Freiburger Münster

So wird in 43 Meter Höhe im Münsterturm Holz saniert

Fr, 13. Januar 2017 um 00:00 Uhr

Freiburg

Die Türmerstube und die Glockenstube im Münsterturm werden aktuell saniert. Zwei Firmen führen Holzarbeiten durch – an Holz, das zum Teil noch aus dem 13. Jahrhundert stammt.

Bauabschnitt zwei und drei der Glockenstuhlsanierung sind derzeit im Münsterturm in Vorbereitung – seit Beginn der Woche ist deshalb der Münsterturm für Besucher für einige Zeit gesperrt. Insgesamt sind für diese Bauarbeiten aktuell etwa anderthalb Jahre veranschlagt. Ein variables Konzept sieht vor, dass Teile des Turms in wenigen Wochen trotz der Sanierungsarbeiten wieder zugänglich sind.

Auf etwa 30 Meter Turmhöhe ist die Glockenstuhlbasis. Hier wurde von 2008 bis 2013 das historische Gebälk saniert, jetzt dient sie als Werkstatt und Lager für die Glockenstuhlarbeiten. Einige Meter darüber liegen zwei provisorische Zwischenstockwerke, sogenannte Konstruktionsebenen, auch hier ist nun Lager und Werkstatt – und es wurde abgestellt, was normalerweise in der Türmerstube steht – etwa das Werk der Turmuhr, Stühle, Tafeln, Postkartenständer.

Und auf 43 Metern gähnt nun die Türmerstube leer unter der mächtigen, dunklen Balkendecke. Obendrüber ist die "Glockenstube", hier hängen 18 Glocken mit insgesamt rund 24 Tonnen Gewicht. Von hier bis zur unteren Konstruktionsebene wird in den kommenden anderthalb Jahren Baustelle sein. 250 Schadstellen wurden bei der wochenlangen Analyse und Schadenskartierung ausfindig gemacht. Zwei Firmen werden als Team daran arbeiten, diese Schäden zu beheben: Andreas Hagedorns Zimmerei aus Sulzburg und die Saulgauer Zimmerei Pius Luib. Andreas Hagedorn, Schreiner und Restaurator, zeigt einige Schwachstellen der großen Holzkonstruktion – und beschreibt, was geplant ist.

Eckständer aus dem 13. Jahrhundert

Etliches von dem beeindruckenden, massiven Holz hier oben ist Originalmaterial aus dem 13. Jahrhundert: Etwa die vier riesigen Eckständer aus Tannenholz, 50 auf 50 Zentimeter stark, 18 Meter lang – "das müssen regelrechte Urwaldriesen gewesen sein", vermutet Andreas Hagedorn. Oder die ellenbreiten Bodendielen:, 13. Jahrhundert, Eiche, 4,5 Zentimeter dick. Und doch nagte der Zahn der Zeit auch an diesen Urhölzern. So ließen auch schon in früheren Zeiten hier und da tragende Balken nach – und wurden dann zum Beispiel mit Stärkungsbalken unterstützt. Aus dem Jahr 1957 ist eine solche Sanierung dokumentiert, die mit Verstärkungshölzern Halt bringen sollte. "Damals hatte man andere Sorgen, da wurde nicht wie für die Ewigkeit gebaut", erzählt Hagedorn, "da hat man auf den akuten Zustand der geschwächten Balken reagiert – jetzt muss man vielfach genau an diesen Stellen nachbessern."

Zunächst einmal ist aber der Boden der Türmerstube dran. Hin wieder seien auf dem Turm um die hundert Besucher gleichzeitig, berichtet Linda Gründler, und man müsse auf diese hohe Belastung – zum Beispiel auch des – geschwächten – Bodens reagieren. Die junge Architektin des erzbischöflichen Bauamts hat die Bauleitung für das 850 000-Euro-Projekt. "Eine große Herausforderung wird sein", sagt sie, "dass wir im März zumindest Teile des Turms wieder für Besucher zugänglich machen wollen. Das erfordert eine sehr umsichtige und flexible Planung und Organisation."

In der Türmerstube nämlich wird der gesamte Eichenboden ausgebaut, ein neuer, zusätzlicher Boden wird auf die sanierten Balken aufgebracht – und darauf dann der historische Eichenboden verlegt. Eine Ertüchtigung des Bodens, nennt das Andreas Hagedorn. Dann werden Balkenlage und zwei Bodenlagen wieder bestens ausgestattet sein für Besucherströme.