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23. Juni 2014

Serie: Wiedersehen!

Vor 125 Jahren wurde der Roßkopfturm eingeweiht

WIEDERSEHEN! Vor 125 Jahren wurde der Roßkopfturm eingeweiht, den die Eisengießerei Philipp Anton Fauler hergestellt hat.

  1. Freiburg, Rosskopfturm, historisch Foto: Archiv Hans Sigmund

  2. Freiburg, Rosskopfturm, historisch Foto: Archiv Hans Sigmund

  3. Freiburg, Rosskopfturm,150 Jahre Foto: Hans Sigmund

HERDERN. Am Mittwoch, 12. Juni, feierte eine fröhliche Schar von Wanderern und Mountain-Bike-Fahrern zusammen mit Bürgermeisterin Gerda Stuchlik die Einweihung des Roßkopfturmes vor 125 Jahren. Genau genommen war dies 18 Tage zu früh, denn das exakte Datum war Samstag der 1. Juli 1889.

Laut der "Freiburger Zeitung" trafen sich an diesem Tag nachmittags mehr als 200 Personen, um vom Kanonenplatz aus über die untere und obere Roßkopfstufe den Herdermer Hausberg zu erklimmen, an dessen Fuße der durch den Ortskern fließende Glasbach entspringt. Statt strahlendem Sonnenschein wie im Jahr 2014 hingen damals schwere Gewitterwolken am Himmel, die sich während des Aufstiegs mit Blitz und Donner kräftig entluden. So wurde die große Schar immer kleiner, die Übriggebliebenen erreichten schließlich vollkommen durchnässt aber "in trotzig-froher Feststimmung" das Ziel. Anlass war die Einweihung des "aufs schönste verzierten" stählernen Aussichtturms auf dem Gipfel des 737 Meter hohen Randberges zur Rheinebene zwischen Dreisam- und Glottertal. Der Turm, den man auf den Namen des damaligen badischen Großherzogs Friedrich der Erste taufte, wurde durch Spenden des Schwarzwaldvereins finanziert und in Erinnerung an das 25-jährige Bestehen dieser Organisation errichtet.

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Deren Gründung erfolgte am 8. Juni 1864 durch sieben Gastwirte aus Freiburg als "Badischer Verein von Industriellen und Gastwirten" im Renz’schen Felsenkeller (heute Schlossbergring 15). Das ehemalige Gasthaus befindet sich seit 1996 im Eigentum des Schwarzwaldvereins. Der erste Präsident war damals Gustav Rehfuß. Angeblich traten bei der Gründung bereits 66 Personen dem Verein bei.

Hergestellt und errichtet hatte den mehr als 34 Meter hohen Stahlturm auf dem Roßkopf die Firma Philipp Anton Fauler, die in Freiburg am südlichen Arm des Gewerbekanals in der Wilhelmstraße 5 seit 1864 eine Eisengießerei betrieb. Ursprünglich stammte die Familie Fauler aus Thiergarten, heute ein Ortsteil der Renchtalstadt Oberkirch. Eduard Johann Anton Fauler, geboren am 26. Juli 1819 als Sohn des Firmengründers Philipp, war zusammen mit seinem Bruder Hermann Eigentümer eines Hüttenwerks in Falkensteig, wobei er selbst in Freiburg lebte. Fauler war von 1859 bis 1871 Bürgermeister von Freiburg. In seiner Zeit wuchs die Zahl der Einwohner von 17 000 auf 25 000. Fauler war maßgeblich an den Vorbereitungen für den Bau der Bahnlinien zwischen Freiburg und Breisach und in das Höllental beteiligt. Er richtete auch die erste Badeanstalt an der Dreisam, das heutige Faulerbad, ein. Eduard Fauler erlebte die Fertigstellung des Aussichtsturmes nicht mehr, er starb bereits am 22. August 1882. Der Betrieb wurde von Arthur Pfeilsticker, dem Schwiegersohn Eduards, weitergeführt.

Wann mit der Fertigung der Konstruktion begonnen wurde, wie ihre Einzelteile auf den Berg kamen und ob das Bauwerk in der Werkstatt zuvor schon einmal probeweise zusammengebaut worden war, ist nicht bekannt. Fest steht, dass sich während der Rede des ersten Bürgermeisters Emil Thoma auf dem Roßkopf der Himmel wieder aufhellte und die noch verbliebenen Musikanten der Militärkapelle sowohl unten wie auch auf der oberen Aussichtsplattform zu spielen anfingen. Auch auf dem Heimweg sollen sie so manchen Marsch geblasen haben.

Seither ist der Roßkopfturm tausendfach von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen erstiegen worden. Mehrfach musste er ausgebessert und mit neuer Farbe gestrichen werden, allein im Jubiläumsjahr 1989 investierte die Stadt Freiburg 100 000 D-Mark (rund 50 000 Euro) für die Erhaltung. 2003 bekam der Turm moderne Konkurrenz: Vier mehr als 70 Meter hohe Windräder drehen sich jetzt dort oben und erzeugen Strom und jeder, der auf der Autobahn oder aus dem Höllental in Richtung Freiburg fährt, sieht die sich drehenden Propeller, die den Roßkopfturm klein und zierlich wirken lassen.

Autor: Hans Sigmund