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24. Januar 2012 19:35 Uhr

Immobilienmarkt

So machen Betrüger Profit mit der Wohnungsnot

Sie klingen seriös. Bieten eine Wohnungsbesichtigung an. Verlangen eine Kaution für den Schlüssel – und verschwinden auf Nimmerwiedersehen: Auf dem freiburger Wohnungsmarkt sind Betrüger unterwegs.

  1. Betrug mit Wohnungsschlüsseln – auch in Freiburg grassiert diese Betrugsmasche. Foto: Kautz15 - Fotolia

Die Kriminellen bieten im Internet in Immobilienportalen Wohnungen in attraktiven Lagen an, melden sich aus dem Ausland bei Interessenten und schlagen vor, zur Besichtigung der Wohnung den Schlüssel zu schicken. Der Haken daran: Der Interessent soll für den Schlüssel eine Kaution bezahlen, die er – so wird ihm versichert – zurückerstattet bekommt, wenn er sich gegen die Wohnung entscheidet. Doch die angeblich zu vermietenden Wohnungen sind gar nicht frei; der Interessent sieht sein Geld nie wieder.

Die Masche gibt es seit zwei Jahren

Die BZ hat in einem Selbsttest versucht herauszufinden, wie die Betrüger arbeiten. Diese sogenannten Scammer erwecken nicht nur durch sympathisch geschriebene Mails zunächst einen guten Eindruck, sondern auch dadurch, dass sie sich zur Zahlung der Kaution und Lieferung des Schlüssels der Namen und Logos seriöser Unternehmen wie der Deutsche-Post-Tochter DHL bedienen.

Die Masche wird seit zirka zwei Jahren angewandt: Immobilienportale wie Immobilienscout24.de und Immonet.de werden mit falschen Angeboten für Wohnungen in deutschen Großstädten überhäuft. "Aufgrund der enormen Anzahl von monatlich 1,2 Millionen Objekten auf unserer Seite können wir Inserate nicht vor der Einstellung einzeln überprüfen. Das hat auch der Gesetzgeber erkannt und Onlinemarktplätze wie Immobilienscout24 von Prüfungspflichten im Hinblick auf fremde Inhalte freigestellt", sagt Katja Hemme, Pressesprecherin von Immobilienscout24.de. Die Portale versuchen aber, im Rahmen ihrer Möglichkeiten dagegen vorzugehen: Sie überprüfen ihre Angebote mit Hilfe einer Filtersoftware. Bei einem Verdacht klingeln die Alarmglocken, die dubiosen Angebote werden umgehend offline gestellt und die Anbieterkonten gesperrt. Zudem werden die User von den Portalbetreibern per Mail gewarnt. "Die Leute fallen leider immer wieder darauf rein", bedauert Immonet-Sprecherin Birgit Schweikart: "Kunden rufen deshalb bei uns an." Die Portale raten von Vorkassezahlungen ab.

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Laut LKA und Staatsanwaltschaft ist die Dunkelziffer hoch

Dem Freiburger Makler Hugo Sprenker, Vizepräsident des Immobilienverbands Deutschland, ist das Vorgehen – Versand des Wohnungsschlüssels gegen Vorkasse – unverständlich. Das sei ganz unüblich. "Wenn wir mal einen Schlüssel rausgeben, dann nur an Kunden, die wir gut kennen"; in so einem Fall werde dann aber auf eine Kaution verzichtet.

Auch bei der Freiburger Polizei und beim Landeskriminalamt (LKA) in Stuttgart weiß man von Wohnungssuchenden, die auf solche Betrüger reingefallen sind. Wie viele Menschen in welcher Höhe geschädigt wurden, kann LKA-Pressesprecher Ulrich Heffner nicht sagen. Oberstaatsanwalt Wolfgang Maier geht von einer hohen Dunkelziffer aus. Dass Menschen darauf reinfallen, liegt auch am schwierigen Wohnungsmarkt. In Freiburg fehlten 1000 Wohnungen, rechnet Immobilienexperte Sprenker vor.

Die Urheber der falschen Angebote im Ausland ausfindig zu machen, sei schwierig; man müsse nachweisen, dass Absender und Kontoinhaber ein und dieselbe Person sind, räumt Maier ein. Er schildert den Fall einer Frau, die Geld an einen angeblichen Mario Faber in der rumänischen Hauptstadt Bukarest überweisen sollte für den Schlüssel einer günstigen 90-Quadratmeter-Wohnung an der Hermannstraße. Da die Frau nicht geschädigt wurde, Rechtshilfeersuchen an ausländische Ermittlungsbehörden aufwändig und kostspielig seien und man davon ausgehen könne, dass der vom Betrüger verwendete Name falsch sei, wurde das Verfahren eingestellt.

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Autor: Frank Zimmermann