Umschläge für E-Mails

Savera Kang

Von Savera Kang

Di, 25. November 2014

Freiburg

Der Chaos-Computer-Club zeigt bei einer Cryptoparty, dass Verschlüsselung recht einfach ist.

Dass es keines Informatikstudiums bedarf, um seine tägliche Kommunikation zu verschlüsseln, zeigte der Chaos-Computer-Club (CCC) Freiburg im Rahmen des neunten Festivals Politik im Freien Theater bei einer "Cryptoparty": Hier sollen auch Laien lernen, was nötig ist, um privaten Austausch tatsächlich privat zu halten.

Wer eine Postkarte verschickt, der weiß, dass sie durch viele Hände gehen wird, ehe sie den Empfänger erreicht. Das ist einkalkuliert man ein, wenn die Texte verfasst werden, und so sind Postkarten eine zuverlässige Fundgrube für Floskeln und Belanglosigkeiten. Intime Mitteilungen bekommen einen Umschlag. Oder werden per E-Mail versandt: Über das Internet, von A nach B ohne Umwege. So dachte der durchschnittliche Internetnutzer, doch seit den Enthüllungen Edward Snowdens im Sommer des vergangenen Jahres ist Gewissheit, wovon IT-Experten schon länger warnten: Emails werden abgefangen, mitgelesen und in einigen Fällen sogar verändert, bevor sie im Postfach des Empfängers eintrudeln.

Dass es auch für elektronische Briefe digitale Umschläge gibt, ist seit der NSA-Affäre auch bekannt. Und viele E-Briefschreiber würden von den Möglichkeiten auch gerne Gebrauch machen – wenn es nur nicht so kompliziert wäre. Der CCC sieht sich hier in der Verantwortung und zeigt auf sogenannten Cryptoparty, bei denen die Besucher ihre eigenen Rechner mitbringen, dass die Mail-Verschlüsselung kein Buch mit sieben Siegeln sein muss.

Zum Einstieg dient eine schauspielerische Einlage: Drei Herren stellen sich vor als "A wie Anton", "B wie Bob oder Bert, heute Brian" und "der böse Martin". Dass die Namen Pseudonyme sind, hat einen guten Grund, denn so sind sie besser ansprechbar. Anton schickt Brian eine Nachricht, der böse Martin fängt sie ab, liest mit, verändert ihren Inhalt und gibt sich im letzten Beispiel sogar als Anton raus, der Brian per Mail um Geld bittet. Die Geschichten sind anschaulich und kommen fast ohne Fachtermini aus, sodass die Zuschauer plötzlich verstehen, was alles möglich ist und auch praktiziert wird.

Doch Anton und Brian müssen sich das nicht gefallen lassen: Sie schicken dem jeweils anderen ein kleines Schloss mit, zu dem nur sie den Schlüssel haben. Nun können sie sich jeweils Nachrichten schicken, die nur der Empfänger öffnen kann. Von außen sehen sie aus wie eine willkürliche Buchstabenfolge. Und sie signieren ihre Mails mit Unterschriften, die sie miteinander abgeglichen haben. So können sie sicher sein, dass die Nachricht auch wirklich vom angegebenen Absender stammt.

Wie das funktioniert wird im praktischen Teil gezeigt: Schritt für Schritt führen die Veranstalter die Laien durch die Installation kleiner Programme, die ihnen in Zukunft ihre Privatsphäre zurückgeben sollen. Die ersten Schlösser werden untereinander versandt, darauf folgen die ersten verschlüsselten E-Mails und eine Teilnehmerin der Party ruft erfreut aus: "Das ist ja ganz einfach!" Die Erleichterung darüber, dass nach dem ersten Schlüsseltausch alles funktioniert, wie zuvor, ist merklich. Verschlüsselung ist alltagstauglich, das nehmen die Teilnehmenden mit. Und ihren ganz eigenen Schlüssel.

Weitere Cryptopartys:10. Februar und 10. Mai 2015 beim CCC Freiburg.

Mehr Infos unter

http://cccfr.de/