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28. Juni 2011

Unbürokratisch helfen

Der Verein "Familien in Not" unterstützt bei schwerer Krankheit.

KAPPEL. Der Freitag soll ein fröhlicher Tag werden, kein trauriger. Auch wenn es der Tag ist, an dem Marius Muselewski vor einem Jahr gestorben ist – mit 13 Jahren. Während seiner acht Monate dauernden Krebserkrankung hatten er und seine Eltern den Verein "Familien in Not" (Fin) gegründet. Seitdem unterstützen derzeit 40 Vereinsmitglieder Familien, deren Leben sich schlagartig ändert, weil ein Kind oder Elternteil schwer krank wird oder stirbt. Ein Schüler-Staffellauf an Marius’ Todestag soll dazu beitragen, dass noch mehr Hilfe möglich wird.

Marius war ein begeisterter Sportler: Ein paar Monate, bevor sein Tumor im Rückenmark festgestellt wurde, war er bei der Laufnacht Vierter geworden. Da passt ein Staffellauf gut. Vor allem aber soll er Mut machen und unbürokratisch Unterstützung vermitteln, die Familien brauchen, wenn sie mit einer schweren Krankheit irgendwie klarkommen müssen. Unter anderem hat "Fin" in den vergangenen Monaten einer türkischen, an Krebs erkrankten Mutter von zwei Kindern einen Dolmetscher für eine Psychotherapie organisiert. Und bei einer Familie mit fünf Kindern, deren Vater Lungenkrebs hat, konnte mit der Finanzierung der Mietschulden eine Räumungsklage verhindert werden. So erschreckend es ist: Gerade in ohnehin schwer erträglichen Situationen müssen sich viele mit teils unüberwindbar scheinenden bürokratischen Hürden herumschlagen. Auch die Muselewskis haben mit Marius erlebt, dass schwer Kranke um jedes Hilfsmittel kämpfen und immer wieder neu Geduld haben müssen. Manchmal ist es dann zu spät – zum Beispiel, als eine halbe Stunde nach Marius’ Tod die Krankenkasse anrief und den zwei Monate vorher beantragten Treppensteiger genehmigte. Sigrid Muselewski hat in jener Zeit gelernt, "zu kämpfen wie eine Löwin".

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Diese Erfahrungen gibt sie jetzt an andere weiter, darunter sind viele, die allein nicht genug Kraft hätten. Die "Fin"-Mitglieder wollen aber nicht nur finanziell und mit wertvollen Infos helfen, sondern vor allem da sein und zuhören. Und das auch dann, wenn ein Kind gestorben ist und Isolation droht. In dieser Gefahr waren auch die Muselewskis nach Marius’ Tod – trotz ihres großen Freundeskreises. Denn einige konnten zwar gut mit Marius’ Sterben umgehen, zogen sich aber nach seinem Tod dann doch plötzlich hilflos zurück. Diese Distanz zwischen Trauernden und ihren Freunden, die Angst haben und unsicher sind, möchte Sigrid Muselewski mildern. Sie geht mit gutem Beispiel voran: Statt auf Rückzug setzt sie auf das Zugehen auf andere.

Marius-Gedächtnislauf: Schüler-Staffellauf am Freitag, 1. Juli, 18 Uhr, für Teilnehmer ab 16.30 Uhr, Sportplatz des SV Kappel. Startgeld 5 Euro. http://www.fin-freiburg.de

Autor: anb