Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

26. September 2017

RÜCKBLICK 1967

Technische Wunder 2000

Skeptisch beurteilte die BZ vor 50 Jahren die Visionen des damaligen Bundespostministers, wie die Kommunikation im Jahr 2000 aussehen werde:. "Wie in einem Wunderland wird sich der Postkunde fühlen können, wenn die Voraussagen von Minister Dollinger Wirklichkeit werden sollten." Dollinger prophezeite, es werde vor der Jahrtausendwende möglich sein, per Selbstwähldienst Gespräche rund um die Welt führen zu können – ganz ohne Vermittlung. Das Versenden von Briefen werde durch preisgünstige Sende- und Drucktechniken ersetzt. Auch der Haushalt werde durch technische Neuerungen bequemer: "Die ,Hausfrau 2000’ wird das Einkaufen und Aussuchen von Waren über das Fernsehtelefon erledigen können." Auch das Telefonieren vom Auto aus werde schon bald problemlos möglich sein. Die BZ blieb wenig beeindruckt von diesen "märchenhaft anmutenden Einrichtungen" und stichelte lieber in Richtung der damals für das Telefonnetz zuständigen Post: "Ob man sich auch vorstellen darf, dass die 200 000 Deutschen, die derzeit auf Telefonanschlüsse warten, bis dahin ans Netz angeschlossen sind, hat er nicht gesagt."

Werbung


Ärgernis Dauerparker

Regelmäßig Anlass zur Verärgerung gab seinerzeit die Flut von Autos in der Freiburger Innenstadt. Kaiser-Joseph-Straße, Münsterplatz und Bertoldstraße waren damals keine Fußgängerzone, sondern wichtige Auto-Verkehrsadern. Die Badische Zeitung übte heftige Kritik am Verhalten mancher Freiburger: "Man sollte nicht glauben, wie zäh manche Freiburger an ihrer Angewohnheit hängen, mit dem Wagen möglichst bis unmittelbar vor die Türe des Arbeitsplatzes, möglichst bis zum Marktstand auf dem Münsterplatz, wo man einen Kopf Salat kauft, zu fahren." Obwohl es viel vernünftiger sei, etwas außerhalb zu parken und fünf Minuten zu Fuß zu gehen, suchten viele Freiburger lieber 20 Minuten nach einem Parkplatz direkt in der Innenstadt. Zwar tat die Stadt, was sie konnte, um an allen Ecken Parkhäuser und neue Parkplätze zu schaffen. Auch das Parken auf Gehwegen werde in der Not von der Polizei stillschweigend toleriert, berichtete die BZ. Ein besonderes Ärgernis seien die Dauerparker: In der Innenstadt herrschte zwar Parkscheiben-Pflicht, und man durfte nur zwei Stunden lang dort parken. Das hielt aber einige besonders gewiefte Parker nicht davon ab, ihren Wagen den ganzen Tag in der Stadt stehen zu lassen: "Es soll Leute geben, die ihrer Sekretärin den ständigen Auftrag erteilen, alle zwei Stunden die Parkscheibe neu einzustellen." Da helfe nur eins, so die BZ: Überall Parkuhren aufzustellen und die Gebühren drastisch zu erhöhen.

Vorbildliche Bahnen

Die Freiburger Verkehrsbetriebe bekamen seinerzeit Besuch von Vertretern ihres Pendants aus Regensburg. Die Oberpfälzer interessierten sich für die schaffnerlosen Straßenbahnen, die in Freiburg die alten Modelle ersetzt hatten. Statt eines menschlichen Schaffners nahm nun ein Automat die Fahrscheine der Passagiere entgegen. Die Regensburger zeigten sich sehr interessiert an diesem Modell. Sie ließen sich laut BZ-Bericht von ihren Freiburger Kollegen einen "Ton-Farbfilm" vorführen, auf dem eine solche Straßenbahn auf ihrem Weg durch die Altstadt zu sehen war. Am Ende des Besuchs bedankten sich die Gäste und luden die Freiburger zu einem Gegenbesuch nach Regensburg ein.

Autor: eld