Freiburg

Trockenheit und Hitze lassen Menschen, Tiere und Pflanzen leiden

Christian Engel

Von Christian Engel

Fr, 27. Juli 2018 um 14:55 Uhr

Freiburg

Es ist heiß, es ist trocken – für viele Menschen, Pflanzen und Tiere ist das ein Problem. Die Stadtgärtnerei gießt wie verrückt, Angler siedeln Fische um, Musiker und Gäste schwitzen beim ZMF. Und auf Regen muss die Stadt wohl weiter warten.

Wetterprognose

Sarah Jäger würde Freiburg gerne eine bessere Prognose stellen, sie kann es aber nicht. Die Mitarbeiterin des Deutschen Wetterdienstes hat beim Niederschlag "wenig Hoffnung" für die nächsten Tage, höchstens am Samstag könnte ein Gewitter für etwas Abkühlung sorgen. "Sonst muss Freiburg wohl mindestens bis Mitte nächste Woche auf Regen warten." Der Tagesdurchschnitt für Juli liegt bei 18,8 Grad, Freiburg ist momentan 2,2 Grad drüber. Beim Niederschlag sind bisher gerade mal 30 Prozent der in einem Juli üblichen 95,7 Liter pro Quadratmeter gefallen.

Gewässer

Den Wassermangel erkennt man dort, wo Wasser eigentlich vorkommt: in Flüssen, Seen und den Freiburger Bächle. Diese sind nahezu ausgetrocknet – was damit zu tun hat, dass von der Dreisam kaum was rüberschwappt. In Ebnet steht der Pegel bei 18 Zentimetern. Bei Null lag er im heißen Sommer 2003 – davon ist man noch einige Zentimeter entfernt. Dennoch schlagen besonders Angler Alarm: Die Fische sind in Gefahr. Simon Maichle und Mitglieder des Angelsportvereins Freiburg (ASV) mussten am Mittwoch ausrücken: Im Eschbach schwammen Fische an der Oberfläche. "Ein schlechtes Zeichen", sagte Maichle. "Dann ist das Endstadium erreicht." Bachforellen, Mühlgroppen und Elritzen sterben reihenweise, weil Bäche austrocknen oder die Fische in den wenigen übrigen Wasserlöchern keinen Sauerstoff mehr bekommen. Die Folge: Mehrere Generationen könnten absterben. "Das erholt sich dieses Jahr mit Sicherheit nicht mehr", sagt Gewässerwart Maichle.



So lange Wasser läuft, ist alles im grünen Bereich. Ansonsten müssen die Angler die Fische umsiedeln, in den Ibentalbach oder in den St. Wilhelmer Talbach. Beim nächsten Hochwasser verteilen sich die Schwärme. Badegäste im Fluss bedeuten laut Simon Maichle zusätzlich Stress für die Fische, die bereits wegen des warmen Wassers und der damit verbundenen Sauerstoffknappheit ans Ende ihrer Kräfte kommen. "Wir hoffen auf Regen, am besten auf tagelangen Regen", sagt Maichle. "Sonst kann es für die Fische fatal enden."

Zeltmusikfestival

Wenn heute Abend Rapper Kontra K und das Duo Schnipo Schranke beim Zeltmusikfestival (ZMF) auftreten, dürfte es richtig heiß werden: Im Zirkus- und im Spiegelzelt gab es noch nie eine Klimaanlage und wird es auch nicht geben. "Das würde vom ökologischen Aspekt her absolut keinen Sinn machen", sagt Hanna Teppe. Die Pressesprecherin des ZMF hat Erfahrungen mit anderen Zeltfestivals gemacht und weiß, dass Klimaanlagen nichts bringen: "Die sind wie ein Tropfen auf den heißen Stein." Stattdessen versuchen die Organisatoren der Hitze mit konventionellen Mitteln entgegenzutreten: mit Lüften. Wenn niemand auftritt, werden die Planen hochgebunden, der nächtliche und morgendliche Wind sorgen für Frische. Die Musiker bekommen Ventilatoren auf die Bühne, für die Gäste gibt’s Wasser, damit der Kreislauf bei hohen Temperaturen nicht schlappmacht.

Getränkelieferanten

Die großen Gewinner der Hitze sind die Getränkelieferanten. Bei Südstar aus March-Hugstetten, das viele Gastronomen in Freiburg beliefert, sei der Verkauf von Wasser deutlich höher als sonst, sagt eine Mitarbeiterin. Auch die Bierbrauerei Ganter findet das Wetter vortrefflich. "Uns macht die Hitze Spaß", sagt Geschäftsführer Detlef Frankenberger mit Blick auf den Umsatz. Von zweistelligen Zuwachsraten im Juni und Juli spricht er, ohne konkrete Zahlen zu nennen. Wassermangel herrscht bei Ganter jedenfalls nicht. Die Brauerei hat vier eigene Tiefbrunnen. "Die sind nicht so schnell leer."