Sparprogramm

Uni-Klinik Freiburg will offenbar noch mehr Stellen streichen

Michael Brendler

Von Michael Brendler

Fr, 08. Februar 2013 um 20:08 Uhr

Freiburg

Der geplante Stellenabbau an der Uni-Klinik ist größer als von der Verwaltung bislang eingeräumt. Bekannt wurde, dass der Kaufmännische Direktor offenbar Boni erhält, wenn die Rendite stimmt.

Das Pflegebudget soll nicht nur um drei Prozent gekürzt werden, um die Finanzierung der Klinik zu sichern. Es soll zudem die Tariferhöhungen in diesem Jahr auffangen. Kräftig gestrichen wird nach Angaben des Personalrats auch bei den Ärzten. Gleichzeitig wurde bekannt, dass der Kaufmännische Direktor Reinhold Keil profitiert, wenn die Klinik einen Überschuss erzielt: Sein Vertrag sieht in diesem Fall Bonuszahlungen vor.

Bisher war die Uni-Klinik Freiburg mit öffentlichen Aussagen zurückhaltend. Drei Prozent wolle man im Bereich Pflege kürzen – dem aktuellsten Jahresbericht zufolge entspräche das 87 von 2900 angestellten Pflegern und Krankenschwestern auf 1800 Vollzeitstellen. Doch laut BZ-Informationen plant der Klinikvorstand noch umfassendere Kürzungen. Der Wirtschaftsplan fürs laufende Jahr, der nicht öffentlich ist, verlangt von Pflegedirektorin Beate Buchstor, in ihrem Personaletat zusätzlich auch noch die zu erwartenden Lohnsteigerungen aufzufangen. Sie müsste, optimistisch geschätzt, noch einmal zwei Prozent ihres Personalbudgets einsparen: 58 Pflegekräfte.

Der Wirtschaftsplan sei lediglich ein "theoretisches Konstrukt", sagen Reinhold Keil und der Ärztliche Direktor Rüdiger Siewert. Trotzdem führe an dessen Ziel einer dreiprozentigen Rendite – das würde einen Überschuss von mehr als 15 Millionen Euro bedeuten – kein Weg vorbei. Weil höhere Einnahmen nicht zu erwarten seien, müsse gespart werden, um Fehlentwicklungen in der Krankenhausfinanzierung auszugleichen.

Der Personalrat hat inzwischen die konkreten Einsparanweisungen zusammengetragen, die das Büro der Pflegedirektorin an die einzelnen Stationen geschickt hat: Danach wären 100 Pflegekräfte betroffen, deren befristete Verträge nicht verlängert oder die versetzt werden sollen. Hingegen hält der Klinikvorstand nur 2,2 Prozent Minus für ein "realistisches Einsparpotential", ohne jedoch von dem Gesamtsparziel fünf Prozent im Pflegebereich abzurücken. Diese Widersprüche können Keil und Siewert auch auf Nachfrage nicht auflösen.

Der Rotstift soll auch bei den Ärzten angesetzt werden: Mit einer Einsparung von 8,5 Millionen Euro, das entspricht 79 Facharztstellen, rechnen die Arbeitnehmervertreter. Der Vorstand indes lässt verlauten, jede Abteilung sei selbst dafür zuständig, wie viele Medizinerverträge sie nicht verlängere oder wo sie das Geld stattdessen einspare. Festgelegt sei allein eine Kürzung von drei Prozent für das gesamte Budget jeder einzelnen Klinik.

Auf die Frage, warum das Wissenschaftsministerium im Aufsichtsrat diese Sparpläne abgesegnet hat, bleibt die grüne Ministerin Theresia Bauer eine klare Antwort schuldig: "Dies dient der Zukunftssicherung des Universitätsklinikums bei außerordentlich schwierigen Rahmenbedingungen", teilt ihre Pressestelle mit.

Nach BZ-Informationen hat man im Ministerium sogar die Voraussetzung dafür geschaffen, dass sich das Sparen zumindest für den Kaufmännischen Direktor Reinhold Keil lohnen könnte. Sein Arbeitsvertrag honoriert das Erreichen bestimmter Renditeziele in Form von Boni, die sieben Prozent seiner Gesamtvergütung ausmachen können – laut Ministerium durchaus üblich.

Das Klinikum der Universität umfasst 14 Kliniken und ist eine Anstalt des öffentlichen Rechts. Das Stuttgarter Wissenschaftsministerium hat die Rechtsaufsicht. Das Haushaltsvolumen betrug laut Jahresbericht 2011 – einen aktuelleren gibt es nicht – rund 570 Millionen Euro, davon 364 Millionen Euro fürs Personal (111 Millionen Euro für den Pflegedienst). Die Uni-Klinik hat mehr als 8000 Beschäftigte.
Die Uni-Klinik

Das Klinikum der Universität umfasst 14 Kliniken und ist eine Anstalt des öffentlichen Rechts. Das Stuttgarter Wissenschaftsministerium hat die Rechtsaufsicht. Das Haushaltsvolumen betrug laut Jahresbericht 2011 – einen aktuelleren gibt es nicht – rund 570 Millionen Euro, davon 364 Millionen Euro fürs Personal (111 Millionen Euro für den Pflegedienst). Die Uni-Klinik hat mehr als 8000 Beschäftigte.

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