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16. Oktober 2012

Tuba und Dielenknarzen

BZ-PORTRÄT vom multiplen Musikarbeiter Burkhard Finckh.

  1. Burkhard Finckh Foto: Thomas Kunz

Ein Amboss quietscht höchst selten. Eigentlich wird auf einem Amboss geschlagen oder gehämmert. Burkhard Finckh zeigt, dass Geräusche und Töne weit über das Bekannte hinaus erklingen können. In der Sendung "Ambossquietschen" auf Radio Dreyeckland bringt der Jazztrompeter einmal im Monat Ungewöhnliches zu Gehör. Druckergeratter, Wasserplätschern, Kieselsteine, in der Hand geschüttelt – und den jeweiligen Sound als Beats aufgenommen.

Klingt schräg – und ist auch schön schräg. Wie vieles, das der Musikarbeiter Finckh vorlegt. Der 40-jährige Freiburger hat Jazzmusik studiert – liebt aber grundsätzlich alles, was toll tönt. Nichts, das nicht auch Ausgangspunkt für eine musikalische Beforschung werden könnte. Aus dem eigenen zügig kurzen Schritt beim Schlossbergjoggen kann so der Rhythmus für ein frei improvisiertes Beatboxing werden. Aus dem zufälligen Quatschgequieke mit dem Luftballon entsteht nach einiger ernsthafter Arbeit am Flötenton ein Song, die knarzenden Holzdielen im Altbau geben zusammen mit den Holzblasinstrumenten Bassklarinette und Klarinette das Ausgangsmaterial für Lied Nummer sieben auf Finckhs CD "F.O.N.K.": "Aua dieler". Vieles ist Andeutung, Verballhornung, Weiterführung – manchmal ins Absurde.

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Das Spielerische liegt Burkhard Finckh, der feine Witz, der hinter den Tönen schwingt und swingt. Gerne ist er deshalb auch für Theatermusik zu haben – in Freiburg nun schon zum zweiten Mal als Gast beim Weihnachtsmärchen. Hier tritt er als Tubist an, aber auch als Schlagzeuger war er schon auf der Bühne. "Ich bestreite mein Leben und meinen Lebensunterhalt am liebsten mit Musik", sagt er ohne Wichtigtuerei – und fügt gleich an: "Wenn die Musik gerade nicht reicht für Letzteres, fülle ich das gerne auch mit Handarbeit auf, etwa im Gartenbau."

Allerdings ist der Mix seiner musikalischen Arbeiten ohnehin so umfangreich, dass sich kaum Lücken auftun. Als DJ Finckh legt er bei Hochzeiten auf, bei Partys, in Clubs – und zwar am liebsten Funkmusik aus den 70ern oder Balkanbeats. Kurzes Nachdenken: "Auch gerne mal HipHop oder Latin oder was Rockiges. Hauptsache: gut!" Es gibt nämlich, sagt er, gar keine schlechten Musikstile, höchstens schlechte Musik. Für seine Arbeit auch als Playbackmusiker oder als Bandmitglied der Sexxonauten und Jazzer bei Zimbalada ist er anspruchsvoll. Aber wagemutig. Die Collage ist sein Ding, alles was groovig ist – und als Trompetenlehrer gibt er davon auch gerne was weiter.

Am Mittwoch, 17. Oktober, ist Burkhard Finckh um 20 Uhr mit "Ambossquietschen" auf Radio Dreyeckland zu hören. Mehr Infos über ihn unter http://www.worldwidefunk.com
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Autor: lit