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27. September 2010 15:40 Uhr

Urteil

Umstrittener Physiker darf Doktortitel behalten

Der unter Fälschungsverdacht stehende Physiker Jan Hendrik Schön darf seinen Doktortitel vorerst behalten. Die Universität Konstanz hätte ihm den Titel nicht entziehen dürfen, entschied das Verwaltungsgericht Freiburg in einem am Montag verkündeten Urteil.

  1. Jan Hendrik Schön Foto: Thomas Kunz

Die Uni hatte Schön wissenschaftliches Fehlverhalten vorgeworfen und ihm den selbst verliehenen Doktortitel weggenommen, als die Fälschungsvorwürfe publik wurden. Schön sei unwürdig, einen Doktortitel zu tragen, so die Hochschule. Das reiche als Begründung für eine solche Maßnahme aber nicht aus, entschieden die Freiburger Richter. Sie gaben damit dem Wissenschaftler Recht, der gegen die Begründung geklagt hatte.

Der Entzug des 1997 vergebenen Doktortitels ist laut Urteil unverhältnismäßig und nicht zulässig. Eine solche Maßnahme stelle für den Betroffenen einen schwerwiegenden Eingriff in seine Grundrechte dar. Sie sei nur möglich zum Schutz gewichtiger öffentlicher Interessen. Dies sei hier nicht der Fall.

Die Universität hatte Schön den Titel im Juni 2004 entzogen und dies mit dessen spektakulären Fälschungen in einem amerikanischen Forschungslabor begründet. Eine internationale Untersuchungskommission war 2002 zu dem Ergebnis gekommen, Schön habe in 16 von 24 untersuchten Fällen Daten manipuliert. In Schöns Doktorarbeit wurden von der Uni Konstanz daraufhin offenbar gezielte Veränderungen von Daten und Messkurven festgestellt, dies jedoch nicht als wissenschaftliches Fehlverhalten gedeutet. Schön galt vor dem Skandal international als Top- Forscher. Zu dem Prozess in Freiburg war er persönlich erschienen, obwohl das nicht notwendig gewesen wäre.

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Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Das Gericht hat die Möglichkeit der Berufung vor dem Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Mannheim zugelassen. Die Universität Konstanz überlegt noch, ob sie davon Gebrauch machen soll: "Wir werden die Gründe für die Entscheidung des Gerichts genau prüfen und über das weitere Vorgehen entscheiden," kündigte Rektor Ulrich Rüdiger am Montag an. Schließlich geht es um höhere Werte: Mit dem Entzug des Doktorgrades sieht sich die Uni Konstanz laut Rüdiger als Verteidiger der "unabdingbare Prinzipien der exakten Naturwissenschaften".

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Autor: Michael Brendler, dpa