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09. Dezember 2010

Teures Vorzeigeprojekt

Um das geplante integrative Hotel mit Wohn- und Geschäftshaus in Vauban wird noch gerungen.

Die Dinge "sind noch im Fluss", sagt Stadtbau-Geschäftsführer Ralf Klausmann, und "beide Seiten sind sehr bemüht", meint Jack Huttmann, Vorsitzender der Vereinigung Freiburger Sozialarbeit. Sprich: Die Finanzierung des integrativen Hotels mit Wohn- und Geschäftshaus am Eingangsgelände ins Quartier Vauban ist immer noch unklar. Im Spätsommer 2011 sollen eigentlich die Bagger anrücken. Derweil schießen die Unabhängigen Listen scharf gegen die Stadtbau als Investor.

Die Stadtbau hatte das sogenannte "M 1"-Gelände für 1,1 Millionen Euro gekauft, das Berliner Büro Barkow-Leibinger mit einem anspruchsvollen Entwurf den Architektenwettbewerb gewonnen. Die Vereinigung Freiburger Sozialarbeit (VFS) will einen Teil des Projekts, nämlich das integrative Hotel, betreiben, in dem unter anderem sechs Menschen mit Behinderung Arbeit finden sollen. Doch die Finanzierung wackelt: Während die VFS 8,75 Euro pro Quadratmeter Miete zahlen könnte, kalkulierte die Stadtbau mit 13 Euro. Als deren Geschäftsführer Ralf Klausmann die Mehrkosten des Raumprogramms auf den Tisch bekam, "bin ich fast rückwärts vom Stuhl gefallen", so Klausmann. Die Planung war offenbar viel zu teuer, weshalb nun über Abstriche am Konzept nachgedacht wird: Teil- statt Vollunterkellerung, Verzicht auf die Konferenzräume im Dachgeschoss, einen größeren Hotel-Teil mit nun 50 statt 43 Hotelzimmern. Die Devise ist: Wirtschaftlichkeit erhöhen, Kosten verringern. "Wichtig ist, dass das soziale Projekt realisiert wird", so Jack Huttmann. "Alle Beteiligten wollen das."

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Doch Hendrijk Guzzoni und Irene Vogel, die Vertreter der Unabhängigen Listen im Aufsichtsrat der Stadtbau, sehen das Geschäftsgebaren des städtischen Wohnungsbauunternehmens kritisch. Zwar unterstützen sie ausdrücklich die Idee eines integrativen Hotels, fragen aber, warum die Stadtbau im Auslobungstext keine Kostenobergrenze festgesetzt und warum es keine Ausschreibung für den Träger des integrativen Hotelkonzepts gegeben habe. "Wer hat beschlossen, dass das die VFS machen soll?", so Guzzoni. Baukosten zu sparen und etwa auf Passivhausstandard zu verzichten, sei politisch falsch. Für die UL-Aufsichtsräte ist das ein Beleg für die "unprofessionelle Arbeitsweise" des Unternehmens. Irene Vogel: "Erschütternd, wie unreflektiert man an manche Projekte herangeht."

Dem widerspricht Jack Huttmann: "Ein alleiniger Träger wäre zu schwach." Im Übrigen habe die VFS das integrative Hotel "erfunden": Als an gleicher Stelle ein "Green Business Center" geplant war, habe ein Mitarbeiter des damaligen Investors Rolf Buschmann erzählt, dass seine leicht geistig behinderte Tochter keine Arbeit fand. Als Buschmann das hörte, wandte er sich an Huttmann – so entstand die Idee mit dem integrativen Hotel. Huttmann: "Wenn man Inklusion ernst nimmt, ist das der richtige Weg."

Autor: Simone Lutz