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16. Oktober 2009

Slampoet Maurice Meijer auf der Buchmesse

BZ-Interview: Der Freiburger Slam-Poet Maurice Meijer tritt heute auf der Frankfurter Buchmesse auf

  1. Maurice Meijer Foto: privat

Heute hat er sogar einen Auftritt auf der Frankfurter Buchmesse: Seit fünf Jahren liest der Freiburger Maurice Meijer seine Gedichte auf Poetry-Slams vor. Mit Friederike Reußner sprach der 25-Jährige übers Schreiben.

BZ: Sie lesen heute bei einem Slam auf der Buchmesse. Nervös?

Maurice Meijer: Es geht. Ich mach’ das mit den Slams jetzt seit fünf Jahren. Am Anfang war ich da bestimmt unsicherer und schüchterner, aber man gewöhnt sich dran. Bei größeren Auftritten wie auf der Buchmesse oder der Poetry Slam- Meisterschaft Ende Oktober in Düsseldorf habe ich aber immer noch ein bisschen Lampenfieber.

BZ: Gerade ist Ihr erstes Buch erschienen. Wie sind Sie Dichter geworden?

Meijer: Ich hab’ so mit 12 oder 13 angefangen zu schreiben. Am Anfang nur für mich – meine Gedichte habe ich erst später Leuten gezeigt. Warum ich angefangen habe, kann ich so genau gar nicht mehr sagen. Ich hab immer viel gelesen und viel Musik gehört. Ich glaube, die Musik hat mich stark beeinflusst, erst Rock und später HipHop und Rap. Eine Zeit lang habe ich auch selbst gerappt und in meinen Gedichten ist der Rhythmus und die Betonung auch sehr wichtig.

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BZ: Wie würden Sie Ihre Gedichte denn beschreiben?

Meijer: Als dadaistisch vielleicht. Ernst Jandl und Kurt Schwitters haben mich schon beeinflusst. Mich fasziniert beim Dadaismus, wie da mit Worten und Klängen gespielt wird und die ganze Bewegung, die dahinter steht. Meine Gedichte sind aber unterschiedlich – teilweise politisch und teilweise eher kurz und witzig.

BZ: Haben Sie Frauen schon Liebesgedichte geschrieben?

Meijer: Ja, sicher. Das kam auch gut an. Aber eigentlich bin ich nicht so der Liebesgedichte-Schreiber.

BZ: Wenn’s keine Frauen sind – was inspiriert Sie denn sonst zum Schreiben?

Meijer: Mich inspiriert alles Mögliche. Bildende Kunst, Musik, Sachen, die ich erlebe. Ich muss auch nicht in einer bestimmten Stimmung sein, um zu schreiben. Deshalb habe ich auch immer Stift und Papier dabei, wenn ich eine Idee habe, muss ich die sofort aufschreiben.

BZ: Egal wo Sie sind?

Meijer: Ja. Ich hab’ auch schon in ’ner Disco bei dröhnendem Elektro an der Bar gesessen und ein Gedicht geschrieben. Beim Gedicht "Birke" hatte ich länger das Wort Birke im Kopf und hab’ damit gespielt, bevor ich es geschrieben habe. Die "Birke" steht hier als Symbol. Mit diesem Gedicht will ich den Leser zum Nachdenken und zum Lächeln bringen.

BZ: Sie sind ausgebildeter Erzieher. Hat Ihnen Ihre Slam-Erfahrung im Kindergarten etwas gebracht?

Meijer: Ja, schon. Ich habe den Kids eine Zeit lang immer Märchen frei erzählt, und die waren voll begeistert. Seit August arbeite ich aber nicht mehr im Kindergarten. Ich möchte mich mit meiner Literatur selbstständig machen.

BZ: Verdienen Sie denn mit Ihren Gedichten etwas?

Meijer: Viel noch nicht. Ab und an gibt es für einen Auftritt hundert Euro Gage und der Verkauf der Bücher fängt langsam an, ein bisschen was rein zu bringen. Momentan kann ich davon aber nicht leben und jobbe als Pizzabote und in einer Bar.

Mehr von Maurice Meijer: http://www.myspace.com/lecoleurdemaurice
http://www.lauterWORTE.blogspot.com oder in seinem Gedichtband, den es für acht Euro in der Josfritz-Buchhandlung gibt.

Autor: frß