Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

16. Dezember 2011

Seit mehr als elf Jahren in der Sammelunterkunft

Im Gemeinderat trugen einzelne Mitglieder detaillierte Zahlen bei zum Thema Wohnungsbedarf für Flüchtlinge.

In Freiburg sei man zwar in Sachen Flüchtlingsunterbringung "besser als das Gesetz es verlangt", so war in der Gemeinderatssitzung am Dienstag zu hören, aber die humanitären Pflichten seien auch hier noch lange nicht erfüllt, was die Wohnsituation Flüchtlingen betrifft. Um die desolate Wohnsituation für die derzeit knapp 800 – und für weitere zu erwartende – Flüchtlinge zu verbessern, hatte die Verwaltung ein zwölfseitiges Papier erarbeitet. Das wurde ausführlich im Rat besprochen und stieß quer durch die Fraktionen auf deutliche Zustimmung.

Insbesondere fanden die Ergänzungen von Ellen Breckwoldt (CDU) große Aufmerksamkeit in allen Fraktionen. Die CDU-Stadträtin rechnete im Detail vor, dass von den 737 Menschen, die derzeit in Freiburger Sammelunterkünften wohnen, 14 Familien bereits seit mehr als elf Jahren unter diesen schweren Bedingungen leben. "Eine traurige Bilanz" nannte Irene Vogel (Unabhängige Listen) speziell die Langzeitunterbringung von Flüchtlingen, häufig Roma, die Anfang 2000 in Freiburg Schutz gesucht hatten. Irene Vogel listete denn auch noch auf, dass immerhin 577 Flüchtlinge mehr als drei Jahre in der sogenannten Anschlussunterbringung lebten, mithin also mit mehr als den gesetzlich vorgeschriebenen 4,5 Quadratmetern pro Person wohnversorgt werden könnten.

Werbung


Werner Hein, Amtsleiter im Amt für Wohnraumversorgung, verweist in diesem Zusammenhang auf München: Dort gesteht man Flüchtlingen in Sammelunterkünften 7 Quadratmeter pro Person zu. "4,5 Quadratmeter halte ich für absolut eng", so Hein. Der Blick der Verwaltungsschrift richtete sich jedoch nicht nur auf die alsbaldige Errichtung von Wohncontainern in St. Christophe – die diese gesetzlichen Vorschriften berücksichtigen müssen. Um den akuten Mangel an Unterbringungsmöglichkeiten zumindest abfangen zu können, zeigten sich die Gemeinderäte denn auch einverstanden mit der Container-Lösung. Wie aber die Menschen nach der ersten Zeit in Sammelunterkünften den Schritt in private Wohnungen tun können, ist so einfach nicht. Nikolaus von Gayling-Westphal (FDP) stellte fest: "Hier setzt sich die Problematik fort, die wir bei diversen Punkten bereits diskutiert haben – es fehlen bezahlbare Wohnungen."

Dennoch vermeldet Werner Hein, dass letzthin – unter anderem in Absprache mit der Freiburger Stadtbau – 50 Wohnungen "aquiriert" werden konnten, um Familien aus den Sammelunterkünften in private Wohnsituationen weitervermitteln zu können. Für Anke Dallmann (Freie Wähler) wie auch für Coinneach McCabe (Grüne Alternative Freiburg) eine begrüßenswerte Entwicklung. Entwicklungspotenzial sieht der GAF-Mann in der Wortwahl. Der OB habe im Zusammenhang mit wohnungsbedürftigen Flüchtlingen von einer "Sonderlast" gesprochen: "Ein Unding." Ebenfalls viel beachtet wurde der Hinweis von Birgit Woelki (Die Grünen) und Walter Krögner (SPD): Statt des ebenso diskriminierenden wie falschen Terminus "illegale Flüchtlinge" solle man den treffenden Ausdruck benutzen: "Menschen, die ungeregelt bei uns zugezogen sind". Zustimmendes Kopfnicken allenthalben.

Autor: Julia Littmann