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30. Oktober 2009 19:28 Uhr
Stöpsel im Ohr
Tödlicher Tramunfall: Wie gefährlich sind MP3-Player?
Hat das Mädchen, das bei einem Straßenbahnunfall in Freiburg ums Leben kam, die Bahn wegen eines MP3-Players im Ohr überhört? Der Verdacht steht im Raum und wirft die Frage auf, wie gefährlich Handys und Musikspieler im Straßenverkehr sind.
Das Mädchen, das bei einem Tramunfall in Freiburg ums Leben kam, am Montag am Betzenhauser Torplatz unter eine Straßenbahn kam und starb, hatte einen MP3-Player dabei. Niemand weiß, ob sie ihn aufhatte und deshalb die Straßenbahn nicht wahrnahm oder ob sie ihn nicht mal eingeschaltet hatte.
Sicher ist nur: Immer mehr Menschen hören Musik, wenn sie an Haltestellen auf Bus oder Tram warten oder quer über die Straße laufen, andere telefonieren über Handys mit Ohrstöpseln oder Freisprechanlagen im Auto. Sind MP3-Player und Handys eine Gefahr im Straßenverkehr? Laut Straßenverkehrsordnung sind Stöpsel im Ohr für Fußgänger nicht verboten. Fußgänger müssen sich allgemein nur so verhalten, dass niemand geschädigt oder belästigt wird. In der Praxis allerdings ist das schwierig zu beurteilen.
Kopfhörer und Kontrolle
"Nicht alle haben die Musik so laut gestellt, dass sie andere Geräusche nicht mehr wahrnehmen", sagt Dieter Klipfel, Verkehrsreferent der Polizeidirektion Freiburg. Tatsächlich ist es schwer zu sagen, ob jemand mit Stöpseln im Ohr taub für andere Geräusche durch die Gegend rennt – oder ob er nur leise Musik hört und die Situation unter Kontrolle hat.
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Bei Autofahrern und Radfahrern ist das etwas anders: Sie dürfen nichts tun, was ihre Sicht und ihr Gehör beeinträchtigen könnte. Deshalb dürfen Autofahrer beim Fahren auch nicht mit dem Handy am Ohr telefonieren – weil sie damit zu abgelenkt seien, meint der Gesetzgeber. Kurioserweise aber dürfen sie trotzdem laut Musik hören oder über die Freisprechanlage im Auto telefonieren. Und sogar Stöpsel sind beim Telefonieren im Auto erlaubt, denn die gelten als Freisprechanlage.
MP3-Player als Unfallursache?
Auch bei der Freiburger Polizei hat man registriert, dass immer mehr Menschen, die zu Fuß unterwegs sind, Musik mit MP3-Playern hören. Eine signifikante Unfallursache lässt sich dadurch jedoch nicht erkennen. Die polizeiliche Statistik der vergangenen sieben Jahre zeigt jedes Jahr eine wechselnde Zahl von Unfällen, an denen Fußgänger beteiligt waren.
Im Jahr 2005 etwa wurden 46 Unfälle von Fußgängern verursacht, 2008 waren es 77 und im laufenden Jahr bislang 42 – eine Tendenz ist da nicht zu erkennen. Dazu kommt, dass die Gründe für die Unfälle vielfältig waren: Fußgänger sind plötzlich hinter Hindernissen hervorgekommen oder haben den Verkehr nicht beachtet – eine Auswertung über Unfälle, die durch das Tragen von Playern verursacht wurden, gibt es nicht. Und einen Trend, dass die Fußgängerunfälle nach oben gehen, seit Musikhören auf der Straße Allgemeingut geworden ist, auch nicht.
MP3-PLAYER
Mit oder ohne? Wie stehen Freiburger Jugendliche zu dem Hören von lauter Musik im Straßenverkehr?
Judith Wiedemann, 21, Studentin: "Es ist sicherlich gefährlich, mit lauter Musik durch die Straßen zu laufen. Deswegen höre ich meine Musik so, dass ich die Geräusche in meiner Umgebung noch wahrnehmen kann. Denn es ist eine Tatsache, dass man sich mit lauter Musik im Ohr willkürlich Gefahren aussetzt. Das Problem ist nur, dass man aus gefährlichen Situationen meistens trotzdem keine Konsequenzen zieht."
Markus Scherer,18, Azubi:"Ich trage eigentlich den ganzen Tag über meine Kopfhörer, egal ob im Bus oder auf der Straße. Dabei achte ich genau so wenig auf den Verkehr wie sonst auch. Meistens ist es für mich ein Zeitvertreib. Wenn ich mit Freunden unterwegs bin, hören wir oft alle ohne Kopfhörer Musik, über unsere Handys."
Darja Springer, 19, Auszubildende: "Mit meinen Kopfhörern höre ich eigentlich immer laute Musik, auch wenn ich dann nichts mehr von meiner Umwelt mitbekomme. Obwohl ich weiß dass es gefährlich ist, höre ich meistens auch beim Fahrradfahren Musik. Jedoch achte ich dann mehr auf Ausfahrten oder Kreuzungen. Außerdem habe ich versucht, das zu reduzieren. Leider klappt das bisher eher schlecht als recht."
Milan, Procyk, 16, Schüler: "Ich höre Musik, wenn ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs bin oder kurze Strecken laufe. Den Gefahrenaspekt habe ich dabei ehrlich gesagt noch nicht so reflektiert. Da meine Ohren schlecht sind, höre ich generell nur laute Musik. Auch beim Fahrradfahren möchte ich nicht darauf verzichten. Aber auch nur weil ich auf dem Land wohne und dort selten Autos unterwegs sind. In der Stadt verzichte ich beim Fahrradfahren grundsätzlich auf Kopfhörer, da mir das einfach zu gefährlich ist."
- Hintergrund: 16-Jährige stirbt bei Straßenbahnunfall in Freiburg
Autor: Simone Lutz, pex/orx
