Freiburg

Stadträte haben Situation auf dem Platz der Alten Synagoge falsch eingeschätzt

Uwe Mauch

Von Uwe Mauch

Mi, 04. Juli 2018 um 13:48 Uhr

Freiburg

Anfangs als Steinwüste geschmäht, hat der Platz nun eine hohe Attraktivität. Gerade der Gedenkbrunnen zieht im Sommer viele Besucher an – allerdings auch zum Planschen. Ein Stadtrat räumt nun ein: "Wir haben den Konflikt nicht gesehen."

Eigentlich sollte der gemeinderätliche Ausschuss über das Dialogverfahren mit den beiden jüdischen Gemeinden diskutieren, das nach acht Monaten zu einem Kompromiss führte: Die Steine der 1938 von den Nazis niedergebrannten Synagoge, die vor zwei Jahren beim Umbau des Platzes entdeckt wurden, sollen in einem NS-Dokumentationszentrum ausgestellt werden. Eine digitale Info-Säule am Brunnen soll erklären, dass er den Grundriss der alten Synagoge nachzeichnet und an diese erinnert.

"Nicht nur wir, aber auch wir haben den Konflikt zwischen Erinnerungsort und öffentlicher Nutzung nicht gesehen."Stadtrat Michael Moos
Die Stadträtinnen und Stadträte bezweifelten, dass das alleine genügen wird. Einhellig halten sie die Situation "für nicht tragbar", wie Lukas Mörchen von der Fraktion "Junges Freiburg, Die Partei, Grüne Alternative" (4 von 48 Mandaten) sagte. Der Brunnen soll Erinnerungsort und nicht Planschbecken sein. "Von einem Erinnerungsort war am Samstag während des Stattfestes nichts zu merken – das war nicht mehr schön", sagte Renate Buchen von der SPD (8 Sitze). Und Neu-OB Martin Horn berichtete von zwei Diskussionen, die fast in Schlägereien auszuarten drohten.



Auch an der Sauberkeit auf dem Platz gibt es Kritik

"Wir haben aber die Aufgabe, den Erinnerungsort umzusetzen", findet Michael Moos von den Unabhängigen Listen (7 Sitze). Wie das gelingen könne, sei noch nicht geklärt. "Nicht nur wir, aber auch wir haben den Konflikt zwischen Erinnerungsort und öffentlicher Nutzung nicht gesehen." In der Jury mit hochrangigen Stadtplanern und Vertretern des Gemeinderats, die den besten Entwurf für die Platzgestaltung zu küren hatte, sei das nie problematisiert worden. "Wir sind in der Verantwortung, uns nun Gedanken zu machen", sagte Moos und schlug Symposien oder ein Hearing mit externen Experten vor. Das sei eine Angelegenheit nicht nur der jüdischen Gemeinden, sondern der Gesamtstadt.

Während Pia Federer von den Grünen (11 Sitze) beipflichtete, warnte Johannes Gröger vor weiterer "Verkopfung". Der Freie Wähler (3 Sitze) empfiehlt strengere Sanktionen. Carolin Jenkner, CDU (9 Sitze), meint, es habe sich schon etwas im Bewusstsein der Bürger geändert.

"Mit dem Erfolg müssen wir uns jetzt auseinandersetzen."Baubürgermeister Martin Haag
"Bestimmte Dinge haben wir nicht richtig eingeschätzt", sagte Baubürgermeister Haag. Anfangs als Steinwüste geschmäht, habe der Platz nun eine hohe Attraktivität. "Mit dem Erfolg müssen wir uns jetzt auseinandersetzen." Auch auf anderem Feld: Kritik kam aus den Reihen der Räte an der Sauberkeit. Zwar wird der Platz täglich gereinigt, doch bleiben Spuren auf dem hellen Granit. "Und den", so Haag, "wollten wir alle."

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