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16. Dezember 2011 14:31 Uhr

Widerstand

Bauprojekte in Freiburg: Initiativen wollen künftig kooperieren

Mehrere Bürgerinitiativen, die sich gegen Bauprojekte in ihrer Nachbarschaft wehren, wollen sich zusammenschließen. Erste Treffen haben bereits stattgefunden. Bürgervereine beobachten diese Entwicklung mit Sorge.

  1. Eine Initiative fordert die Sparkasse auf, keinen Neubau in der Innenstadt zu errichten. Foto: Treubau, SBB, Sparkasse

"Es ist gut, nicht nur den eigenen Stadtteil zu sehen", sagt Kerstin Langosch von der "BI für den Erhalt der Pferdewiesen" in Herdern. Die etablierten Bürgervereine indes sehen die neue Kooperation durchaus mit Skepsis. Es handle sich um kleine Gruppen mit speziellen Interessen, sagt Ernst Lavori vom Dachverband. Und Baubürgermeister Martin Haag erwartet erhöhten Aufwand für seine Verwaltung.

"Profitorientierte Nachverdichtung" möchte Kerstin Langosch verhindern. Und zwar in Sichtweite. Seit rund vier Jahren kämpft sie dagegen, dass die sogenannten Pferdewiesen unterhalb der Sonnhalde mit Luxuswohnungen bebaut werden. Das hat auch schon zu Zoff im Bürgerverein Herdern geführt, der inzwischen das Vorhaben ebenfalls ablehnt (di BZ berichtete mehrfach). Trotzdem möchte die Initiative, die eigenen Angaben zufolge 4000 Unterschriften gesammelt hat, den Widerstand nicht beim Bürgerverein belassen. "Eine BI kann radikaler vorgehen", sagt Kerstin Langosch, ein Bürgerverein hingegen könne sein gutes Verhältnis zur Stadtverwaltung und zum Gemeinderat nicht gefährden.

In Freiburg haben sich in jüngster Vergangenheit gleich mehrere Bürgerinitiativen gegründet: In Zähringen gegen das Großprojekt "Zähringer Turm" sowie gegen die Bebauung der "Höhe", in Mooswald gegen eine Flutlichtanlage im Seeparkstadion und in Betzenhausen-Bischofslinde gleich zwei gegen das Baugebiet "Tränkematten": Eine lehnt das Maß der Bebauung ab, eine andere fürchtet, die geplante Baustraße durch das Gelände des Vereins "Bauernhoftiere für Stadtkinder" zerstöre das ökologische Gleichgewicht. Vertreter dieser Initiativen verständigten sich vergangene Woche auf gemeinsames Vorgehen: informativer Austausch, gegenseitige Unterstützung, gebündeltes Know-how.

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Damit, so Kerstin Langosch, sollen die Initiativen eine höhere Schlagkraft bekommen und den Druck auf Politik und Verwaltung erhöhen. Erste gemeinsame Aktion war die Demo am Sonntag auf den Pferdewiesen. Zur Sitzung des Bau-Ausschusses am 18. Januar sind die Aktivisten aufgerufen, die Bürgerinitiativen Tränkematten und "Plan B" (Höhe in Zähringen) zahlreich zu unterstützen.

Die neue Vernetzung bürgerlichen Widerstands hält Baudezernent Martin Haag für "legitim". Die Initiativen brächten inzwischen immer schon Rechtsanwalt, Biologen und Physiker mit: "Das erhöht natürlich die Anforderungen an die Stadtverwaltung." Für ihn hat das auch zur Folge, "dass wir noch transparenter, noch überzeugender werden müssen." Und zwar in jedem Einzelfall, wie Haag betont. Denn außer dem großen Schlagwort von der Nachverdichtung verbinde die einzelnen Initiativen nicht viel. "Wir müssen aufpassen, dass in der Stadt noch etwas bewegt werden kann."

Ernst Lavori, stellvertretender Vorsitzender des Bürgervereins Mooswald und Vorsitzender der "Arbeitsgemeinschaft Freiburger Bürgervereine" (AFB), beobachtet mit Sorge, dass sich in jedem Stadtteil eine Initiative gründet, sobald eine geplante Nachverdichtung bekannt wird. "So eine Entwicklung können wir nicht begrüßen", sagt er als Sprecher des Dachverbands der Bürgervereine.

In einem Gespräch mit den Aktivisten habe der AFB-Vorstand zwar Tipps und Unterstützung signalisiert, eine Solidarisierung sei aber nicht möglich. Er empfiehlt den Initiativen, sich in den Bürgervereinen zu engagieren. Denn oft handle es sich um protestierende Laien, die die Spielregeln nicht kennen. "Alleine landen sie in der Sackgasse." Allerdings macht Lavori auch klar: "Ein Bürgerverein muss möglichst für den ganzen Stadtteil sprechen und nicht nur für Anwohner einer Wiese."

Weitere BIs haben sich gegründet gegen die Erweiterung der Hauptfeuerwache (Haslach), gegen den begonnenen Sparkassen-Neubau an der Kaiser-Joseph-Straße (Innenstadt) und erfolglos gegen den Abriss des "Hirschen" (Günterstal).

Autor: Uwe Mauch