Freiburg

Summa summarum ein informativer Bienentag auf dem Mundenhof

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

So, 11. Juni 2017 um 18:46 Uhr

Freiburg

Auf dem Freiburger Mundenhof konnten Besucher viel über Bienen und ihre Gefährdung erfahren. Und dass Mundenhof-Waschbären schon ausgebüxt sind, um Honig zu klauen.

Wer traut sich? Martin Homburger übergibt einen Kunststoffdeckel mit Waben aus dem Bienenkasten an Mutige neben ihm. Die Bienen krabbeln und schwirren heftig um die Waben herum, aber das macht nichts: Die Teilnehmer des Deutschkurses "Walking dialogues" vom Studierendenwerk, die einen Ausflug zum Bienentag machen, tragen Schutzanzüge.

Martin Homburger braucht das nicht. Als er versehentlich eine Biene drückt, sticht die zwar sofort zu. Doch er bleibt cool, zieht einfach nur den Stachel aus seiner Haut und macht weiter. Als Imker werde er 30 bis 40 Mal im Jahr von Bienen gestochen, sagt er. Das härte ab.

Honig kann tausende Jahre halten

Er erzählt, dass Bienen den Nektar der Blüten, der zu 80 Prozent Wasser enthält und deshalb schnell schimmeln würde, so bearbeiten, dass der Honig am Ende nur noch aus rund 16 Prozent Wasser besteht und dauerhaft haltbar ist. Da machen selbst Tausende von Jahren nichts aus: In einem Grab der altägyptischen Pyramiden sei Honig gefunden worden, der sei noch in gutem Zustand.

Bienen sammeln aber auch Harz aus Baumblüten und desinfizieren damit die Zellen, in die sie Eier legen. Diesen Stoff namens Propolis nutzen manche gegen Erkältungen. Und wenn Bienen schwitzen, sondern sie aus ihrem Hinterleib Wachs ab, das sich zum Bau der Waben eignet. Oder für Kerzen.

Spechte haben Bienen zum Fressen gern

Nicht nur Menschen schätzen die Produkte der Bienen und lassen sie für sich schuften: Auch die Waschbären vom Mundenhof seien mal ausgebüxt und hätten die Bienenkästen geöffnet, um an den Honig zu gelangen, erzählt Martin Homburger. Und Spechte würden gern Löcher in die Kästen hämmern, um Bienen zu fressen.

Jenny Santiko (21), Jurastudentin aus Finnland, Valeria Matweea (24), Linguistikstudentin aus Russland, und ihre Kollegen haben direkt vor der Führung spezielle Bienenbegriffe auf Deutsch gelernt. Darum verstehen sie alles gut.

Die ersten eigenen Hofbienen

Den Bienengarten im Mundenhof gibt es seit vergangenem Jahr, erzählt Axel Ochsenfahrt, der die drei Bienenvölker mit je 40 000 bis 50 000 Bienen ehrenamtlich betreut. Früher gab’s zwar auch Bienen am Mundenhof, aber die gehörten Imkern. Damit die Bienen und Wildblumen nicht so stark gestört werden, ist der Bienengarten nur donnerstags zwischen 16.15 und 18 Uhr und manchmal sonntagnachmittags geöffnet.

Nicht nur für Honigbienen, sondern erst recht für die unabhängig von Imkern lebenden Wildbienen bräuchte es viel mehr solche Orte: Das will Ortrud Hentrich vom Naturschutzbund (Nabu) vermitteln. Auf ihrem Infotisch steht ein Blumenstrauß, mit rotem Klatschmohn, blauen Kornblumen, Margeriten und anderen Sorten, die in der Kindheit heute älterer Menschen noch überall blühten und jetzt Seltenheitswert haben.

Nabu: weniger Spritzen und Mähen

Weil sie nicht nur schön, sondern auch wichtig für Wildbienen sind, ärgert sich Ortrud Hentrich, dass immer noch viel zu viele ständig mähen, exotische Blumen anpflanzen und Pestizide verwenden. Vor allem in ländlichen Stadtteilen wie Ebnet würden Straßenränder und Blumeninseln viel zu oft und zu früh gemäht, dadurch hätten später im Jahr blühende Blumen keine Chance. Auf einem neuen Grundstück am Tuniberg will der Wildbienen-Arbeitskreis des Nabu nun extra Wildblumen aussäen.

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