus Wohnen und Kultur entstehen: "Clubs und Wohnungen in einem Gebäude – das funktioniert", ist sich Möller sicher. Denn Crash und Drifters sollen bleiben. "Eventuell ändert sich nur das Konzept", sagt Möller, "wir sind mit den Clubs in engem Kontakt." Das bestätigt auch der Betreiber des Crash, Mario Held: "Wir unterstützen die Grethers."

Kaufpreis von 1,3 Millionen Euro löst keine Beklemmungen aus

Der Kaufpreis für das Gelände, der aus einer Informationsvorlage für den Gemeinderat hervorgeht, liegt bei 1,3 Millionen Euro. "Das sind keine Zahlen, die uns schrecken", sagt Möller. Hinter dem Grethergelände steht das Mietshäusersyndikat. Dessen Konzept: selbstorganisierte Hausprojekte so zu verknüpfen, dass die Mieten günstig gehalten werden. Die Finanzierung läuft zu einem großen Teil über Kredite.

Nach Auskunft des städtischen Pressesprechers Toni Klein spielt die Kaufabsichtserklärung des Grethergeländes vorerst keine Rolle, da die Stadt derzeit noch mit dem Crash über die Laufzeit des Mietvertrags verhandle. "Wir sind zuversichtlich, dass wir uns bald einigen können", sagt Klein. Ist das geklärt, wolle man das Gespräch mit dem Drifters suchen. Erst dann soll die Debatte über die Zukunft der Schnewlinstraße 7 auf die Tagesordnung im Gemeinderat – laut Klein in der ersten oder zweiten Sitzung 2016.

"Die IHK ist an dieser Kulturmeile fehl am Platz." Wolf-Dieter Winkler
Auf BZ-Anfrage zeigen sich einige Fraktionen im Gemeinderat gegenüber dem Vorschlag des Grethergeländes offen. "Wir begrüßen das", sagt Wolf-Dieter Winkler, Vorsitzender von Freiburg Lebenswert/Für Freiburg. "Die IHK ist an dieser Kulturmeile fehl am Platz." Auch die Fraktion der Unabhängigen Listen freue sich, dass sich Grethergelände und Mietshäusersyndikat in den Dialog einbringen wollen, wie die stellvertretende Vorsitzende Irene Vogel sagt. Sowohl SPD, CDU als auch die Grünen teilen mit, dass sie sich zum Thema noch nicht äußern könnten. "Über die weitere Nutzung findet gerade ein Diskussionsprozess statt, wobei auch die Belange der IHK einzubeziehen sind", so Renate Buchen, Vorsitzende der SPD. "Wir hoffen, bald alle Interessenten an einen Tisch zu bringen", sagt Maria Viethen, Vorsitzende der Grünen. Die übrigen Fraktionen waren für eine Stellungnahme bis Redaktionsschluss nicht zu erreichen.

Wäre es nach Finanzbürgermeister Otto Neideck gegangen, hätte der Gemeinderat bereits im März in nicht-öffentlicher Sitzung darüber entscheiden sollen, ob das Gelände an die IHK verkauft werden soll. Als dies öffentlich wurde, wehrten sich die Clubbetreiber. Daraufhin wurde der Punkt von der Tagesordnung genommen. Seitdem laufen hinter den Kulissen Gespräche.

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Autor: Sina Gesell