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15. September 2010

Verlängerung für "Kommando Rhino"

Stadt verschiebt den für Mai 2011 geplanten Baubeginn für das Eingangsgebäude im Stadtteil Vauban / Unmut im Quartier .

  1. Die Wagenburg „Kommando Rhino“ kann sich noch etwas länger als geplant im Quartier Vauban häuslich einrichten. Foto: Thomas Kunz

"Wagenplätze überall!", fordert ein Transparent am Eingang zum Stadtteil Vauban, wo seit letztem Sommer die Wagenburgler vom "Kommando Rhino" wohnen. Sie können nun wohl länger bleiben als gedacht: Gestern verschob die Stadt den dort für Mai 2011 geplanten Baubeginn eines Wohn- und Geschäftshauses wegen "Wirtschaftlichkeitsfragen". Bereits jetzt gibt es neben Unterstützung aber auch Unmut im Viertel über die Besetzung.

Die Sonne scheint auf die Bretterzäune der Wagenburg, nebenan stehen Stühle vorm Eiscafé "Limette". Kitty Weis ist trotz der Idylle sauer: "Die Rhinos haben ihre Taktik geändert." Am Anfang sei von einer kurzen Besetzung für mehr Bürgerbeteiligung die Rede gewesen. Heute hingen Plakate mit Sprüchen wie "Mein Wagen braucht Gesellschaft" am Zaun. "Die Tonlage ist schärfer geworden", findet Weis, die ihre Kritik auch in einem Leserbrief an den Sonntag äußerte – und dafür nach eigener Aussage viel Unterstützung bekam.

Weis hat die Wagenburgler im letzten Herbst für das Stadtteilmagazin "Vauban actuel" interviewt. "Es sind die ordentlichsten Besetzer, die wir je hatten", findet sie – und trotzdem: "Die Wagen sind die größten Dreckschleudern, das ist nicht gerade präsentabel am Eingang zu einem Öko-Stadtteil." Richtig wütend aber habe sie die Weigerung gemacht, eine Baufirma für Probebohrungen auf das Gelände zu lassen (die BZ berichtete): "Die spielen sich wie die Gutsherren auf – dabei stehen sie unberechtigt da."

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Das hat auch Annette Schubert geärgert, die persönliche Referentin des Oberbürgermeisters: "Wir waren sehr überrascht, dass die Besetzer ihre kooperative Haltung aufgekündigt haben." Der Stadtbau als Eigentümerin müsse es möglich sein, die Bauarbeiten durch Bohrungen vorzubereiten. Das sei die Voraussetzung für eine weitere Duldung. Durch die Verschiebung der Bauarbeiten liegt der Konflikt aber erstmal auf Eis: Die Bohrungen fänden "nicht mehr in diesem Jahr" statt, sagt Stadtsprecherin Petra Zinthäfner, entsprechend verschieben sich die weiteren Arbeiten auf unbestimmte Zeit. Sie rechnet mit einem Baubeginn nach der Sommerpause 2011. Gibt es keine weiteren Konflikte, können die Wagenburgler wohl so lange bleiben.

In deren Augen hat sich das Verhältnis zu den Anwohnern nicht verschlechtert. "Natürlich gibt es positive und negative Stimmen", sagt ein Platz-Bewohner. "Aber die gab es schon immer." Erst vor wenigen Tagen hätten Nachbarn eine Ladung altes Holz vorbei gebracht. Im Café des "Kommando Rhino" läuft leise Musik, ein zweiter Bewohner kommt dazu. "Die Nachbarschaft weiß, dass sie mit uns reden kann", sagt er. "Wenn es mal Probleme zum Beispiel mit der Lautstärke gibt, lernen wir damit umzugehen." Die 30 Besetzer seien aktiv auf der Suche nach Grundstücken und hofften auf weitere Gespräche mit der Stadt. Von der Baufirma sei man überrumpelt worden; prinzipiell habe man nichts gegen die irgendwann anstehenden Probebohrungen, versichern beide.

Schon vor Verschiebung des Baubeginns hatte die Gemeinderatsfraktion der Freien Wähler verkündet, die "Toleranz der Anwohner" sei "offensichtlich allmählich ausgeschöpft". Aber so eindeutig ist die Stimmung nicht. "Mein Eindruck ist, dass die Leute hier die Besetzung interessiert beobachten und die Grundidee gut nachvollziehen können", sagt Michèl Ehinger, der neben einem Kinderwagen beim Spielplatz sitzt: "Ich hoffe, dass die Stadt oder jemand Privates einen Platz zur Verfügung stellt." Eine Mutter stimmt spontan zu: "Irgendwo im großen Freiburg wird es ja wohl ein Plätzchen geben", sagt sie und ergänzt: "Es ist gut, dass die Wagenburg das bevorzugte Vauban ein bisschen aufmischt." Eine junge Frau, die nebenan ihren Briefkasten leert, findet die Besetzer "nett und friedlich".

Kritischer ist eine Frau, die gerade mit ihrer Tochter nach Hause kommt: "Die Besetzer kümmern sich zunehmend um ihre Privatsphäre und bauen das Grundstück immer weiter zu", sagt sie. "Aber das ist nun mal kein privater Raum." Es sei in Ordnung, sich für die eigenen Interessen einzusetzen. Aber die Wagenburgler sollten sich lieber ein Finanzierungsmodell für einen eigenen Platz überlegen "statt nur zu fragen: Wo bitte ist das Manna, das vom Himmel fällt?"

Auf die Kritik aus dem Viertel haben die Besetzer übrigens bereits reagiert: Seit der Leserbrief von Kitty Weis die Runde machte, hängt ein neues Transparent über dem Platz: "Hello Kitty!", steht darauf, "Kommando Rhino loves you."

Autor: Thomas Goebel