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09. Dezember 2008 18:12 Uhr

Wohnungsmarkt in Freiburg

Stadtverwaltung steht Leerstand machtlos gegenüber

Es scheint paradox: Einerseits wird der Wohnungsmarkt in Freiburg immer enger, andererseits gibt es zahlreiche leer stehende Wohnungen. Ein Missstand, auf den Bürger wiederholt aufmerksam machen. Und einer, bei dem der Stadtverwaltung die Hände gebunden sind.

  1. 1,2 Prozent der vermarktbaren Wohnungen in Freiburg stehen leer. Dabei wird der Mietmarkt immer enger. Foto: Ingo Schneider

Dass Wohnraum überhaupt leer stehen kann, liegt an der fehlenden rechtlichen Grundlage. Bis Ende des Jahres 2006 gab es in Baden-Württemberg das sogenannte Verbot der Zweckentfremdung von Wohnraum. "Das war ein wichtiges wohnungspolitisches Instrument", sagt Werner Hein, Leiter des städtischen Amtes für Wohnraumversorgung. "Wir sind sehr restriktiv vorgegangen und haben jeden Leerstand, von dem wir wussten, verfolgt." Die Wohnungsbesitzer wurden ermittelt, angeschrieben und darum gebeten, wieder zu vermieten. In besonders hartnäckigen Fällen wurde ein Zwangsgeld zwischen 5000 und 10 000 Euro festgesetzt, teilweise sogar Anzeige erstattet. "Das hat gut geholfen", sagt Hein.

Etwa 80 bis 100 Fälle von nicht oder falsch genutztem Wohnraum hat die Stadt jährlich geahndet. Wer zum Beispiel in der Innenstadt eine Wohnung besaß und die aufgrund höherer Einnahmen lieber als Kanzlei oder Arztpraxis vermietet hat, der musste laut Gesetz für einen gleich großen Wohnraum irgendwo in der Stadt sorgen. Das Land hat die Verordnung ersatzlos mit der Begründung gestrichen, der Wohnungsmarkt habe sich entspannt.

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Insgesamt stehen in Freiburg zurzeit rund 900 Wohnungen der 79.987 vermarktbaren Geschosswohnungen leer, das sind 1,2 Prozent. Dies geht aus einer Studie des Energiedienstleisters Techem und dem Bonner Marktforschungsinstitut Empirica hervor. Damit liegt Freiburg auf Platz 11 von 98 ausgewerteten deutschen Städten. Weniger Leerstand haben zum Beispiel Baden-Baden (0,9 Prozent) und Karlsruhe (0,7 Prozent), in Stuttgart stehen mit 1,4 Prozent mehr Wohnungen leer als in Freiburg. Der landesweite Durchschnitt liegt sogar bei 1,7 Prozent.

Kritik kommt aus ganz unterschiedlichen Richtungen

Der vergleichsweise niedrige Leerstand in Freiburg lässt auf einen hohen Bedarf schließen. Entsprechend kommt Kritik am Leerstand aus den unterschiedlichsten Richtungen: In jüngster Zeit beschwerten sich Bürger in einer Anhörung in Herdern, und linke Autonome besetzten Häuser, um dagegen zu protestieren.

Mit dem Wegfall des Verbotes der Zweckentfremdung kann nun jeder Wohnungseigentümer seine Räume leer stehen lassen. Jahre-, jahrzehntelang. "Die Zahl derer, die ihr Eigentum nicht mehr vermieten, nimmt stetig zu", sagt Manfred Harner, Vorsitzender der Eigentümergemeinschaft "Haus und Grund".

Die Gründe sind verschieden: Der eine ist auf die Mieteinnahmen nicht angewiesen, der andere hat kein Geld für eine notwendige Sanierung. Mancher hält die Wohnung vielleicht frei für die Tochter, die dort in drei Jahren einziehen will. Und ganz viele, so Harner, sind einfach genervt von Streitigkeiten mit den Mietern. "Stellen Sie sich vor, Sie haben zwei Autos. Eins fahren Sie, das andere können Sie vermieten. Wenn Sie es aber jedes Mal ramponiert zurückbekommen, dann sagen Sie: Ich lasse es stehen für Notfälle oder ich verkaufe es." Das Mietrecht von 2001 müsse dringend überarbeitet werden. Es sei zu stark einseitig zugunsten des Mieters. "Das ist ein Grund für viele, nicht mehr zu vermieten", sagt Harner.

Autor: Claudia Füßler