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17. Juli 2017

Aktion

Schauinslandbahn lud zu Nachtfahrten mit Rahmenprogramm

Den Freiburger Hausberg mit seinen Reizen mit dem Flair der „blauen Stunde“ oder sogar in völliger Dunkelheit erleben: Am Samstag war das einmal mehr bei der Nachtfahrt der Schauinslandbahn möglich.

  1. Zur „blauen Stunde“ ging’s mit der Schauinslandbahn hoch auf den Hausberg. Foto: Rita Eggstein

  2. An der Sternwarte war der Abendhimmel plötzlich ganz nah. Foto: Rita Eggstein

Bis Mitternacht konnten die Besucherinnen und Besucher bergauf und bergab gondeln und hatten die Wahl zwischen unterschiedlichen Angeboten des Rahmenprogramms.

Der Countdown an der Talstation läuft: Noch drei Sekunden, zwei, eine… Die Gondel nimmt Anlauf und steigt am Stahlseil in die Luft. Erst einmal herrscht beinahe andächtige Stille unter den sieben Passagieren: Der Blick auf die unten dahin ziehende Natur, später dann die Aussicht in die Region bei klarer Abendsicht faszinieren. Gedämpft gemurmelte Kommentare sind zu hören: "Das ist viel schöner, als mit dem Auto raufzufahren" oder "Hier ist die Welt noch in Ordnung".

An der Bergstation angekommen, packen so manche erst einmal wärmere Kleidung aus, denn die abendliche Kühle hat in der Höhe schneller eingesetzt als im Tal. Nach einem letzten Blick in die Weite steht man dann vor der Entscheidung: Soll man an der Nachtwanderung der Anbieter Historix und Vistatour teilnehmen, die sich mit Geschichte, Geschichten und Legenden des Schauinsland beschäftigt? Oder gemeinsam mit Ursel Lorenz über den Schauinsland-Höhenweg in den Sonnenuntergang marschieren? Dank des guten Wetters sind die Voraussetzungen für eine "richtige" Tour im Abendrot jedenfalls gegeben. Wer länger und bis in die Nacht hinein ausharren will, kann der Sternwarte einen Besuch abstatten und einen Blick durchs Teleskop in den Himmel werfen.

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Weniger bewegungsintensiv, dafür sehr informativ sind die Führungen durch die Seilbahntechnik und das Museumsbergwerk. Geleitet von Martin Pfister, der diesen Job bereits seit 2005 macht, geht es in den Stollen – "nicht Höhle", wie der 45-Jährige einen Besucher, der letzteren Ausdruck gebraucht hat, belehrt: "Da fühlt sich sonst jeder Bergmann in seiner Ehre beleidigt, denn ein Stollen ist mit menschlicher Arbeit gemacht." Jeder Teilnehmer bekommt einen Schutzhelm, dann betritt die 20-köpfige Gruppe das stillgelegte Bergwerk nach dem obligatorischen gemeinsamen "Glück auf". Auch die kleine Statue der heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Bergleute, wird traditionell gegrüßt. Martin Pfister erzählt von der Geschichte unter anderem des Silberabbaus, gibt aber auch einige Anekdoten zum Besten. Er lässt die Besucher einen Blick in die Tiefen eines vergitterten Schachts werfen, zeigt historische Gerätschaften. Nach einer Stunde erblicken alle wohlbehalten wieder das nun schon schwächere Tageslicht.

Eine gelungene Mischung aus Information, Stimmung und Genuss bieten die Veranstaltungen rund um die Nachtfahrt. Nicht nur Erstbesucher oder Touristen, sondern auch Einheimische nutzten das Angebot. Wie etwa Katja Simon-Möller, die als waschechtes Bobbele natürlich schon oft auf dem Schauinsland war. Ihre Kinder hätten auch mal einen Geburtstag im Bergwerk gefeiert, erzählte die 41-Jährige. Am Samstag war der Stollen wieder mal das Ziel von Katja Simon-Möller und ihren Söhnen Julian (8) und Max (10) – "es ist jedes Mal interessant", so die Freiburgerin.

"Am interessantesten fand ich das Grubenfahrzeug und den Bohrer", so Julian nach der Führung. Beim Blick in den tiefen Schacht habe er "schon ein bisschen Angst bekommen", gab er zu. Das Bergwerk, betonte Max Möller, sei sein klarer Favorit, wenn er auf dem Schauinsland sei.

Andere Schauinsland-Besucher haben andere Vorlieben. Und so manche oder mancher ist einfach ausschließlich zum Wohlfühlen hochgefahren: Mit einem Glas Wein in der Hand die Aussicht auf sich wirken und die Seele baumeln lassen – auch das kann ein Grund sein, zu ungewohnter Zeit einen Ausflug auf den Hausberg zu machen. Und bei der Abfahrt kurz vor Mitternacht sorgen die Lichter der Stadt für einen Gänsehautmoment.

Mehr Fotos unter mehr.bz/bei-nacht17

Autor: Bettina Gröber