Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

02. Januar 2009 17:59 Uhr

Stille Mahnwache für Frieden in Nahost

  1. Foto: Thomas Kunz

  2. Foto: Thomas Kunz

Geschätzte 250 Menschen, die Mehrheit davon in Freiburg lebende Palästinenserinnen und Palästinenser, haben am Freitagnachmittag am Bertoldsbrunnen friedlich gegen die Angriffe im Gazastreifen demonstriert. Zu der friedlichen Mahnwache aufgerufen hatte in diesem Fall keine Organisation, sondern eine Gruppe von Privatpersonen um die Freiburgerinnen Gaby Weber und Nicole Zreineh.

Die Teilnehmer der Mahnwache, unter ihnen auch viele Kinder und Jugendliche, bleiben überwiegend still am Bertoldsbrunnen stehen. Gekommen sind auch Libanesen und Türken sowie Mitglieder des Friedensforums und der Partei Die Linke. Die einen halten Kerzen oder die schwarz-weiß-grüne palästinensische Flagge mit dem roten Dreieck in den Händen, andere Plakate, auf denen sie in Wort und Bild auf das Schicksal der Menschen im Gazastreifen hinwiesen. Nicht wenige haben Verwandte in der Krisenregion. So auch die 16-jährige Schülerin Maryam El-Aklok, sie ist die Tochter von Gaby Weber. Viele Verwandte aus der Familie ihres palästinensischen Vaters leben im Gazastreifen. "Wir versuchen jeden Tag, sie anzurufen, manchmal klappt das auch", erzählt Maryam. Sie berichteten, dass sie kein Essen und nichts zu trinken haben. Das Haus ihrer Tante in Gaza-Stadt sei zerstört worden, ebenso wurde in dem Dorf Nuseiarat ein Haus in unmittelbarer Nachbarschaft ihrer Großeltern bombardiert. Dabei, sagt Maryam, seien zahlreiche Menschen ums Leben gekommen. "Mein Opa ist aus Angst nach draußen gelaufen, aber das ist natürlich auch nicht besser als drinnen zu sein", erzählt die Gymnasiastin, die mit ihrer Familie an den Bertoldsbrunnen gekommen ist, um ein Ende der israelischen Luftangriffe zu fordern.

Werbung


In der Menge der Protestierenden steht auch Evelyn Hecht-Galinski, die Tochter des 1992 verstorbenen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Heinz Galinski. Sie lebt in einem kleinen Ort im Landkreis Lörrach, engagiert sich in der Organisation "Europäische Juden für einen gerechten Frieden", die für einen Ausgleich mit den Palästinensern eintritt, und ist "aus Solidarität mit dem palästinensischen Volk" nach Freiburg gekommen. Und zwar als "deutsche Staatsbürgerin", wie sie mehrfach betont. Mit Kanzlerin Merkel geht sie scharf ins Gericht: "Als deutsche Jüdin schäme ich mich für die Bundesregierung. Zu diesem Unrecht darf man nicht schweigen." Ihr Wunsch ist keine Zweistaatenlösung, sondern dass Israelis und Palästinenser gleichberechtigt in einem Land leben. Am heutigen Samstag ist die Israel-Kritikerin in Düsseldorf als Rednerin auf eine Demonstration gegen die Gewalt im Nahen Osten eingeladen. "Die Blockade muss beendet werden", fordert sie am Rande der Mahnwache am Bertoldsbrunnen und ärgert sich: "Und wo sind die katholische und die evangelische Kirche?"

Am kommenden Freitag oder Samstag – das genaue Datum steht noch nicht fest – soll in Freiburg eine Demonstration für den Frieden im Nahen Osten stattfinden.

Autor: Frank Zimmermann