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18. Oktober 2010 18:57 Uhr

Millionenprojekt

Stadt präsentiert Entwurf der neuen Kronenbrücke

Schmal, stabil und damit in der Lage, die Stadtbahn zu tragen: Das alles hat der Entwurf der neuen Kronenbrücke zu bieten, sagt die Stadt. Ob das der Gemeinderat auch so sieht?

  1. So soll die neue Kronenbrücke aussehen. Foto: Privat

Von einer eleganten Lösung spricht Finanzbürgermeister Otto Neideck: Die neue Kronenbrücke soll schmaler, stabiler und damit stadtbahnfähig sein – gleichzeitig "spart" sich die Rathausspitze damit die ohnehin drohende Sanierung der bestehenden Brücke. Gesamtkosten für Abriss und Neubau: 9 Millionen Euro. Davon bleiben nach derzeitiger Kalkulation drei Millionen Euro an der Stadt hängen. Läuft alles nach Plan, rollen im Jahr 2014 die Bagger an und eineinhalb Jahre später der Verkehr.

Der Schreck war absehbar. Schon im März 2008 vermutete FDP-Stadtrat Patrick Evers, dass die Kronenbrücke die geplante Tramtrasse nicht aushält, die durch den Rotteckring bis zum Siegesdenkmal führen soll und als Teil des Großprojekts "Vauban – Messe" eingestuft wird. Ein Jahr später schließlich war klar: Evers, der erklärte Gegner der Rotteckring-Tram, lag richtig. Die 40 Jahre alte Kronenbrücke verträgt keine Stadtbahn. Doch statt das Millionenprojekt zu stoppen, beschloss der Gemeinderat am 31. März 2009 Abriss und Neubau.

Der Gemeinderat stimmt am 26. Oktober ab

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Montag präsentierten Finanzbürgermeister Neideck und Frank Uekermann, Leiter des Garten- und Tiefbauamts, den Entwurf der Öffentlichkeit. Der Gemeinderat muss darüber noch am 26. Oktober abstimmen. Die neue Kronenbrücke wird wohl nicht mehr den Spitznamen "Elefantenklo" tragen. Sie wird "schlanker und filigraner", sagt Tiefbauamtsleiter Frank Uekermann. Das ist auch deshalb möglich, weil künftig nicht mehr 20 000 Fahrzeuge pro Tag, sondern 15 000 erwartet werden. Grund: Der Hauptverkehrsstrom soll von Sommer 2012 an durch die ausgebaute Heinrich-von-Stephan-Straße fließen.

Der Spannbeton wird also nur noch einen Durchmesser von 60 Zentimetern haben. Unten verteilt eine Stahlrohrkonstruktion die Lasten. Die ist Frank Uekermann besonders wichtig, weil sie dem "Erlebnisraum Dreisam" Rechnung trägt: mehr Luft und Licht für Radler und Fußgänger am Ufer. Mit der gewählten Konstruktion lassen sich Gründung und Widerlager der bestehenden Brücke verwenden. Das wiederum bietet die Gewähr, dass eine Kollision mit dem geplanten Stadttunnel ausgeschlossen ist.

Weil zwei eigenständige Brückenhälften entstehen sollen, kann laut Rathaus der Verkehr währen der Bauarbeiten weiterfließen. Im Jahr 2015 soll die neue Kronenbrücke fertig sein. Zwei Jahre später soll die Stadtbahn in Betrieb gehen.

Eine Investition ins "Elefantenklo" hätte in den nächsten sechs Jahren in jedem Fall erfolgen müssen. Das habe ein statisches Gutachten ergeben, sagt Frank Uekermann. Aus dem Trog war bei Probebohrungen Wasser gelaufen. Dass eine Brücke nach nur 40 Jahren ein gewichtiger Sanierungsfall wird, ist auch Bürgermeister Otto Neideck ein Rätsel. Für die Stadtbahn hätte eine Zusatzbrücke durch das ovale Loch geführt werden müssen – doch das Regierungspräsidium lehnte den dafür nötigen Pfeiler in die Dreisam ab. Aus Gründen des Hochwasserschutzes.

2,5 Millionen Euro, so ein Gutachten, würde eine Sanierung kosten. Stattdessen legt die Stadt eine halbe Million Euro drauf und bekommt eine neue Brücke, die 80 Jahre halten soll. Diese Rechnung ist nur möglich, weil der Neubau als Stadtbahnprojekt durchgeht und vom Bund bezuschusst wird. Die reinen Baukosten liegen bei 4,6 Millionen Euro. Fast so teuer ist der Abriss.

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Autor: Uwe Mauch