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10. April 2013

Internationaler Roma-Tag

Roma-Büro Freiburg weiht seine neuen Geschäftsräume ein

Am internationalen Roma-Tag weihte das Roma-Büro Freiburg seine neuen Geschäftsräume ein.

  1. Musik spielten die „Hammerschmidstraßenjungs“ zur Eröffnung des neuen Roma-Büros an der Ensisheimer Straße. Foto: Ingo Schneider

Die Plakate erzählen grausame Geschichten – von Tod, Vertreibung, Flucht, Heimatlosigkeit. Und darüber, als Minderheit Fuß zu fassen in einem fremden Land. Mit einer Ausstellung über Roma in der Ukraine und einer Feier eröffnete das Roma-Büro Freiburg am Montag, dem internationalen Roma-Tag, seine neuen Geschäftsräume an der Ensisheimer Straße.

Aus dem kleinen Festzelt im Hof des Roma-Büros tönt Musik. Ein junger Mann sitzt am Keyboard, zwei andere trommeln, einer singt, in der einen Hand ein Mikrofon, die andere bewegt er wie ein Schlagersänger. Ist ein Lied zu Ende, werden die Instrumente getauscht. "Musik ist ein starkes Band", sagt Tomas Wald, Leiter des Büros. "Wenn Deutsche ein Problem lösen wollen, reden sie, die Roma machen gemeinsam Musik." Deswegen sei es wichtig, dass man vor allem Kinder und Jugendliche an Instrumente heranführe. Eines der neuen Zimmer im Mooswald ist ein Musikzimmer. In der einen Ecke steht ein Klavier, die anderen Instrumente sind gerade im Einsatz – im Festzelt. Dort gibt es Baklava, ein Gebäck aus Blätterteig, und Pita gefüllt mit Spinat – zubereitet in der kleinen Küche.

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Ulrich von Kirchbach, Sozialbürgermeister von Freiburg, kommt gerade aus dem Gebäude. Er hat sich von einer Wahrsagerin die Karten legen und Kaffeesatz lesen lassen. "Bei einigen Dingen hatte sie recht. Sie hat mir zum Beispiel gesagt, dass ich manchmal zu viel nachdenken würde", sagt von Kirchbach. Für seine Zukunft habe sie ihm lediglich Vages vorausgesagt. Er selbst glaube nicht an Wahrsagerei, zum Spaß habe er eben mitgemacht. Tatsächlich wirkt es ein wenig schräg, dass ein Verein, der Vorurteile abbauen will, mit solchen Klischees arbeitet – wenn auch nur im Rahmen eines Festes.

Vor drei Jahren hat Tomas Wald das Roma-Büro initiiert. Geboren in Sarajevo kam er Ende der 1950er-Jahre nach Freiburg. Sein Vater gehörte einem Roma-Clan an. Gut aufgenommen worden sei Wald damals nicht, aber einzelne Deutsche sollen ihm geholfen haben. Diese Erfahrung wolle er nun weitergeben. "Die Situation für die Roma hat sich in Freiburg enorm verbessert", sagt Wald. Trotzdem falle es vielen immer noch schwer, sich einzugliedern. Der Großteil der Erwachsenen spreche kein oder kaum Deutsch. Das Büro setze sich besonders dafür ein, dass Kinder die deutsche Sprache, aber auch Romani lernten. "Wir wollen Brücken bauen zwischen beiden Kulturen."

In Freiburg leben derzeit laut von Kirchbach rund 900 Roma, rund 170 von ihnen sind von Abschiebung bedroht. Sie leben in ständiger Ungewissheit. "Mir wäre es am liebsten, es würde endlich eine einheitliche Regelung geben. Damit die, die schon lange Zeit hier leben, auch bleiben können", sagt von Kirchbach.

Was die Roma während des NS-Terrors in der Ukraine erleben mussten, zeigt eine Ausstellung in den neuen Roma-Räumen. Auf Plakaten sind die Erfahrungen von Menschen, die den Holocaust überlebt haben, zu sehen. Eine Frau berichtet über ihre Verschleppung ins Deutsche Reich. In einer Waffenfabrik im Schwarzwald habe sie Zwangsarbeit leisten müssten, als Tagesmahlzeit habe es einen Teller Rüben gegeben. Nach dem Krieg brach sie ins sibirische Nowosibirsk auf, heute lebt sie in der Ukraine. Deutschland verhieß für sie nichts Gutes. Für viele mag das heute noch so sein, vor allem für diejenigen, die gehen müssen.

ROMA-TAG

Der internationale Roma-Tag erinnert an den ersten internationalen Roma-Kongress 1971 in London. Das Roma-Büro Freiburg versteht sich als Selbsthilfeorganisation von meist ehemaligen Roma-Kriegsflüchtlingen aus Ex- Jugoslawien. Finanziert wird der Verein vor allem von Stiftungen und durch Spenden. Rund 20 feste Mitglieder zählt der Verein, dessen Sitz zuvor in der Bissierstraße war. Neben einer Fahrrad- und Computer-Werkstatt wird ein Sommercamp für Jugendliche angeboten. Außerdem helfen Paten Kindern beispielsweise bei den Hausaufgaben. Weitere Infos: http://www.roma-buero-freiburg.eu  

Autor: sge

Autor: Sina Gesell