Vereint im Verein

"Taste of Malawi" unterstützt Frauen in Malawi - und reflektiert globale Zusammenhänge

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Mi, 03. Mai 2017

Freiburg

Sie wollen Frauen in Malawi unterstützen – und dabei selbst etwas über Märkte, Vertrieb und „Entwicklungsarbeit“ lernen. Und dass die Mitglieder des Vereins „Taste of malawi“ die globalen Ungerechtigkeiten und ihre eigene Rolle kritisch und reflektiert betrachten, zeigt das breite Spektrum an Referenten, die sie zu einer Diskussionsveranstaltung am Donnerstag eingeladen haben.

FREIBURG. Die Freiburger Gruppe ist eine von mehreren bundesweit. Bisher sind nur Studierende aktiv, es sind aber alle willkommen.

Die direkte Verbindung nach Malawi war immer da – das beweist derzeit der drei Monate dauernde Besuch von Alexander Kumcheza (28). Er ist eigentlich Computerexperte und arbeitet inzwischen als Manager des Frauenprojekts, das er und die Geographie-Studentin Jana Piske (23) vor zweieinhalb Jahren in Malawi gegründet haben. Damals hat Jana Piske zwei Jahre lang in dem ostafrikanischen Land gelebt und als Freiwillige in einem Straßenkinderprojekt gearbeitet.

Weil sie sich dort selbst öfters Kleidung schneidern ließ, fiel ihr auf, dass nur Männer in diesem Bereich arbeiteten – den Frauen fehlte das Selbstbewusstsein. Das wollte sie ändern helfen und tat sich mit Alexander Kumcheza zusammen, der ihr Kontakte und Hintergründe vermittelte. Die beiden gewannen Förderpreise mit ihrer Idee, Frauen die nötige Ausstattung zum Nähen zu bieten und deren Produkte auch auf dem europäischen Markt zu verkaufen. Zurzeit arbeiten in den zwei Räumen zum Schneidern 13 Frauen zwischen 23 und 47 Jahren. Es entstehen unter anderem Kleidung, Taschen, Kissen oder Topfuntersetzer.

Durch die höheren Gewinne, die sie durch den Verkauf in Europa erzielen, werden die Ausbildungen der Frauen finanziert. Irgendwann sollen sie ihre eignen Kundenstämme haben und sich unabhängig über Wasser halten können. Aber auch für die deutschen Unterstützer ist es ein Lernprojekt, betont Jana Piske, die ihre Idee übers Internet und Bekannte bundesweit bekannt gemacht hat. So kam es, dass sich verschiedene Schwerpunkte etabliert haben: Von Göttingen aus steuern zum Beispiel Betriebswirtschaft-Studierende ihr Finanzplanungs-Wissen bei. Und in Wuppertal geht’s stärker um Produktdesign und Marktstrategien.

Die Freiburger Gruppe ist gemischt: Anne Pleuser (20) studiert, genau wie Jana Piske, Geographie. Simon Schwarzkopfs (20) Fächer sind Geographie und Deutsch auf Lehramt, Timo Weißer (21) ist angehender Informatiker. Simon Schwarzkopf engagiert sich, weil der Verein unbürokratisch und flexibel arbeitet, Timo Weißer gefällt, dass es kaum Hierarchien gibt und das globale Netzwerk auf persönlichen Beziehungen aufgebaut ist. Und die Geographie-Studierenden, die sich im Studium viel und kritisch mit Entwicklungszusammenarbeit befassen, wollen ihre Ideale in der Praxis testen.

Besonders willkommen wären dem Verein derzeit Mitglieder, die sich mit Textildesign, dem Vertrieb und Bildungsthemen auskennen – "aber wir können jeden brauchen", betont Jana Piske.

Donnerstag, 4. Mai, 18.30 Uhr: "Wer andern einen Brunnen gräbt..." – Diskussionsabend rund um "Entwicklung" mit Impulsvorträgen von Christian Stock (Informationszentrum 3. Welt), Clemens Jürgenmeyer (Arnold-Bergstraesser-Institut), Nicole Landmann (Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe), Matthias Breitwieser (Ingenieure ohne Grenzen) und Jonas Becker (Viva con Agua) im Raum 1009, Kollegiengebäude I der Universität. Eintritt 2,50 Euro, Soliticket 4 Euro, im Vorverkauf 2 Euro (bei der Buchhandlung Walthari oder online).