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09. März 2017

8. März

So wurde der Weltfrauentag in Freiburg begangen

Neue Bedrohungen von rechts und die nie gelösten Probleme waren die Themen beim Frauentag auf dem Rathausplatz.

  1. Die Freiheit verteidigen gegen rechte Bewegungen: eine zentrale Forderung beim Frauentag. Foto: ingo schneider

  2. BZ-Auszubildende Alice Bühler verteilt Rosen an die weibliche Kundschaft. Foto: Ingo Schneider

Stände, Infos, Gespräche: Das gibt’s Jahr für Jahr beim Frauentag auf dem Rathausplatz. Doch diesmal war eine Neuerung dabei – eine Kundgebung, bei der neun Rednerinnen ihre Sichtweisen und Forderungen präsentierten. Die zentrale Botschaft: Gerade in diesen Zeiten, in denen populistische, rechte Bewegungen hart erkämpfte Freiheiten bedrohen, ist politisches, entschlossenes Auftreten umso nötiger. Dazu passte die "Frauenkampftag"-Demo am Abend, die von mehreren linken Gruppen organisiert wurde.

Muttertag statt Frauentag – das war die Devise im Nationalsozialismus, als Frauen vorrangig als Mütter wahrgenommen wurden. Daran erinnert Julia Söhne, junge SPD-Stadträtin und Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen. Solche Stimmen würden wieder mächtiger: "Und darum ist der Frauentag heute so wichtig wie nie!", ruft sie entschlossen ins Mikro. Es sei höchste Zeit, den "Rückwärtsgewandten" um Pegida und AfD den Kampf anzusagen. Die weltweit zunehmenden rechten Bewegungen tauchen in etlichen Beiträgen auf: "Es ist Zeit, dass wir wieder politischer werden", fordert Petra Krug, die Geschäftsführerin von "Pro familia". Sie tritt für die Verankerung von sexueller Bildung in den Schulen ein. Pro familia stehe für Diversität.

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Eine Sprecherin der Feministischen Linken, die nicht namentlich genannt werden will, betont, Feminismus sei "antirassistisch, antikapitalistisch und international solidarisch". Auch für Susie Drost vom Frauenverband Courage ist klar: Nur organisiert und international kann etwas erreicht werden. "Schließt euch zusammen!", ruft sie und erinnert an die große Frauen-Demo gegen den amerikanischen Präsidenten Donald Trump und Frauenstreiks in Argentinien.

Doch neben den aktuellen Bedrohungen stehen auch nach wie vor die vielen alten, immer gleichen Missstände, bei denen es höchstens zäh vorangeht: Irene Vogel, Stadträtin der Unabhängigen Frauen, zählt die Verdienstkluft zwischen Frauen und Männern auf, die zu Frauenarmut führe, speziell im Alter, wenn Frauen nach einem langen Arbeitsleben mit Mini-Renten leben müssten. Nach wie vor seien Frauen auch nicht genügend geschützt vor Gewalt.

"Echte" Gleichberechtigung würde bedeuten, dass Familienarbeit, die immer noch vor allem von Frauen geleistet werde, besser anerkannt werde, findet Uta Linß vom Mütter- und Familienzentrum Klara. Stattdessen habe sie Altersarmut zur Folge. Haushalte mit Kindern müssten finanziell abgesichert werden – zum Beispiel durch ein bedingungsloses Grundeinkommen. Längst nicht nur die Erziehung, auch die Pflege sei Frauen überlassen, ergänzt Lina Wiemer von der Bewegung "Care Revolution": Diese "Sorge-Arbeit" müsse grundlegend anders wahrgenommen werden. Dabei sollen Workshops und die Erarbeitung einer kommunalen Agenda helfen.

Nicht fehlen darf im völlig überteuerten Freiburg das Wohnungsthema: Speziell die vielen Frauen mit geringen Einkommen seien angewiesen auf sozialen Wohnungsbau und finanzierbare Wohnungen, sagt Simone Hahn vom Diakonischen Werk. Und geflüchtete Frauen, die oft Gewalt erlebten, bräuchten geschützte Räume in Unterkünften, gezielte Beratung, therapeutische und medizinische Hilfe und geschultes Sicherheitspersonal, betont Gabriela Schlesiger vom "Frauenraum für geflüchtete Frauen".

Autor: Anja Bochtler