Neues Rathaus eröffnet erst im Herbst

Uwe Mauch

Von Uwe Mauch

Mi, 15. Februar 2017

Freiburg

Neuerliche Verzögerung wegen technischer und organisatorischer Probleme / Stadtverwaltung spricht von "Reaktionskette".

Jetzt ist es gleichsam amtlich: Der Bezug des neuen Rathauses verschiebt sich in den Herbst und damit um ein Jahr. Die städtischen Projektleiter machen dafür technische und organisatorische Probleme der beteiligten Firmen und Planer verantwortlich. Der Rahmen des Budgets sei vermutlich zu halten, wenngleich knapp.

Die neuerliche Verzögerung hatte sich bereits angedeutet. Ursprünglich sollte im vergangenen November Einzug sein. Neuer Termin war bisher der April. Doch Anfang Februar wackelte der neue Zeitplan bereits bedenklich, obschon der Projektbeauftragte Gerold Wißkirchen noch die Hoffnung hatte, dass die große Ämterrochade wie geplant beginnen könnte (die BZ berichtete). Damit wird es nun definitiv nichts. Der neue Fahrplan sieht vor, dass von Ende Mai an die ersten Behörden in die oberen Etagen ziehen, sagte Wißkirchen am Dienstag gegenüber der BZ. Das Erdgeschoss und Teile des ersten Stockwerks, in denen der Bürgerservice einziehen soll, werde erst im Herbst bezugsfertig. Auf einen genaueren Termin könne er sich nicht festlegen. "Die Probleme mit der Decke sind noch nicht abschließend geklärt."

Die komplexe Kühldecke ist ein Grund für die Verzögerung

Diese technisch aufwändige Kühldecke ist laut Manuela Riesterer vom städtischen Gebäudemanagement eine der Hauptursachen für die Verspätung. Hochkomplex sei sie, weil die gesamte Haustechnik mit Beleuchtung, Sprinkleranlage und Lautsprecher darin unterzubringen ist, erklärt die Architektin. Derzeit werde die Unterkonstruktion hergestellt. "Ein Verwaltungsgebäude mit Plusenergiestandard ist Hightech."

Handwerker und Planer hat das nach Darstellung der städtischen Steuerer ins Schleudern gebracht. "Die Planung wurde nicht rechtzeitig freigegeben, die Firmen fühlten sich behindert und behinderten ihrerseits", sagt Manuela Riesterer. Das habe eine "Reaktionskette" in Gang gesetzt. Das federführende Düsseldorfer Büro von Stararchitekt Christoph Ingenhoven habe wohl die "Abhängigkeiten und das Zusammenspiel zu optimistisch eingeschätzt". "Ob und welche Konsequenzen das hat, werden wir prüfen", sagt Gerold Wißkirchen. Um Vertragsstrafen durchzusetzen, brauche es einen klaren Schuldigen. "Wir sichern unsere Ansprüche rechtlich ab." Für Architektin Riesterer geht es jetzt vorrangig darum, das Gebäude fertig zu stellen. Die neuen Termine zu verhandeln, sei durch die gute Konjunktur in der Baubranche erschwert worden.

Im ersten Oval an der Fehrenbachallee sollen 850 Arbeitsplätze untergebracht werden. Die Kosten liegen bei 80 Millionen Euro. Diesen Rahmen will Wißkirchen halten, auch wenn es eng werde. "Wenn man länger baut, wird es immer teurer." Zudem wirkt sich die Verzögerung auf die Mietverhältnisse aus. Einige Ämter, die ins neue Riesenrathaus ziehen sollen, sind derzeit in angemieteten Räumen untergebracht und müssen dort länger bleiben. Das gilt vor allem fürs städtische Ordnungsamt und seinen Bürgerservice in der Basler Straße 2. Das Gebäude ist an das Studierendenwerk verkauft worden. Der Erlös soll das neue Rathaus mitfinanzieren.

Einweihung erst, wenn der Bürgerservice eingezogen ist

Ein Einweihungsfest soll es erst geben, wenn der Bürgerservice – als wichtigste Anlaufstelle für die Freiburger – tatsächlich eingezogen ist. Im Herbst soll es laut Wißkirchen so weit sein. Ob im sommerlichen September oder im winterlichen Dezember – darauf will er sich noch nicht festlegen.

Der Grundstein für das neue Rathaus war vor zwei Jahren gelegt worden. Für den zweiten Baukörper mit 800 Arbeitsplätzen hat der Gemeinderat bereits 3,8 Millionen Euro für die Planung freigegeben. Sie sind in den hochgerechneten Kosten in Höhe von rund 72 Millionen Euro enthalten. Doch vor wenigen Monaten wurde klar, dass der Gebäudekomplex zu klein sein wird, weil die Verwaltung ihr Personal aufgestockt hat und weiter aufstocken wird.