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25. Februar 2013 19:00 Uhr

Nahverkehr

VAG kauft Trams bei spanischem Hersteller

Sie rollen durch Lissabon und Bilbao, bald durch Sydney – und spätestens 2015 auch durch Freiburg: Die neuen Niederflurbahnen, die die Verkehrs-AG bestellt hat, kommen aus Spanien. Sie gelten als leise und elegant.

  1. Auch Freiburgs Partnerstadt Besançon ist Kunde beim spanischen Unternehmen CAF, beim dem die Freiburger Verkehrs AG zwölf Trams bestellt hat. Foto: Hersteller

Im Rahmen einer europaweiten Ausschreibung für zwölf neue Niederflur-Straßenbahnen hat sich die VAG entschieden. Nach BZ-Informationen liefert der spanische Hersteller CAF die Trams. Das Unternehmen aus dem Baskenland hat mehr als 100 Jahre Erfahrung im Bau von Schienenfahrzeugen und war einer von vier Herstellern, die ein Angebot abgegeben haben. Aktuell hat Construcciones y Auxiliar de Ferrocarriles (CAF) eine breite Palette vom Hochgeschwindigkeitszug AVE bis zu den Straßenbahnen vom Typ Urbos im Programm.

Derzeit wird die dritte Generation der Urbos-Niederflurtypen hergestellt. Ähnlich wie der Combino von Siemens handelt es sich beim Urbos um ein Modulfahrzeug, das in verschiedenen Spur- und Wagenbreiten zu Fahrzeugen von 23 bis 43 Metern Länge für Ein- oder Zweirichtungsbetrieb zusammengesetzt werden kann. Im Unterschied zum Combino mit seiner starren Radaufhängung fährt der Urbos trotz einer durchgehenden Niederflurhöhe von nur 35 Zentimetern auf Drehgestellen.

Tram kann 1,4 Kilometer ohne Oberleitung fahren

Diese klassische Technik für Schienenfahrzeuge, die im Zuge der Bemühungen um möglichst niedere und behindertenfreundliche Einstiege etwas "aus der Mode" gekommen war, schont nicht nur Fahrzeug und Schienen, sondern erfreut auch Passagiere und Fahrer mit einer weitaus angenehmeren, weniger ruckartigen und leiseren Fahrweise. Weshalb etliche Hersteller versuchen, die Niederflurtechnik mit Drehgestellen zu verbinden, gelegentlich auf Kosten des durchgehenden Niederflurbodens.

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CAF-Stadt- und Straßenbahnen fahren nicht nur auf der Iberischen Halbinsel zwischen Málaga, Lissabon und Bilbao, sondern in vielen Ländern Europas, in den USA und demnächst auch in Sydney. Freiburgs Partnerstadt Besançon hat 19 der eleganten Urbos bestellt, die demnächst geliefert werden. Eine Besonderheit des baskischen Herstellers ist die Möglichkeit, die Fahrzeuge mit einem ACR genannten Energiespeicher auszustatten. Hinter dem Begriff "Acumulador de Carga Rápida" verbirgt sich eine Technik, die es ermöglicht, Strecken von bis zu 1,4 Kilometern ohne Oberleitung zurückzulegen. Die notwendige Energie lädt die Bahn binnen 20 Sekunden im Haltestellenbereich und beim Bremsen in Kondensatoren und Batterien. Die Energieeinsparung gibt der Hersteller mit 30 Prozent an. Installiert wurde das System bereits in Málaga, Saragossa und Sevilla – in Sevilla wegen der Semana-Santa-Prozession.

Erste deutsche Stadt mit Urbos-Bahnen

Freiburg wird die erste deutsche Stadt mit Urbos-Bahnen, nicht aber die erste Stadt mit einer Straßenbahn aus Spanien. Tramlink-Bahnen des deutsch-spanischen Herstellers Vossloh aus Valencia rollen bereits in Rostock. Die Freiburger Bahnen, die voraussichtlich 2015/16 geliefert werden, werden wie der Combino 43 Meter lang, sind Zweirichtungsfahrzeuge mit einem Fahrerstand auf jeder Seite, haben einen siebenteiligen Wagenkasten und vier Drehgestelle mit acht Achsen.

Das ACR-System für oberleitungsfreie Abschnitte kommt für Freiburg nicht in Frage. Auf den entsprechenden Strecken, etwa der Neubaustrecke über den Rotteckring, könnten nur die zwölf Urbos eingesetzt werden, was den Betrieb insgesamt und den Einsatz der übrigen Fahrzeuge beschränken würde. Die Beschaffung der zwölf Urbos 3 ist für die Streckenerweiterung Zähringen und zur Messe sowie als Ersatz für die GT 8 K aus dem Jahr 1981 notwendig, die sich zwar als die solidesten VAG-Fahrzeuge der vergangenen 30 Jahre erwiesen haben und derzeit wegen der sanierungsbedingten Ausfälle der nicht einmal 20 Jahre alten GT 8 Z verstärkt eingesetzt werden, aber kein Niederflurabteil haben.

Da die Verträge noch nicht unterschrieben sind und wohl noch der Einspruch eines Mitbewerbers möglich wäre, wollte sich die VAG zum Kauf und zum Preis nicht äußern. Er dürfte zwischen 30 und 35 Millionen Euro liegen.

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Autor: Rolf Müller