St. Ottilien

Sanierung der Wallfahrtskapelle St. Ottilien ist fertig

Simone Lutz

Von Simone Lutz

So, 16. Juli 2017 um 13:14 Uhr

Freiburg

Nach knapp zwei Jahren Komplettsanierung ist die Wallfahrtskapelle in St. Ottilien fertig. 1,3 Millionen Euro hat die denkmalpflegerische Arbeit an der Kapelle aus dem Jahr 1505 gekostet.

Ein Jahr – so lange hat allein die Sanierung des Dachstuhls gedauert. Und fast zwei Jahre dauerte es, bis die Wallfahrtskapelle St. Ottilien komplett saniert war – mit denkmalpflegerischem Fingerspitzengefühl und Kosten von rund 1,3 Millionen Euro. Am Freitag ist das Waldheiligtum unterhalb des Roßkopfs feierlich wiedereröffnet worden.

"Wow, das sieht ja ganz anders aus", sagt vier Tage zuvor Dompfarrer Wolfgang Gaber. Gerade hat er sich hinter Markus Kaupp, dem Geschäftsführer der katholischen Gesamtkirchengemeinde, die schmale Stiege hoch durch einen winzigen Einlass gequetscht und steht im Dachstuhl. Es riecht nach frisch geschlagenem Holz.

Stuckdecke hatte keine richtige Verankerung mehr

"Wir hatten hier echten Hausschwamm", erzählt Eberhard Wittekind, Architekt im Erzbischöflichen Bauamt. Die historischen hölzernen Mauerschwellen waren auf fast der ganzen Gesamtlänge kaputt, das Dachtragwerk auch. Dadurch hatte die Stuckdecke im Chorraum einen Stock tiefer keine richtige Verankerung mehr und drohte abzusacken. Nun glänzt an den einst maroden Stellen im Dachstuhl frisches Douglasienholz. Teilweise mit Schutzanzügen haben die Zimmerer hier gearbeitet. "Für ein kleines Eck brauchen zwei Leute zwei Wochen", sagt Wittekind.

Die ganze Kapelle ist wie neu, dabei schlicht und eindrucksvoll: Die Farben schimmern wie einst in der Barockzeit, die Fresken sind restauriert, die Wände lasiert. Die Sakristei – "das war früher eine Rumpelkammer", so Wolfgang Gaber – präsentiert sich aufgeräumt mit Schränken. Das neue Kirchengestühl ist unauffällig, aber bequem – und hat beheizbare Sitzkissen. Kein Luxus in einem Gebäude, das über eine Grotte verfügt und praktisch immer feucht ist. Deshalb wurde die Heizung optimiert, es gibt jetzt eine automatisierte Belüftung über die Fenster. Auch die Beleuchtung wurde ausgewechselt, moderne Leuchten hängen von der Decke und bestrahlen durch Schlitze in ihren Röhren die Fresken an der Wand.

Gesamtkirchengemeinde und Spenden

Finanziert hat das Ganze die Gesamtkirchengemeinde mit knapp einer Million Euro, dazu kamen Spenden und Zuschüsse. "Wir hatten eine differenzierte und detaillierte Kostenschätzung, damals war die Rede von 650.000 Euro", sagt Markus Kaupp, "am Ende war’s doppelt so teuer." Schuld war vor allem der Dachstuhl, wo die Schäden viel größer waren als befürchtet und wegen dem das Dach gleich mehrmals ein- und umgedeckt werden musste. Mehrkosten: 300.000 Euro.

Jetzt aber sind alle glücklich mit dem restaurierten Kleinod: Heiraten, Taufen, heilige Messen, alles ist wieder möglich. Und auch die Felsengrotte wurde ausgebessert und gereinigt. Die dortige Gnadenquelle ist zwar schuld, dass es so feucht ist, doch ihr Wasser soll Gläubigen bei Augenleiden helfen. Dompfarrer Gaber jedenfalls benetzt immer, wenn er herkommt, seine Augen: "Das macht man so in St. Ottilien."